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Weilerswist: Umgefahrener Strommast - Junger Traktorfahrer (16) soll fahrlässig gehandelt haben​

16-Jähriger fuhr mit Traktor gegen Strommast : Betreiber setzt nach Unfall in Weilerswist neuen provisorischen Mast

Weil ein 16-Jähriger mit seinem Traktor gegen einen Strommast gefahren ist, waren am Donnerstag zehntausende Haushalte stundenlang ohne Strom. Nun setzte der Betreiber einen provisorischen Strommast.

Die Bilder von der Unfallstelle haben Erstaunen ausgelöst: Wie konnte der Traktor auf dem Feld in Klein-Vernich bei Weilerswist am Donnerstag mit dem Mast der Überlandstromleitung kollidieren, so dass dieser umstürzte? Wie berichtet, zog der Crash auf dem Feld einen Folgeunfall nach sich, denn ein Ehepaar aus Weilerswist fuhr mit seinem Pkw in die spannungsführenden Stromkabel, die auf die Kreisstraße 11 gefallen waren.

Zunächst korrigiert die Polizei Euskirchen auf GA-Nachfrage die Zahl der Verletzten: Am Donnerstag hieß es, beide Insassen seien verletzt worden, das gilt jetzt aber nur noch für die 51-jährige Ehefrau des 50-jährigen Fahrers. Dieser habe angegeben, die Stromkabel wegen dunkler Rauchschwaden nicht gesehen zu haben. Wohl durch Funkenflug war es auf einer Fläche neben der Straße zu einem Brand gekommen.

Keine Hinweise auf technisches Versagen

Die Polizei teilt ferner mit, dass der 16-jährige Fahrer des Traktors, der selbst leichte Verletzungen davon trug, über die entsprechende Fahrerlaubnis und Einweisung verfüge. Die Maschine mit Anhänger habe er aus beruflichen Gründen gesteuert, er steht also in einem Arbeits- bzw. Ausbildungsverhältnis mit dem zuständigen landwirtschaftlichen Betrieb. „Es gibt keine Hinweise auf technisches Versagen“, erklärt Polizeisprecher Franz Küpper. Gegen den Jugendlichen werde vielmehr jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung im Straßenverkehr ermittelt.

Der Unfallverursacher habe sich in diesem Zusammenhang auch schon zum Hergang geäußert. Zu der Frage, wie der 16-Jährige den Crash erklärt hat, machte Küpper unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine Angaben. In den Fall seien auch die Erziehungsberechtigten eingebunden. In jedem Fall befasst sich die Polizei nur mit dem Traktorunfall, insoweit er ursächlich mit dem Unfall im öffentlichen Straßenverkehr in Verbindung steht. „Alles andere sind zivilrechtliche Angelegenheiten“, erklärte der Sprecher, der die Höhe des Sachschadens am Pkw noch nicht beziffern konnte.

Ungleich höher dürfte der Schaden sein, der an der Strominfrastruktur der Westnetz GmbH entstanden ist. Um welche Summe es dabei geht, wird bei dem Netzbetreiber noch ermittelt.

Betreiber setzt provisorischen Strommast

Am Samstag setzte der Verteilnetzbetreiber einen neuen provisorischen Strommast. Das Besondere an dem provisorischen Mast-System, das Westnetz jetzt eingesetzt hat, ist: Der Mast besteht aus einem modularen Baukastensystem, der sich gerade bei solchen Notlagen schnell und flexibel einsetzen lässt. Zudem lasse sich dieses Baukastensystem für jede Höhe und jeden Gelände verwenden, so Westnetz. Am Nachmittag wurden Seile in den Behelfsmast eingezogen.

Das Unternehmen hofft, dass der Mast mit den Stromleitungen am Sonntagabend in Betrieb gehen kann. Wenn das weiterhin so planmäßig verlaufe, könne man wieder von einen sicheren Netzzustand ausgehen. Das Unternehmen betont, das man ohnehin bereits wieder im Normalzustand sei, „sprich: alle Endkunden derzeit versorgt sind“.