Material und Erfahrung So sieht zielgenaue Fluthilfe aus Swisttal für das Saarland aus

Swisttal-Odendorf · Wie sieht die richtige Hilfe bei einer Flutkatastrophe aus? Auf diese Frage wissen viele Menschen aus Swisttal mittlerweile eine Antwort. Über Pfingsten waren nun Mitglieder des Bürgervereins Odendorf im Saarland. Was sie mitnahmen – und was sie allen empfehlen, die ebenfalls helfen wollen.

Bautrockner und Trocknungsgeräte bringen die Swisttaler Fluthelfer nach Marpingen im Saarland. Dort werden die Geräte nach Starkregen und Hochwasser gebraucht.

Bautrockner und Trocknungsgeräte bringen die Swisttaler Fluthelfer nach Marpingen im Saarland. Dort werden die Geräte nach Starkregen und Hochwasser gebraucht.

Foto: Bürgerverein Odendorf / privat

Wasser, das Straßen überflutet und Autos mitreißt, Bäche, die Innenstädte unter Wasser setzen, vollgelaufene Keller und Erdgeschosse: Die Bilder, die derzeit aus dem Saarland kommen, sind für die Betroffenen der Flutkatastrophe von Juli 2021 erschreckend vertraut. Ebenso vertraut ist denen, die sich bis heute in der Voreifel um Menschen und Flutschäden kümmern, was in einem solchen Fall gebraucht wird.

Mitglieder des Bürgervereins Odendorf brachen daher bereits am Pfingstwochenende auf, um Bautrockner und Entfeuchter in die Gemeinde Marpingen im Saarland zu bringen. Geräte, die schon vor drei Jahren gute Dienste leisteten und im Bestand des Infopoints in Odendorf sind.

Hilfe braucht zielgenaue Kontakte

Der Swisttaler Fluthelfer Kai Imsande hatte schon kurz, nachdem die Situation an der Saar bekannt wurde, die ersten Anfragen von Menschen aus der Voreifel, ob es Hilfe für das Saarland geben werde. Für ihn aber war wichtig: Es brauchte zunächst zielgenaue Kontakte, damit die Hilfe auch dort ankommt, wo sie benötigt wird. Nach Marpingen gibt es verwandtschaftliche Kontakte über Personen aus dem Helfernetzwerk in Heimerzheim.

Imsande wandte sich daher an den Marpinger Bürgermeister. Die Nachricht: „Wir haben Bautrockner“ sei dort sehr willkommen gewesen, berichtete Imsande dem General-Anzeiger. Gefragt waren aber auch die Erfahrungen der Swisttaler mit Hochwasser- und Starkregenschäden. Beispielsweise: Ob nun alles herausgerissen werden müsse? Imsandes Rat aus den Erfahrungen in Swisttal: Nichts voreilig machen, vor allen Dingen nicht vor einem Gespräch mit der Versicherung.

Insgesamt sei die Organisation im Saarland aber gut, so sein Eindruck. Container für Abfälle hätten schon bereitgestanden. Über eine Hotline konnten sich Helfer melden und erfahren, wo sie anpacken können. Auch der Bürgerverein Odendorf hatte sich darüber angekündigt. Grundsätzlich, betonte Imsande, sollte man sich vorab informieren. Denn nicht überall ist Helfen auch hilfreich. „Freiwillige haben in der Gefahrenabwehr nichts verloren“, sagte er. „Es sei denn, sie werden konkret angefordert, beispielsweise um Sandsäcke zu befüllen.“

Selbstvorsorge ist gefragt

Auch gut gemeinte Spenden sind am Ende nicht unbedingt nützlich. So bestehe ja rund um die betroffenen Regionen im Saarland noch die gesamte Infrastruktur, so Imsande. Mineralwasser, Lebensmittel oder Kleidung dorthin zu schicken, sei nicht sinnvoll. Das alles könne ortsnah gekauft werden.

Der Bürgerverein Odendorf beschränkte sich daher auf das dringend benötigte Material zum Trockenlegen von Kellern und Wohnräumen. Außerdem will der Verein mit seiner Expertise zur Selbstversorge später in den noch betroffenen Regionen präsent sein. Denkbar seien da Vorträge, wie sich Anwohner bei Starkregen schützen und vorbereiten können. Tipps dazu seien schon gefragt gewesen, während die Aufräumarbeiten noch liefen.

Imsande empfiehlt unter anderem, den persönlichen Versicherungsschutz genau zu prüfen, ob auch Starkregenereignisse abgedeckt sind. Kopien wichtiger Unterlagen sollten online in einer Cloud gespeichert sowie bei Familienmitgliedern oder Bekannten hinterlegt werden. Zudem sollte jeder die Sirenentöne kennen und wissen, wo ein batteriebetriebenes Radio steht sowie im Notfall auch Informationen weitergeben – beispielsweise an weniger internetaffine Personen. Und auf keinen Fall in den Keller gehen, wenn das Wasser kommt.

Im Saargebiet sucht unter anderem der Landkreis Neunkirchen Helfer und hat zwei Telefonnummern eingerichtet: ☏ 0160/847 55 03 oder ☏ 0160/910 90 561. Alternativ können sich Interessierte per E-Mail an hochwasserhelfer@landkreis-neunkirchen.de wenden.

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