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Knospe der Kastanie hilft bei Halskratzen: Adendorfer Kräuterwanderer erklärt bei Führung Naturheilmittel

Knospe der Kastanie hilft bei Halskratzen : Adendorfer Kräuterwanderer erklärt bei Führung Naturheilmittel

Kräuterwanderer entdecken schmackhafte Überraschungen von Feldrain und Wiese. Der promovierte Biologe Dirk Holtermann führt am Rande Adendorfs durch die Natur.

Ungeahnte Erkenntnisse an kahlen Ästen in kalter Natur gewannen die Teilnehmer der Kräuterwanderung von Dirk Holtermann und der Aktionsgemeinschaft Adendorf. Die Strecke führte durch die Straßen und entlang der Feldraine des Töpferortes, wo man einfache Unterscheidungsstrategien an lebenden Objekten kennenlernte. Anhand praktischer Ausschlusskriterien und ebenso simpler Einteilungen könne man ohne große botanische Vorkenntnisse fast alle einheimischen Baum- und Sträucherarten unterscheiden, erläuterte der Diplombiologe.

Als Entscheidungskriterien galten die Zugehörigkeiten zu Nadel- oder Laubbäumen, immergrüne oder im Winter kahle Bäume, wechselständige oder gegenständige Knospen, Form und Farbe der Knospen sowie der allgemeine Wuchs. Besonders den Knospen widmete dieser Exkurs seine Aufmerksamkeit. Schon nach kurzer Zeit fiel es den Teilnehmern leicht, die wenigen gegenständigen Bäume wie Kastanie und Ahorn von den anderen zu trennen. Aber auch den Flieder des Nachbarn erkannte man ohne Blätterwerk oder Blüten schnell anhand der Tatsache, dass er der Einzige mit gegenständigen Knospen ist, der an fast allen Ästen meist zwei Endknospen trägt.

Dass viele unserer heimischen Pflanzen nicht nur hübsch anzuschauen, sondern auch kulinarisch genießbar sind, war dem einen oder anderen bereits bekannt. Dirk Holtermann erklärte während der Wanderung jedoch, warum man gerade bei immergrünen Pflanzen den Genuss vermeiden sollte. Die Gewächse enthalten einen Stoff, der sie vor Frost schützt, aber für Menschen gefährlich oder gar giftig ist. Die Knospe der Kastanie hingegen, erläuterte der erfahrene Biologe, lutschten unsere Vorfahren bereits bei Halskratzen. Die natürliche Kittsubstanz, der die Knospenschuppen gegen Mikroorganismen und Wasser abdichtet, stellt eine Vorstufe des von Bienen produzierten, antiseptisch wirksamen Propolis dar.

Nützliche Einblicke für die Teilnehmer

Für die Teilnehmerin Monika Fischer von der Jägerschaft Bonn waren dies sehr nützliche Einblicke. Im Rahmen ihrer Arbeit mit der rollenden Waldschule hatte sie gezielt nach einer solchen Veranstaltung gesucht. „Wir möchten den Kindern dieses Wissen vermitteln, das zu unserer einheimischen Welt gehört“, erklärte sie. Holtermann schmunzelte: „Wenn die Blätter gefallen sind, denken viele, man könne nichts mehr erkennen.“ Mit seinen Tricks und einer kleinen Karte mit Bestimmungsschlüssel konnte man bis zum Ende der Wanderung 20 bis 30 Bäume problemlos voneinander unterscheiden. Zum Abschluss genossen die Teilnehmer einen aus selbst gepflückten Wildkräutern hergestellten Kräuterquark.

Nicht nur Knospen und Unterscheidungskriterien für Bäume und Sträucher hat der Mann von der Gundermann-Akademie – Zentrum für nachhaltige Entwicklung im Programm. Bei den fünf Kräuterwanderungen im Jahreslauf gibt es jedes Mal Neues zu entdecken, zu erfahren und kulinarisch zu genießen. Im Oktober des Vorjahres setzte man nach der Sammlung von Herbstkräutern mit diesen einen wohlschmeckenden Kräuterschnaps an, der nach zwei Monaten pünktlich zu Weihnachten genussfertig war. Womit die Teilnehmer im kommenden Frühjahr unter der Leitung von Holtermann in Zusammenarbeit mit der „Aktionsgemeinschaft für den Schutz der Landschaft in Wachtberg und Umgebung“ überrascht werden, war noch nicht spruchreif.