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Klimaschutzkonzept der Gemeinde Swisttal: "Wir dürfen nicht warten"

Klimaschutzkonzept der Gemeinde Swisttal : "Wir dürfen nicht warten"

Zutreffender hätte der Einstieg von Professor Hermann Schlagheck zur öffentlichen Vorstellung des Klimaschutzkonzeptes der Gemeinde Swisttal im großen Sitzungssaal des Rathauses nicht sein können: Anhand von Karikaturen hielt er "eine Gedächtnisminute für all die, die heute eigentlich hier sein müssten, aber nicht hier sind".

Denn gerade einmal zehn Interessierte waren der Einladung gefolgt, die meisten von ihnen Mitglieder des Umweltschutz-, Wirtschaftsförderungs- und Energieausschusses (UWE) sowie des Planungs- und Verkehrsausschusses.

Schlagheck stellte die Ergebnisse des interfraktionellen Arbeitskreises (AK) zum integrierten Klimaschutzkonzept für die Gemeinde Swisttal vor. Klimaschutz sei eine Herausforderung auf globaler und nationaler, aber auch auf kommunaler Ebene, sagte er. "Wir dürfen nicht warten, bis es zu spät ist. Die Kommunen und die Bürger vor Ort an der Basis müssen alles für den Klimaschutz tun, und das jetzt", forderte Schlagheck. Auch auf kommunaler Ebene gebe es eine Menge Möglichkeiten.

Über Ziele und Maßnahmen hat sich der AK Gedanken gemacht und "Maßnahmen und Weichenstellungen zum Energie- und Klimaschutz bis 2020" erarbeitet. Laut Schlagheck wurde dabei unter anderem festgestellt, dass in der Gemeinde Swisttal zwar bereits fast 500 Photovoltaikanlagen installiert sind, diese aber zusammen mit Biomasse-Anlagen insgesamt nur zehn bis zwölf Prozent zur CO2-Entlastung beitragen. Als Ziel nannte Schlagheck eine CO2-Reduktion von 30 Prozent im Vergleich zu 2010 durch weitere Energieeinsparung, zum Beispiel durch Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED sowie die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energie wie Windkraft, Sonne oder Geothermie.

Wie Kommunen und Bürger in Sachen Klimaschutz aktiv werden können, zeigte der AK auf: die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden, Ausbau von Solarthermie und Photovoltaikanlagen mit Eigennutzung des selbst erzeugten Stroms, Nutzung von Windkraft mit Bürgerbeteiligung, fundierte Energieberatung und Energiecontrolling, Ausbau von Nahwärme sowie das Errichten von Neubauten auf Passivhausstandard.

In 2010 hatte Swisttal laut AK einen Energieverbrauch von 377 Millionen Kilowattstunden in Form von Strom, Wärme und Kraftstoff, was einer CO2-Belastung von 136 000 Tonnen entspricht. Nur 20 Millionen Kilowattstunden davon waren Strom aus Photovoltaik und Biomasse sowie Wärme aus Holz und Biomasse (9,4 Prozent des Gesamtverbrauchs), entsprechend 9850 Tonnen CO2-Entlastung.

Dass Einspareffekte tatsächlich erreichbar sind, macht der AK am Beispiel des Rathauses Ludendorf sowie von Turnhalle und Grundschule Odendorf deutlich. So konnten durch Energiesparmaßnahmen am Rathausgebäude der Energieverbrauch gesenkt und durch die Holzhackschnitzelanlage die CO2-Belastung von 2008 bis 2012 um rund 75 Prozent gesenkt werden. Bei der Grundschule und Turnhalle Odendorf sank durch den Bezug von Wärme aus der ortsnahen Biogasanlage die CO2-Belastung um 20 bis 30 Prozent.

Das Integrierte Klimaschutzkonzept der sechs linksrheinischen Kommunen ist ebenso wie das Klimaschutzkonzept der Gemeinde Swisttal auf der Internetseite der Gemeinde zu finden unter: www.swisttal.de, Stichwort Klimaschutzkonzept.