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Ausstellung "Mein letztes Hemd": Acht Künstler thematisieren in Niederbachem Tod und Sterben

Ausstellung "Mein letztes Hemd" : Acht Künstler thematisieren in Niederbachem Tod und Sterben

Eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem ohnehin belastenden Thema Tod und Sterben scheint schwere Kost zu sein. So dürfte ein Besucher von einer Ausstellung erwarten, die erklärtermaßen das Ableben aufgreifen will, mit etwas Bedrohlichem, Dunklem konfrontiert zu werden.

Nicht so in der Ausstellung "Mein letztes Hemd", die am Sonntag im evangelischen Gemeindehaus in Niederbachem eröffnet wurde.

Statt belastender Kunstkost hingen "helle, fröhliche" Werke in der Kapelle, wie der Wachtberger Kunstfreund Dieter Braun betonte. Braun führte in die ungewöhnliche Ausstellung ein. Dabei wurde das Ganze von acht Künstlern unter Leitung der Bestatterin Ute Bockshecker als künstlerisches Experiment begriffen, das durchaus gut ankam. Geradezu "bezaubernd schön" fand Braun die "spielerische Auseinandersetzung mit dem Unausweichlichen".

"Tragödie und Komödie, Lust und Leid begleiten doch unser Leben", so Braun. So mag sich aus seiner Sicht die Ausstellung auch vordergründig dem Tod widmen, "aber damit beschäftigt sie sich dadurch auch automatisch mit dem Leben". Schließlich werde der Tod ja auch aus der Sicht von Lebenden betrachtet. Etwa von Anna Berghoff-Gryscheck, die in einer Art Collage ein Sterbehemd gemeinsam mit einem Säuglingshemd zeigt. "All das, was zwischen diesen beiden Eckpfeilern passiert, nennen wir doch Leben", betonte der Kunstfreund.

Doch Fakt sei, so Braun weiter: "Wir wollen nichts mit Tod zu tun haben." 80 Prozent der Menschen würden in Krankenhäusern oder Pflegeheimen sterben, um Angehörige nicht mit einem Tod in den eigenen vier Wänden zu belasten. Natürlich spielt bei diesem anonymen Sterben auch die Kommerzialisierung des Todes eine Rolle. Weil vielerorts schnell und preiswert gestorben werden muss, hat Künstler Christian Rosenzweig sein Werk vielsagend "Lebensschlussverkauf" getauft. Rosenzweig zeigt ein Sterbehemd unter dem Motto "McDeath"; das Hemd ist übersät mit roten Angebotsstickern, etwa einem "Sale"-Aufkleber.

Das andere Extrem von Tabuisierung und Verdrängung ist allerdings dann für Dieter Braun erreicht, wenn die Furcht vor dem Ableben zu Lebzeiten allgegenwärtig wird. Daher hegt er die Hoffnung, "dass die Ausstellung hilft, einen Mittelweg zu finden". Genau diesen Gedanken hat die Niederbachemer Künstlerin Monika Clever in ihrem Triptychon "Ausgetanzt" aufgenommen. Dem weißen Totenhemd stellt Clever ein weißes Kleid gegenüber uns unterstreicht aus Sicht von Braun so ihre Lebenseinstellung: "Tanzen, bis zur letzten Minute."

Zu sehen ist die Ausstellung bis Sonntag, 23. November, in der Kapelle des evangelischen Gemeindehauses in Niederbachem, montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und sonntags nach dem Gottesdienst.