Urteil des Landgerichts Bewährungsstrafe nach Misshandlungen in einer arrangierten Ehe

Bornheim · Ein Bornheimer ist wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Er soll seine Ehefrau mehrfach misshandelt haben. Vor dem Bonner Landgericht wird auch über den Beginn der arrangierten Ehe gesprochen.

Ein Bornheimer soll seine Frau jahrelang misshandelt haben. Dafür stand er nun vor dem Landgericht.

Ein Bornheimer soll seine Frau jahrelang misshandelt haben. Dafür stand er nun vor dem Landgericht.

Foto: Martin Gausmann

„Es kam zu Schwierigkeiten“, hatten sowohl der Angeklagte als auch seine Ex-Frau vor Gericht ausgesagt. Diese „Schwierigkeiten“ gipfelten allerdings in jahrelangen Gewaltexzessen des 34-jährigen Bornheimers gegen seine 31-jährige damalige Ehefrau. Am Donnerstagnachmittag wurde der gewalttätige Ex-Ehemann nun vor dem Bonner Landgericht wegen gefährlicher Körperverletzung in drei sowie wegen vorsätzlicher Körperverletzung in weiteren zwei Fällen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Das Urteil ist das Ergebnis einer Verständigung nach dem Schema „Geständnis gegen eine relativ milde Strafe“.

13.000 Euro Brautgeld

Die anfänglichen „Schwierigkeiten“, von denen das mittlerweile geschiedene Paar vor Gericht sprach, scheinen – anders als die Gewalttaten – noch durchaus nachvollziehbar: Die Ehe zwischen dem gebürtigen Kosovo-Albaner und der albanischen Roma war nämlich von den Familien arrangiert worden. Der Mann – 1991 mit seiner Familie nach Deutschland eingewandert und beruflich nicht ohne Erfolg – wurde mit der 1992 geborenen Frau verkuppelt, die damals noch in ihrer Heimat lebte. Die späteren Eheleute fanden einander beim ersten Kennenlernen gar nicht so unsympathisch und folglich stimmten sie dem Deal zu. 13.000 Euro „Brautgeld“ zahlte die Familie des Mannes den Eltern der Frau, die im August 2011 zunächst noch illegal ins Rheinland kam.

Das Paar lebte mit sechs Personen in der 100 Quadratmeter großen Wohnung der Eltern des Bräutigams in Bornheim. Es waren beengte Verhältnisse, die nach der Geburt der ersten gemeinsamen Tochter im folgenden Jahr noch enger wurden. Womöglich ein Grund zum Streit, nicht aber für die zahlreichen Gewalttaten, für die der Mann nun die juristische Quittung bekam. Demnach kam es zwischen dem 7. August 2015 und dem 12. Oktober 2018 mindestens zu den verurteilten fünf Übergriffen, bei denen der Mann sich eines Baseballschlägers, einer brennenden Zigarette sowie eines Kabels bediente, um seine Frau zu misshandeln. „Wir vermögen nicht zu sagen, ob die Taten aus der familiären Situation resultieren“, so die Vorsitzende Richterin bei der Urteilsbegründung.

Intermezzo im Frauenhaus

„Es passiert nie wieder“, hatte der Gewalttäter seiner Frau noch nach dem ersten Mal versprochen. Es passierte aber immer wieder. Nach einem Intermezzo in einem Frauenhaus, nach dem die Misshandelte wieder zu Hause eingezogen war, zog die Frau im Oktober 2018 dann endgültig die Reißleine und verließ den gemeinsamen Haushalt. Die Schwiegereltern hatten die Wohnung mittlerweile verlassen, dafür lebten die Eheleute nun mit fünf gemeinsamen Kindern in der zu kleinen Wohnung. Das Sorgerecht für den Nachwuchs liegt seit der Trennung beim Vater, der vor einigen Jahren einen lukrativen Job als Heizungsmonteur in der Schweiz angenommen hat.

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