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Vorfall in Weilerswist: Mann soll Adoptivtochter missbraucht haben

Vorfall in Weilerswist : Mann soll Adoptivtochter missbraucht haben

Ein 51-Jähriger ist vor dem Bonner Landgericht angeklagt. Er soll seine heute 29 Jahre alte Adoptivtochter sechs Mal missbraucht haben. Der Mann weist alle Schuld zurück und greift seine Ex-Frau an.

Deutlich über drei Stunden dauerte der Vortrag des Angeklagten: Sichtlich emotional, teilweise unter Tränen skizzierte am Dienstagmorgen ein 51-jähriger Familienvater die letzten 20, 30 Jahre seines Lebens aus eigener Sicht. Weil er seine heute 29-jährige Adoptivtochter zwischen Oktober 2000 und Oktober 2001 in Weilerswist insgesamt sechs Mal sexuell missbraucht haben soll, muss sich der Mann aktuell vor dem Bonner Landgericht verantworten.

Das mutmaßliche Opfer hatte die möglichen Taten erst vor zwei Jahren zur Anzeige gebracht; der Angeklagte wies die Vorwürfe deutlich von sich und sieht in der Anklage das Ergebnis eines Erpressungsversuchs seiner Ex-Frau und Mutter der Nebenklägerin.

Wollte die Ex-Frau den Angeklagten erpressen?

Die habe er Anfang der 90er-Jahre kurz nach deren Trennung von ihrem damaligen Mann kennengelernt, so der Angeklagte im Zeugenstand. Sie habe eine kleine Tochter, die jetzige Klägerin, mit in die Beziehung gebracht. 1996 kam dann ein gemeinsamer Sohn zur Welt, der Soldat zog mit seiner „kleinen Familie“ nach Bayern, wo er stationiert war.

Weil seine neue Frau – das Paar hatte mittlerweile geheiratet – aber Sehnsucht nach ihren Freundinnen hatte und im Süden nie ganz heimisch geworden sei, zog sie nach einiger Zeit ins Rheinland zurück. Er habe lange Zeit pendeln müssen, so der Angeklagte.

So sei ihm auch zunächst entgangen, dass seine Frau wohl nicht mit Geld umgehen könne: Trotz seines ja durchaus vernünftigen Soldes habe er zum Beispiel einmal am Bahnsteig gestanden und sich keine Fahrkarte ziehen können. Seine Frau hatte das Konto über den Anschlag überzogen. Nachdem er dann eine Stationierung in der Eifel bekommen habe, habe er erfahren, dass sogar einige Male der Gerichtsvollzieher vor der Türe stand.

Konflikte mit der Schwiegermutter

Auch mit seiner Schwiegermutter sei er zunehmend in Konflikt geraten: Weil seine Adoptivtochter eines Tages zu ihm in die Dusche gekommen und ihn unvermittelt an seinem Penis gezogen habe, habe er dem damals zirka zehn Jahre alten Mädchen spontan eine Ohrfeige verabreicht. Später habe er dann seiner Frau anvertraut, dass er nur deshalb so außer sich geraten sei, weil er als Kind über Jahre hinweg von seinem eigenen Großvater missbraucht worden sei.

Entgegen der Absprache habe seine Frau dieses Geheimnis – nicht einmal sein eigener Vater habe davon gewusst – aber schnell an seine Schwiegermutter weitergetragen. Mit der Bemerkung „Opfer gleich Täter“, habe diese dann ihn dann des Öfteren konfrontiert.

Das Gericht will sich bis Ende November ein Bild machen

Nachdem sich das Paar dann Mitte der Nullerjahre getrennt hatte, habe seine Ex-Frau ihm mehrfach damit gedroht, ihn wegen Missbrauchs seiner Adoptivtochter anzuzeigen, wenn er nicht tue, was sie wolle. Zum letzten Mal soll das der Fall gewesen sein, als sich seine mittlerweile bei ihm und seiner neuen Frau lebende leibliche Tochter mit finanziellen Wünschen an ihre Mutter gewandt habe.

Dem erneuten Erpressungsversuch habe er aber dieses Mal nicht nachgegeben und es auf eine Klage ankommen lassen. Geklagt hatte dann allerdings wie erwähnt seine Adoptivtochter. Die Staatsanwaltschaft scheint die Aussage der jungen Frau allerdings durchaus als belastbar anzusehen, das Gericht muss sich bis zum Ende des Monats ein eigenes Bild machen.