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Erinnerungen an das Jahr 1943: Angehörige von abgestürztem Piloten besuchen Adendorf

Erinnerungen an das Jahr 1943 : Angehörige von abgestürztem Piloten besuchen Adendorf

Im Zweiten Weltkrieg stürzte ein Flieger in den Adendorfer Burghof. Nun haben Angehörige des Piloten aus den USA den Unglücksort besucht und Blumen niedergelegt.

Der 14. Oktober 1943 wird all jenen, die diesen Tag auf und in der Nähe der Burg Adendorf erlebt haben, wahrscheinlich ihr Leben lang im Gedächtnis bleiben. Sirenen sollen geheult haben, Flugabwehrkanonen feuerten auf Flugzeuge, eine der getroffenen Maschinen schoss auf Adendorf zu. So haben Augenzeugen ihren Kindern von dem Tag des Dramas erzählt.

Ein tragisches Ereignis und Wunder zugleich

Weit mehr als hundert Flugzeuge waren von England aus unterwegs nach Frankfurt gewesen, 60 von ihnen wurden von deutschen Flaks, wie die Flugabwehrkanonen kurz genannt wurden, getroffen. An diesem Tag kamen zahlreiche Soldaten und Zivilisten bei den Kämpfen ums Leben. Für die Burg Adendorf und ihre Bewohner geriet der Tag zu einem tragischen Ereignis und einem Wunder zugleich.

In der abstürzenden Maschine sollen zehn Besatzungsmitglieder gesessen haben, ergaben die Recherchen der Familie von Loë. Sie bewohnt seit Generationen die Burg und bietet von Zeit zu Zeit Führungen durch das vor einigen Jahren sanierte historische Gemäuer an. Auch hier erfährt man von der Angst der Menschen und der Gewissheit, dass das letzte Stündlein geschlagen haben musste, als das Flugzeug auf die Burg zuraste.

Der Adendorfer Töpfer und Augenzeuge Toni Söndgen war nur 700 Meter entfernt auf dem Feld gewesen und hatte vor einiger Zeit die Situation wie folgt beschrieben: „Plötzlich sah ich ein in Brand geratenes Flugzeug. Die schwere Maschine trieb brennend und eine große Rauchfahne hinter sich herziehend direkt auf mich zu. Ich dachte, das Flugzeug stürzt auf mich oder auf Adendorf. Trümmerteile regneten vom Himmel, ich sah wie der große schwere Bomber immer mehr an Höhe verlor, nach einer Linkskurve mit einem dumpfen Knall über der Burg abstürzte.“ Wie durch ein Wunder schlug der Flieger vom Typ B 17 Flying Fortress nicht auf einem der Gebäude, sondern mitten im Burghof auf, ohne dass Menschen oder Häuser großen Schaden genommen hätten. Acht der zehn Insassen hatten mit Fallschirmen abspringen können und landeten, durch den Westwind abgetrieben, auf der rechten Rheinseite. Das Schicksal eines Mannes ist bis heute nicht bekannt. Der Pilot aber blieb bis zuletzt im Flugzeug, er überlebte den Absturz nicht. Stanley Larrick hieß der Soldat, so fand 1971 der Bruder des Burgherrn von Loë, Felix von Loë, heraus. Auch, dass er Familie hatte, erfuhr man später.

Sein Neffe Kenneth Larrick aus Cincinatti, Ohio besuchte kürzlich die Absturzstelle im Hof der von Loë'schen Burg. Zusammen mit seiner Tochter Kendra und der Enkelin legte er an der Absturzstelle einen Kranz nieder. Er selbst war zum Zeitpunkt des Absturzes des Onkels erst ein Jahr alt gewesen, berichtete er.

Bekannt ist heute, dass man lange nach dem Absturzort der B 17 gesucht hatte. Niemand hatte das Wrack in Wachtberg vermutet, weil der Wind die Fallschirme der Überlebenden so weit abgetrieben hatte. Beerdigt habe man den Piloten in Deutschland, sagte Kenneth Larrick, später habe man seinen Körper in die USA umgebettet, wo er unter einem Kriegerdenkmal die letzte Ruhe gefunden hat.