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Seltene Blüte im Winter: Ungewöhnliche Blütenpracht im Dezember

Seltene Blüte im Winter : Ungewöhnliche Blütenpracht im Dezember

Am Rankgitter von Johannes Adenäuer in Oberbachem gedeiht eine Clematis. Erst war die Pflanze kümmerlich, jetzt legt sie sich mächtig ins Zeug.

Astern, Zinnien, Löwenmäulchen und viele andere Blumen hat Johannes Adenäuer (79) in seinem Leben gepflanzt und sich an ihren Blüten erfreut. Beim Anblick seiner Clematis im Hof überwiegt derzeit allerdings die Verwunderung: Dort gedeiht eine vorher eher zurückhaltend gewachsene Pflanze. Seit Herbst in voller Pracht, klettert sie mit 15 Blüten – mitten im Dezember – ein Rankgitter hinauf.

Kümmerlich sei das Waldreben-Gewächs an der Innenhofmauer das ganze Frühjahr und den Sommer über gewesen, erzählt Adenäuer. Weil das Pflänzchen einfach nicht wachsen wollte, hat er die oberirdischen Teile der Berg-Waldrebe bereits entfernt. „Im Herbst fing es aus den Wurzelresten an zu wachsen, als wäre es Frühling“, berichtet der rüstige Ruheständler. „Am 10. November hatte sie die erste Blüte.“

Als Ur-Oberbachemer und ehemaliger Landwirt kennt er die Natur wie seine Westentasche. „So etwas habe ich noch nicht gesehen. Wenn das so weitergeht, dann gehen die übrigen Knospen zu Neujahr auf“, schätzt Adenäuer.

Ähnliche Auffälligkeiten kennt Phänologin Anja Engels vom Deutschen Wetterdienst (DWD) von heimischen Bäumen und Sträuchern. Eine zweite Blüte sei beispielsweise bei Ebereschen, Rosskastanien, Forsythien oder Holundern häufiger zu sehen. Zudem: Seit Ende der 1980er Jahre würden die Winter immer kürzer. Eine Grafik auf der Internetseite des DWD zeigt die Verschiebungen auch der anderen Jahreszeiten in den vergangenen rund 30 Jahren deutlich: Im Mittel kündigte die Haselblüte die Vorfrühlingsphase pünktlich Anfang Februar an, in diesem Jahr stäubten diese Frühblüher bereits Mitte Januar.

Die Blüte der Clematis hingegen erklärt der technische Leiter des botanischen Gartens, Markus Radscheit, mit den langen Wärmephasen in Kombination mit der Trockenheit. Normalerweise sende die Knospe an den obersten Trieben per Hormon ein Signal an darunterliegende Knospen, damit sie nicht zur Unzeit blühen. Fällt diese Funktion wegen Wassermangels in den Leiterbahnen der Pflanze aus, beginnen die Knospen zu blühen, erklärt Radscheit. So blüht in Oberbachem eine Clematis auch mal zu Weihnachten.