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Protest gegen Funkmast am Erlenmaarweg in Berkum: Anwohner fühlen sich übergangen

Protest gegen Funkmast am Erlenmaarweg in Berkum : Anwohner fühlen sich übergangen

Anwohner protestieren gegen einen neu errichteten Funkmast am Erlenmaarweg in Berkum. Sie sind verärgert darüber, im Vorfeld nicht ausreichend informiert worden zu sein. Jetzt machen sie sich Sorgen über künftige Strahlenbelastungen und beklagen den Wertverlust ihrer Häuser und Grundstücke.

Wenige Wochen ist es her, dass Baufahrzeuge an die landwirtschaftliche Fläche an der Ecke Erlenmaarweg/Fraunhoferstraße vorfuhren und innerhalb kurzer Zeit einen Sendemast aufstellten (GA berichtete). Die Reaktionen der direkten Nachbarschaft schwankten zwischen Sorge und offenem Ärger. Sorge, weil die Auswirkungen der Strahlung solcher Masten, vor allem bei der Nutzung für die neue 5G-Technik, bisher nicht erforscht sind. Ärger kochte wegen des bekannten Wertverlustes von Immobilien in direkter Nähe solcher Masten hoch.

Zwei Nachbarn sammelten in wenigen Tagen 38 Unterschriften von rund 50 direkt benachbarten Haushalten gegen das Verfahren, auf dessen Grundlage das Projekt realisiert wurde. Nur wenige Tage seien sie wegen der Unterschriften unterwegs gewesen, berichtet Initiator Werner Kuhlmann. Einige Leute habe man nicht angetroffen. Drei hätten seiner Meinung nach nicht unterschrieben, weil sie bei Arbeitgebern wie beispielsweise der Telekom arbeiteten.

Je Haushalt habe nur eine Person unterschreiben dürfen. Der große Erfolg schon in einem so kleinen Umkreis zeige, „dass sich die Mehrheit der Menschen gegen einen so dicht an der Wohnbebauung gelegenen Mast in dieser Größe stellt“, fand er. „Wir lehnen nicht generell diese Technik ab“, stellt Anwohner Ralf Werner klar. „Aber es hätte bessere Standorte für einen solchen Mast gegeben“, findet er. „Es soll mal vor einem Jahr im Blättchen gestanden haben, dass das Thema auf der Tagesordnung im Bauausschuss steht“, sagt  Kuhlmann. Er hätte sich gewünscht, dass man den Menschen offen gesagt hätte, um welche Pläne es geht.

Seines Wissen nach wurde der Mast gebaut, weil ein Hauseigentümer, auf dessen Dach bisher ein Sendemast in Berkum gestanden hat, diesen nicht mehr haben wollte. Den Hinweis auf den Tagesordnungspunkt im Amtsblatt finden auch Kuhlmanns Mitstreiter Heike und Ralf Werner als Information für die Betroffenen nicht ausreichend. „Wenn es etwas Positives für die Gemeinde gibt, dann wird darüber groß berichtet. Aber über solche Dinge gibt es eine knappe Zeile in einem Amtsblatt?“, bemerkt Heike Werner verärgert. „Ich ging davon aus, dass die Gemeinde darüber informieren muss, wenn sie ein Bauvorhaben durchführen will, von dem Gefahren ausgehen können“, sagt Kuhlmann.

Für einige der Nachbarn sei nicht nur der gesundheitliche Aspekt relevant, sondern auch der Wertverlust ihres Wohneigentums. Eine der direkt benachbarten Familien habe ihr Haus erst vor zwei Jahren gekauft und aufwendig renoviert. Sie hätten nach ihrer Aussage das Haus nicht gekauft, wenn sie gewusst hätten, dass bald ein solcher Mast vor ihrer Nase stehen würde, so Kuhlmann. Das Haus jetzt noch zu verkaufen, sei wegen des Mastes aussichtslos. Auf das Schreiben mit der beigefügten Unterschriftenliste habe die Gemeinde vier Wochen lang nicht reagiert.

Am Donnerstag vergangener Woche habe er schließlich einen Anruf von der Bürgermeisterin erhalten, berichtet Kuhlmann. Diese habe mitgeteilt, dass das Verfahren ordnungsgemäß gelaufen sei und jeder Petent eine Antwort von der Gemeinde erhalte. Auf Anfrage des GA teilt Pressesprecherin Margrit Märtens mit, das Bauvorhaben sei am 4. Juni 2019 im öffentlichen Teil der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses ausführlich erläutert und erörtert worden. Darauf sei ein einstimmiger Beschluss gefasst worden. Auch das benachbarte Fraunhofer-Institut habe keine Einwände gehabt, so Märtens.

„Für mich stellt sich die Frage, wie die Gemeinde mit den Bürgern umgeht“, sagte Heike Werner und ergänzte: „Nicht informieren ist auch eine Art der Information.“ Auch wenn der Bereich, in dem der Mast gebaut wurde, als Außenbereich deklariert sei, ändere das nichts an dem Abstand zur Wohnbebauung, so Werner.