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Heimatverein Niederbachem: "Als Oma noch ein Mädchen war"

Heimatverein Niederbachem : "Als Oma noch ein Mädchen war"

Durch die fortschreitende Digitalisierung werden Bücher immer mehr zu besonderen Gütern. Kleine Kulturschätze voller Geschichten, die man anfassen und durchblättern kann. Jeder erinnert sich noch an sein Lieblingsbuch als Kind oder die Bücher, die man abends vor dem Schlafengehen von den Eltern oder Großeltern vorgelesen bekam.

Aber wie hat die heutige Großelterngeneration ihre erste Leseerfahrung in der Nachkriegszeit gemacht? In einer Zeit, die durch den Zweiten Weltkrieg, Zerstörung und Verzicht geprägt war. Wie haben sie die Welt wahrgenommen? Diesem Thema widmet sich die Ausstellung "Als Oma noch ein Mädchen war - Schul- und Mädchenbücher im Spiegel der Nachkriegszeit" des Heimatvereins Niederbachem, die am Dienstagabend eröffnet wurde.

Die Idee kam Vorstandsmitglied Walter Töpner nach der Lektüre des Buches "Die vergessene Generation" von Sabine Bode. Im Dezember vergangenen Jahres startete er dann den Aufruf zur Büchersammlung (der GA berichtete) und traf sich mit den Leihgebern. "Mir wurde sehr schnell klar, dass man eine solche Ausstellung nicht machen kann, ohne auf die Lebensgeschichte der Kinder und Jugendlichen einzugehen, die diese Bücher gelesen haben", erklärte Töpner die Ausweitung.

Neben den Büchern und Schulheften geben so auch die persönlichen Lebensgeschichten der Leihgeberinnen und Leihgeber in Porträtform mit einem Foto der Einschulung Einblicke in die damalige Zeit. In einem dritten Teil der Ausstellung werden zudem die Kinderbuchautoren, wie Erich Kästner, Astrid Lindgren, Enid Blyton oder Else Ury, vorgestellt.

"Ich habe “Onkel Toms Hütte„ als besondere Auszeichnung in der Schule erhalten", erinnert sich Ingrid Hemmer. "Lesen und Bücher waren etwas Kostbares. Bücher gab es immer zum Geburtstag", erzählt Ilona Töpner. Viele Besucher stehen vor den beiden gefüllten Glasvitrinen und begutachten die Exponate: Das doppelte Lottchen, Der Struwwelpeter, Die Struwwelliese, Nesthäkchen. In einem aufgeschlagenen Heft von Ruth Keller kann man den Aufsatz über eine Radtour in den Pfingstferien lesen. Dabei werden viele Erinnerungen an vergangene Zeiten wach. "Wenn man als Kind solche Bilder sieht, bleiben sei einem im Kopf", sagt Ilse Fuß und deutet auf den bunten Einband von "Peterchens Mondfahrt".

Ein altes Radio sowie eine Stehlampe und ein Sessel zwischen den Vitrinen greifen die Atmosphäre auf. An den Stellwänden finden sich sogar alte Zeugnisse, Aufsätze und eine Ehrenurkunde, die Ilona Möntmann am 26. Juni 1959 verliehen bekam. Unterschrieben hatte damals der erste Bundespräsident der BRD, Theodor Heuss.

Anlässlich der Ausstellungseröffnung überreichte Gisela Ingenhorst im Namen der VR-Bank Niederbachem einen Scheck in Höhe von 1000 Euro an den Vereinsvorsitzenden Hans Thelen. "Die Ausstellung spiegelt einen Teil unserer Ar+beit wider", bedankte sich Thelen. Der Verein möchte mit seiner Arbeit eine Brücke zwischen den Generationen schaffen und besonders Schulklassen einladen. Die Ausstellung soll durch zusätzliche Vorträge und Lesungen ergänzt werden.

Die Ausstellung

Die Exponate sind noch bis Dienstag, 23. September, in der VR-Bank Niederbachem, Konrad-Adenauer-Straße 50, zu sehen. Danach zieht die Ausstellung in die Räume des Heimatvereins "Alte Schule" - Kleines Museum an der Mehlemer Straße 3 um. Dort sind die gesamten Ausstellungsstücke in erweiterter Form noch bis Frühjahr 2015 zu sehen.