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Hilfe in Wachtberg: Unter widrigen Umstände für die Flüchtlinge da

Hilfe in Wachtberg : Unter widrigen Umstände für die Flüchtlinge da

Ehrenamtliche Helfer der Wachtberger Geflüchtetenhilfe entwickeln Ideen, wie sie ausgefallene Angebote ersetzen können. So gibt es beispielsweise Tablets auf Raten für den virtuellen Schulbesuch.

Ohne Sprache ist das tägliche Leben mit den sonst einfachsten Dingen schwierig. Um die Sprache in einem fremden Land zu lernen und sich zu integrieren, braucht man Sprachkurse und Kontakt mit seinen Mitmenschen. Beides ist allerdings seit Monaten immer wieder nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. In Wachtberg geben sich Ehrenamtliche und Verwaltung alle Mühe, die derzeit wenigen Möglichkeiten für Flüchtlinge gemeinsam zu nutzen.

In der Verwaltung hatte man auf die mal gelockerten, mal strengeren Kontakteinschränkungen mit reagiert. „Damit keine Zusammenkünfte in den Gängen oder vor dem Rathaus entstehen“, so Johannes Hüllen vom Fachbereich Soziales, gebe es jetzt klare Regelungen für Rathausbesuche. Seit April unterstütze zudem ein Sicherheitsdienst bei den monatlichen Auszahlungen, um die Abläufe zu steuern und auf die Einhaltung der Hygienemaßnahmen vor Ort hinzuweisen. Viele Flüchtlinge meldeten von sich aus ihren Besuch im Rathaus telefonisch an, so Hüllen. „Bei uns ist der direkte Kontakt auf ein Minimum reduziert, aber er findet statt. In anderen Behörden geht alles nur noch schriftlich.“ Das wirft vielfach zusätzliche Probleme auf.

Kurt Zimmermann, ehrenamtlich im Namen des ökumenischen Arbeitskreises für die Flüchtlinge unterwegs, berichtete aus dem schwierigen Alltag. „Es gibt riesige bürokratische Hürden.“ Gleich ob es um das Teilhabepaket, Duldungen oder Prüfungen geht. Das Sprachverständnis und die Ausdrucksmöglichkeiten sind eingeschränkt, die Menschen brauchen Hilfe. „Die Leute schicken uns ihre Unterlagen, wir bemühen uns um Lösungen“, so Zimmermann. Es seien aber nur wenige, die noch helfen könnten.

Außerdem müssten auch einige Helfer geschützt werden, weil sie zur Risikogruppe gehören, ergänzte Tülün Kahlenberg, Mitarbeiterin im Fachbereich Soziales, zudem in der Geflüchtetenhilfe der Gemeinde aktiv. Damit verteile sich die Arbeit auf weniger Schultern. „Die Arbeit ist vielfältig. Jeder hat seine eigenen Voraussetzungen und seine besonderen Probleme, je nach Situation“, beschrieb sie. So benötige eine alleinerziehende Mutter oder ein alleinerziehender Vater andere Unterstützung als ein Ehepaar mit Kind oder Alleinstehende.

„Paare können sich zum Beispiel beim Besuch des Sprachkurses abwechseln. Erst absolviert einer den Sprachkurs, und der andere kümmert sich ums Kind, später umgekehrt, oder das Kind kann vielleicht schon in den Kindergarten.“ Alleinstehende seien in jedem Fall auf den Kindergarten- oder Schulplatz angewiesen, um die Sprache zu erlernen. Aber auch die Sprachkurse finden laut Ehrenamtskoordinatorin Katja Ackermann seit März nur noch mit reduzierter Stundenzahl und in Kleingruppen statt. Auch die Samstagstreffs, die Sprachförderung, die Unterstützung des Kleiderpavillons oder die Hausaufgabenhilfe fänden nicht mehr oder nur eingeschränkt statt. Bei Schul- oder Kindergartenschließungen litten vor allem die Kinder. „Es fehlt der Kontakt, viele haben keine elektronischen Medien für das Homeschooling oder kommen nicht damit zurecht“, so Ackermann.

Trotzdem geben die Engagierten nicht auf. „Wir haben jetzt ein Mietkaufsystem“, so Kahlenberg. So könnten die Flüchtlinge ratenweise ein Tablet erwerben, mit dem ein virtueller Schulbesuch möglich ist. Zusammenfassend meinte sie: „Trotz allem ist es bewundernswert, mit welcher Ausdauer und welchem Einsatz dieser Situation getrotzt wird.“

Wer das Team in der Geflüchtetenhilfe unterstützen möchte, erhält Informationen unter wolbers@kath-wachtberg.de.