Wiederverwertung von Müll in Swisttal Den Joghurtbecher vor dem Verbrennen retten

Swisttal · Wie kann die Menge an Verpackungsmüll reduziert werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Besuchs von Bundesumweltministerin Steffi Lemke im Entsorgungsunternehmen Hündgen in Swisttal-Ollheim.

 Ministerin Steffi Lemke mit Geschäftsführer Christian Hündgen bei der Hündgen Entsorgungs GmbH & Co. KG in  Swisttal-Ollheim.

Ministerin Steffi Lemke mit Geschäftsführer Christian Hündgen bei der Hündgen Entsorgungs GmbH & Co. KG in Swisttal-Ollheim.

Foto: Guido Schiefer

Die europäische Verpackungsverordnung gilt seit 30 Jahren und soll nun modifiziert werden. Ziel ist es, die Menge an Verpackungsmüll deutlich zu reduzieren. Die neue Verordnung soll bis spätestens Juni dieses Jahres vom EU-Parlament und vom Europäischen Rat verabschiedet werden. Doch wie funktioniert Müllreduzierung und Wiederverwertung in der Praxis? Um sich ein Bild zu machen, besuchte Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) jetzt das Entsorgungsunternehmen Hündgen in Swisttal-Ollheim.

Geschäftsführer Christian Hündgen hatte die Ministerin im November 2023 kennengelernt. Und zwar auf einer Reise zu einer internationalen Umweltkonferenz in der chinesischen Stadt Taicang, an der er auf Einladung der Industrie- und Handelskammer Köln als einer von nur fünf deutschen Wirtschaftsvertretern teilnahm. Bei dieser Konferenz ging es auch um Kreislaufwirtschaft und um die Reinhaltung von Luft und Gewässern. Hündgen kam damals auch bei einem Essen mit dem chinesischen Umweltminister ins Gespräch über sein Recycling-Konzept.

Neue Produkte aus Kunststoffmüll

Auf dieser Reise lud Hündgen die Ministerin ein, seinen Betrieb am Rand von Ollheim zu besuchen, um ihr die Produktionsabläufe und Zukunftspläne zu erläutern. Grob vereinfacht: Die Firma Hündgen sammelt Kunststoffmüll aus der Gelben Tonne, sortiert und reinigt ihn und produziert daraus sogenannte Recyclate. Das ist ein granulatähnliches Material, aus dem dann allerlei Kunststoffprodukte wie Blumentöpfe, Dämmplatten, Wassertanks oder Laminatböden hergestellt werden.

Im Grunde gehe es darum, die Bürger aufzuklären, welcher Müll in welche Tonne gehöre, meint Hündgen. Die leere Shampoo-Flasche gehöre beispielsweise nicht in den Restmüll, der in den Müllverbrennungsanlagen lande. Sie müsse in die Gelbe Tonne, um die Recycling-Quote zu erhöhen.

Hündgen sagt: „Von den 2,7 Millionen Tonnen Sammelmenge aus dem Gelben Sack, Gelber Tonne und Wertstofftonne werden in Deutschland nur etwa 50 Prozent recycelt. Das muss sich ändern.“ Bei den lizenzierten Verpackungsmengen von 1,7 Millionen Tonnen betrage der Anteil an der Verwertungsquote für Kunststoffe nur etwa 70 Prozent. Höhere Quoten seien mit der derzeitigen Gesetzgebung nicht zu erwarten.

Uneinheitliche Regelungen und mangelnde Aufklärung

Uneinheitliche Regelungen in den Kommunen und mangelnde Aufklärung der Bürger behinderten derzeit eine Erhöhung der Quote, sagt Hündgen. „Die Kreislaufwirtschaft ist ein Wohlstandsfaktor“, meint er. Sie entlaste die Umwelt und ermögliche eine günstigere Produktion bestimmter Waren.

In diesem Kontext sieht er auch sein Projekt „Grüne Mine“: Auf 50 Hektar direkt neben seinem Recycling-Betrieb möchte er Unternehmen ansiedeln, die aus den Recyclaten neue Produkte herstellen. Ein Vorteil: Lange Transportwege und damit Schadstoffemissionen fallen weg.

Das Projekt wurde im vergangenen Jahr im Swisttaler Gemeinderat grundsätzlich begrüßt, auch der Rhein-Sieg-Kreis und die Industrie- und Handelskammer unterstützen es. Über den weiteren Fortgang entscheidet der Regionalrat Köln, das politische Gremium der Bezirksregierung. Hündgen hofft auf baldige Genehmigung: „Dieses geschlossene Ökosystem bietet eine große Wertschöpfung. Arbeitsplätze und Energie bleiben in der Region.“

Von der Änderung der EU-Verpackungsordnung mit höheren Recycling-Quoten erhofft sich Hündgen mehr Planungssicherheit für sein Unternehmen und damit einen besseren Verkauf seiner Produkte, denn er müsse ja mit den Herstellern von Neuwaren konkurrieren. Hündgen will weiter in seinen Betrieb mit derzeit 140 Mitarbeitern investieren und zusätzliche Anlagen bauen. Er sagt: „Die neue Verpackungsordnung könnte ein Baustein sein, der unseren Kurs bestätigt. Der Besuch der Ministerin ist eine große Wertschätzung unserer Arbeit und unserer Familie.“

Die Ministerin war angetan

Steffi Lemke selbst war sehr angetan von dem, was sie in Ollheim gesehen hatte: „Mit der EU-Verpackungsverordnung bekommen wir die Chance, die Verpackungsflut wirksam zu reduzieren. Die Verpackungsindustrie muss künftig erstmals ein EU-weit einheitliches Mindestmaß an recyceltem Kunststoff in neuen Verpackungen einhalten“, teilt sie mit. So würden Verpackungen von Anfang an recyclingfreundlich hergestellt.

„Zugleich treiben wir Innovationen in der Sortier- und Recyclingtechnologe voran“, so Lemke. Das spare Ressourcen, Energie und nicht zuletzt klimaschädliche CO2-Emissionen. Die Firma Hündgen in Swisttal habe ihr „ein spannendes Beispiel für digitale Sortiertechnik“ gezeigt.

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