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Morenhovener Kabarett-Tage: Von Prozesshanseln und Warmduschern

Morenhovener Kabarett-Tage : Von Prozesshanseln und Warmduschern

Juristisch betrachtet ist die Sache klar: Der Kabarettfreund erwirbt im Vorverkauf oder auch an der Abendkasse ein sogenanntes kleines Inhaberpapier, indem er mit dem Veranstalter einen zeitlich befristeten Mietvertrag abschließt für eine "Aussicht gewährende Anlage" - unter Nichtjuristen auch profan als "Stuhl" bezeichnet.

Na, soweit alles klar? Denn das sollte es schon sein, will man von dem Abend mit Werner Koczwara auch was haben. Aber keine Sorge, das passt schon. Das war 2007, beim ersten Morenhovener Gastspiel dieses profunden Kenners deutscher Jurisprudenz schon so, und nun wieder im ausverkauftem Kreaforum.

Tags darauf gehörte die Bühne dann Erwin Grosche - einem alten Freund des Hauses: Kleinkünstler, Schauspieler, Autor und Filmemacher aus Paderborn. "Warmduscherreport Vol. II - literarische Schräglagen aus 30 Jahren" heißt sein "Best of", das er am Samstag präsentierte. Und in dem er sein Publikum ebenfalls vor voll besetzten Reihen mit Kurzszenen voller Anmut und Lebensfreude überraschte. Doch zurück zum Ernst des Lebens mit Koczwara: Draußen ist es grau und ungemütlich, da regt sich das Fernweh und lässt Juristenherzen höher schlagen. Gilt doch das Reiserecht als wahre Kür ihrer Zunft.

Versierte Zuhörer legen vorher im Gerichtssaal schon mal ein Handtuch über den Stuhl. Und da könnte man hier und da doch tatsächlich den Eindruck gewinnen, es handele sich bei manchen unserer Landsleute um ausgemachte Prozesshansel, deren oberste Priorität nicht im Reisen an sich, sondern in der anschließenden Minderung des Reisepreises liegt: zum Beispiel, wenn sich wider Erwarten Einheimische am Urlaubsort aufhalten sollten. Was Koczwara an der Stelle mal unkommentiert lässt, und die Art, wie er das tut, spricht für sich. "Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt - Teil 2. Die nächste Instanz" ist ein ausgesprochen kurzweiliges 90-minütiges Tutorium - von der Seitenbacherwerbung bis zur Seilbahnverordnung der Europäischen Union für Mecklenburg-Vorpommern.

Mit Grosche ging es derweil nach Absurdistan: Dort, wo ein Sprachjongleur und Alltagsphilosoph wie er sich mit geradezu raumwandlerischer Sicherheit bewegt, und das seit nunmehr schon 41 Jahren auf der Bühne. Nichtsdestotrotz oder auch vielleicht gerade deshalb ist es ihm gelungen, sich seine unverwechselbare und bis heute unverbrauchte Mischung aus kindlichem Staunen, Ironie und Sprachwitz zu erhalten. Mag sein, dass der ein oder andere eine Weile braucht, um diese Sprache zu verstehen, um ihren Klang genießen zu lernen, begleitet von Instrumenten und Requisiten, die man auch nicht alle Tage auf einer Bühne zu sehen bekommt. Merkwürdig ist das - und zwar im eigentlichen Sinn des Wortes. Wiedersehen macht Freude, und wie!

Zum Beispiel mit der Peter-Sloterdijk-Entspannungstasche, einem mit C.G. Jungs Symbolik und der Kritik der zynischen Vernunft bepackten Stoffbeutel, der - von oben nach unten übers Gesicht gezogen - dabei hilft, die für das Lachen verantwortliche Muskulatur zu stärken. Wunderbar, skurril und liebenswert, wie die blitzartig aufspringenden Einsichten ihres Besitzers: "Von vorn besser auszusehen als von hinten, das sollte doch eigentlich zu schaffen sein." Sagt er und lächelt, der Poet unter den Kabarettisten, der die Welt - unsere übrigens auch - mit etwas anderen Augen sieht.

Für den Auftritt von Konrad Beikircher heute Abend, 11. November, im LVR-Landesmuseum sowie von Matthias Reuter und Dietrich "Piano" Paul am 14. und 15. November im Kreaforum gibt es noch Karten unter www.kreaforum.de sowie an der Abendkasse.