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In den Beruf verliebt: 19-Jährige aus Wachtberg macht Dachdeckerlehre

In den Beruf verliebt : 19-Jährige aus Wachtberg macht Dachdeckerlehre

Die 19-jährige Emily Keil aus Wachtberg steht als Dachdeckerin ihre Frau. In ihrer Lehre genießt sie die Arbeit und die Aussicht von oben.

Erstaunte Blicke von Kunden sind Emily Keil gewiss, wenn sie mit Kollegen ihre Arbeit beginnt. Schließlich kommt es bislang noch nicht aller Tage vor, dass eine Frau den körperlich herausfordernden Dachdeckerberuf ergreift. Keil hat im Sommer als Auszubildende in der Villiper Dachdecker- und Zimmereifirma von Alexander Eichhorn angefangen.

„Die Kundenredaktionen sind durchweg positiv“, sagt die Werthhovenerin. Für die 19-Jährige Abiturientin stand es auch nie infrage, Dachdeckerin zu werden: „Nach einem Praktikum hatte ich mich sofort in den Beruf verliebt“, erinnert sich die junge Frau. Das Ganze war alternativlos: „Ich wollte absolut nicht studieren.“

Folgerichtig hatte sich Keil darum auch im Sommer für eine Lehrstelle bei Eichhorn beworben. Der hatte zwar bereits zwei männliche Azubis ausgewählt, ihr dann aber kurzfristig noch eine Chance gegeben: „Ich hatte bei ihr ein gutes Gefühl.“ Die Entscheidung bereut er nicht: „Sie macht ihren Job richtig gut und ist sehr ehrgeizig.“

Als der heute 39 Jahre alte Eichhorn 1998 seine Lehre als Dachdecker begann, „gab es so etwas nicht“. Genauer gesagt: eine Frau, die diesen Beruf lernen wollte. Das hat sich inzwischen ein klein wenig geändert, so Eichhorn: „In meiner Meisterklasse hatte eine Frau die besten Noten und führt heute einen großen Dachdeckerbetrieb in Aachen.“ Auch unter den rund 90 Dachdeckerlehrlingen im Rhein-Sieg-Kreis in diesem Jahr ist Emily Keil eine von lediglich drei Frauen.

Natürlich waren auch ihre Schulkameraden „schwer beeindruckt“ von ihrem Berufswunsch, schildert sie. Schließlich ist der für eine Frau nicht so ganz ohne, weiß ihr Arbeitgeber aus mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Zum einen sei ein Dachdecker bei jeder Witterung im Einsatz. „Ob bei über 30 Grad oder Minustemperaturen“, so Eichhorn. Hinzu komme, dass man oft den ganzen Tag lang mit Ziegeln auf dem Dach arbeiten müsse. „Das ist schwere Arbeit“, führt er aus. Schwindelfrei muss man auch sein.

Damit hat Keil keine Probleme. Wohl aber hat sie inzwischen auch schon die Erfahrung machen müssen, dass das Dachdeckerhandwerk oft alles andere als ein Zuckerschlecken ist. Dennoch ärgert sie es extrem, „dass ich Abends platter bin, als die männlichen Kollegen“. Um das Manko zu beheben, werde sie künftig nach Feierabend auch noch mehr Kraft trainieren. Ihrer Leidenschaft zu dem Job tut das alles keinen Abbruch: „Ich sehe jeden Tag das Resultat meiner Arbeit, und das erfüllt mich total.“ Außerdem merke sie, dass es jeden Tag besser laufe, und der weite Ausblick von einem Dach entschädige für vieles.

Und die Kollegen, bekommt man da als Frau nicht oft einen Spruch zu hören? „Ja klar“, bestätigt sie mit einem breiten Grinsen: „Aber das kann ich auch. Ich weiß mich zu wehren.“ Unterm Strich ist Keils Akzeptanz in seinem 20-köpfigen Team groß, bestätigt Firmenchef Eichhorn: „Emily wird voll akzeptiert, und in vielen Situationen ist eine Frau auch sehr gut für das Miteinander.“ Auch was die Arbeit angeht, hat die 19-Jährige bereits Spuren hinterlassen: „Ich sehe sofort, was sie gemacht hat“, sagt Eichhorn: „Das ist viel akkurater als bei den männlichen Kollegen.“