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Bombenangriff in Fritzdorf 1945: Als der Krieg nach Fritzdorf kam

Bombenangriff in Fritzdorf 1945 : Als der Krieg nach Fritzdorf kam

Auf den Tag genau 70 Jahre ist es her, dass das Dorf Fritzdorf den schwärzesten Tag seiner jüngeren Geschichte erlebte. Am 4. Februar 1945 fielen Brandbomben der Alliierten auf den Ortskern.

Die Bilanz: Eine Tote und viele Verletzte. Wachtbergs Bürgermeister Peter Schmitz, der das Bombardement als 16-Jähriger erlebte, erinnert sich Jahre später an den Angriff. Demnach lebten die Fritzdorfer Anfang 1945 eigentlich im Gefühl der Sicherheit. Ausgerechnet am Morgen dieses Tages war eine Sanitätstruppe in den Ort eingerückt. An jenem 4. Februar habe er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern am Abendbrottisch gesessen, da habe es gegen 21 Uhr plötzlich Fliegeralarm gegeben. Sofort sei die Familie in einen nahe gelegenen Erdbunker gerannt.

Plötzlich hagelte es Brandbomben. "Unheimlich brummend kreisten die Flieger über unserem Dorf. Um neun Uhr hagelten plötzlich Brandbomben auf uns nieder. Es wurde taghell und 25 Scheunen und viele Wohnhäuser standen in Flammen", schilderte Schmitz seine Erlebnisse. Fritzdorfs Bürger versuchten, sich und ihr Hab und Gut zu retten, Nachbarn zu helfen, und viele von ihnen flüchteten in die Dorfkirche. Bauerstochter Gertrud Küpper aus der Schmiedegasse versuchte, das Feuer im elterlichen Haus zu löschen. Dabei wurde sie durch eine Brandbombe schwer am Kopf verletzt und starb nur wenig später auf dem Weg ins Krankenhaus. "Gegen 22 Uhr bemerkten wir, dass die Spitze des Kirchturms brannte.

Das Feuer fraß sich langsam den Turm herunter. Die herbeigeeilte Meckenheimer Feuerwehr versuchte zu retten, was zu retten war - vergeblich", so Schmitz. Es fehlte an Löschwasser, und kurz danach stürzte das Kreuz vom Dach. "Auch die Orgel und die alte Sebastianusfigur wurden Opfer der Flammen. In letzter Minute drang Ferdinand Schüller unter Lebensgefahr durch die Deckenluke und lenkte von dort den Wasserschlauch. Er rettete die Kirche." Die Georgs-Kirche wurde nach dem Krieg wiederaufgebaut und erhielt ein neues Turmdach. Aus Kostengründen fiel der Neubau in seinem Umfang etwas sparsamer aus.

Auch der damalige Fritzdorfer Pfarrer Ferdinand Schmitz hat seine Erinnerungen an den Kirchenbrand für die Nachwelt erhalten. "Eine Bombe fiel unmittelbar unter das Turmkreuz. Da kletterten Soldaten bis in den Kirchturm, kamen aber nicht bis an den Brandherd heran. So mussten die Helfer mit ansehen, wie sich das Feuer immer weiter nach unten durchfraß und der 22 Meter hohe Helm niederbrannte. Die Kirche besaß ursprünglich vier Glocken. Zwei mussten schon vorher abgegeben werden." Pfarrer Schmitz: "Um Mitternacht schlug die Sankt-Georgs-Glocke noch siebenmal an. Dann ist sie mit dem Einklöpper wie Wachs geschmolzen."

Am Tage nach der Unglücksnacht, so der Geistliche, habe es noch allenthalben geraucht und gebrannt. "Gott sei Dank konnten wenigstens alle Wohnhäuser gerettet werden. Unsere Männer räumten den Schutt aus dem Kirchturm, unsere Mädchen schrubbten und putzten, und am Abend konnten wir wieder das heilige Opfer feiern."

Die Front rückte immer näher. Einige Wochen lang konnte man noch durch den offenen Turm zum Himmel blicken. Dann gingen die Dachdecker an die Arbeit, brachten eine neue Deckenlage und neue Bänke für die Orgelbühne an und besserten die schlimmsten Schäden am Dach des Kirchenschiffes aus.

Am 5. März kam plötzlich der Abmarschbefehl für das Feldlazarett. Die Front rückte näher. Am Morgen des 7. März hörten die Fritzdorfer, dass die Amerikaner schon in Gelsdorf stünden. Ferdinand Schmitz: "Nach der zweiten heiligen Messe, um 8.15 Uhr, brausten die ersten amerikanischen Panzerwagen, von Eckendorf kommend, durch Fritzdorf. In Arzdorf waren sie gegen 11 Uhr. An die Kriegszerstörung erinnerte jetzt der Fritzdorfer Wolfgang Kündgen. Er hat seit einiger Zeit die Fritzdorfer Kirchenchronik in seiner Obhut. Sein Quellenstudium dient dem interessanten Ziel, die Fritzdorfer Ortsgeschichte aufzuarbeiten.