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Integration von Flüchtlingen in Wachtberg: Arbeiten statt Deutsch lernen

Integration von Flüchtlingen in Wachtberg : Arbeiten statt Deutsch lernen

Ein Fritzdorfer Gärtnermeister beschäftigt einen syrischen Flüchtling und ist mit seiner Leistung sehr zufrieden. Nur mit der Sprache geht es nicht voran, weil es keine Kurse in den Abendstunden gibt.

Wie sich Flüchtlinge, die eine Bleibeperspektive haben, schnell in den Arbeitsmarkt integrieren lassen, ist auch für Städte und Gemeinden eine zentrale Frage. An ermutigenden Beispielen in der Region fehlt es nicht: So beschäftigt etwa Gärtnermeister Urban Blum aus Fritzdorf seit fünf Monaten den 28-jährigen Syrer Hassan, dessen Nachname im Hinblick auf den Schutz seiner Familie in der Heimat ungenannt bleiben soll, in seinem Betrieb als Helfer.

Geradezu mustergültig lässt sich an diesem Fall studieren, wie sich fast zwangsläufig aus diesem Arbeitsverhältnis eine neue Integrationshürde von Bedeutung auftut: Wenn Hassan den ganzen Tag arbeitet, wie soll er dann noch Zeit finden, um Deutsch zu lernen? Blums Erfahrungen als Arbeitgeber sind: „Es fehlt bei den Deutschkursen ein Abendangebot der Volkshochschule.“ Er geht davon aus, nicht der einzige Arbeitgeber zu sein, der dieses Problem hat.

Urban Blum befindet sich in einer schwierigen Gemengelage. Auf der einen Seite ist Hassan motiviert bei der Arbeit und Blum auch „hoch zufrieden“ mit dessen Leistungen. „Er sieht die Arbeit und ich kann ihn auch beruhigt alleine arbeiten lassen.“ Da gerade solche Kräfte Mangelware auf dem Arbeitsmarkt sind, bietet Blum dem Flüchtling auch eine Festanstellung und eine Bezahlung über Mindestlohn. Aber ein Missstand ist nicht wegzudiskutieren: die schlechte Verständigung. „Hassan spricht fast kein Wort Deutsch“, führt Blum aus. Auch Englisch beherrsche er nicht. Darum erfolgt die Verständigung laut Urban Blum „mit Händen und Füßen“. Auch mit Blick auf die Kunden hat Blum ein hohes Interesse daran, dass sein Mitarbeiter Deutsch lernt.

Ein Gewissenskonflikt

Doch die Chancen dafür stehen schlecht. Hassan steht nach Ansicht seines Chefs vor einer Art Gewissenskonflikt: Auf der einen Seite ist er durchaus motiviert, Deutsch zu lernen. Auf der anderen Seite will er aber auch Geld verdienen, um eigenständig für seinen Lebensunterhalt aufzukommen. „Das hat für Hassan Priorität“, betont Blum. Daher sei sein syrischer Mitarbeiter darauf angewiesen, dass entsprechende Sprachkurse nach Feierabend angeboten werden. Nach Blums Informationen gibt es solche Angebote aber bislang nicht

Barbara von Wagenhoff, Kursleiterin der Volkshochschule Meckenheim Rheinbach Swisttal mit Wachtberg (VHS), glaubt, dass es vielen Flüchtlingen „nicht vorrangig wichtig ist, Geld zu verdienen“. Schließlich würden die meisten inzwischen verstehen, „dass sie ohne Deutschkenntnisse keine beruflichen Chancen haben“. Unterm Strich sei allen Beteiligten klar, „dass wir die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen dürfen, nämlich die sprachliche Integration zu vernachlässigen.“

Seit Beginn der 2005 vom Bundesamt für Migration eingeführten Integrationskurse gebe es immer wieder Teilnehmer, die nach 15 bis 20 Jahren Aufenthalt in Deutschland „endlich Deutsch lernen müssen“, so von Wagenhoff. „Leider scheitern jedoch die meisten, denn sie haben sich zwischenzeitlich zu 'fließend Falschsprechern' entwickelt und schaffen es nicht mehr, ihr Deutsch wesentlich zu verbessern.“ Es sei für Kursleiter und Schüler immer wieder sehr frustrierend, die dann nicht mehr abzuwendenden Misserfolge erleben zu müssen.

Die Aussage der VHS-Kursleiterin will Gärtnermeister Blum so nicht stehen lassen: „Das mag bei solchen Flüchtlingen der Fall sein, die keine Arbeit haben.“ Nicht aber bei jenen, die wie sein Mitarbeiter Hassan Geld verdienen können. Bei der Gruppe gingen Arbeit und Lohn schlicht vor.