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Ökumenische Arbeitsgruppe Wachtberg: Berichte über Flucht und Leid

Ökumenische Arbeitsgruppe Wachtberg : Berichte über Flucht und Leid

Ökumenische Arbeitsgruppe Wachtberg stellt gemeinsam mit Asylbewerbern das Jugendbuch "Akim rennt" vor.

Sicher versuchen mancherorts Eltern, ihren Kindern zu erklären, was es mit den neuen Klassenkameraden oder mit der Flüchtlingsfamilie in der Nachbarschaft auf sich hat. Das Kinder- und Jugendbuch "Akim rennt", das jetzt in der Katholischen Bücherei Sankt Georg in Fritzdorf vorgestellt wurde, kann hierbei eine Hilfe sein. Die Geschichte ist schnell erzählt: An einem Nachmittag, ganz unerwartet, überfallen Krieger das Dorf, in dem der neunjährige Akim bis dahin friedlich mit seiner Familie lebte. Von einem Augenblick auf den anderen ist nichts mehr wie es war.

Akim wird von seiner Familie getrennt und gefangen genommen. Eines Tages gelingt ihm jedoch die Flucht und er rennt, rennt, und rennt unaufhörlich, bis er auf andere Flüchtlinge stößt und mit ihnen in einem Lager Zuflucht findet. Es entspricht dem Kinder- und Jugendcharakter des Buches, dass Akim im Schutz des Lagers auf seine Mutter trifft.

Kurt Zimmermann, Leiter der Ökumenischen Arbeitsgruppe Wachtberg, führte durch den Abend und eröffnet die Buchpräsentation mit dem Satz: "Dieses Buch gehört so nicht in Kinderhände." Mit "so nicht" meint er ohne Erklärung, ohne Begleitung. Das Buch, 90 Seiten lang, erzählt die Geschichte in vielen, auf den ersten Blick stillen, einfachen, doch auf den zweiten Blick eindringlichen und ausdrucksstarken Illustrationen in Form von fast einfarbigen Bleistift- und Kohlezeichnungen. Durch das Variieren zwischen eckigen, harschen Formen zeigen sie das Leid der im Vordergrund dargestellten Menschen und durch eher verschwommene, sich auflösende Konturen die allgemeine Not und das Chaos dahinter. Die eher kurzgehaltenen Textpassagen bedienen sich einer einfachen und direkten Sprache.

"Akim rennt" wurde in diesem Jahr mit dem katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis wie auch mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, Bereich Bilderbuch, ausgezeichnet. Die Autorin, die belgische Künstlerin Claude K. Dubois, hat bereits mehr als 80 Bücher geschrieben und illustriert. Flucht, so habe sie erklärt, sei in ihrer Familie nach dramatischen Erfahrungen ihrer Mutter, ein allseits präsentes Familienthema.

Im Anschluss an die Buchpräsentation erläuterte Hans-Bernd Sonntag von der Gemeindeverwaltung Wachtberg, in welchem Maß sich die Situation der Flüchtlingsunterbringung in Wachtberg innerhalb der vergangenen zwei Jahre zugespitzt habe. Die drei zur Verfügung stehenden Heime seien völlig ausgelastet bis überlastet, sogar Aufenthaltsräume und Dachböden seien zu Schlafräumen umfunktioniert worden. Auch die Zeit zwischen der Ankündigung neuer Asylbewerber und deren Ankunft in Fritzdorf, erforderlich für die notwendigen Vorbereitungen, betrage oft nicht mehr als zwei Tage.

Eine Entspannung der Situation sei nicht in Sicht, berichtete Sonntag. Bis zum Anhörungsverfahren vergehe immer mehr Zeit, über ein Jahr, und das Ergebnis sei meist ein negativer Bescheid. Die nun geduldeten Menschen würden das Heim nicht verlassen, da sie zur Ausreise gültige Papiere benötigten, die sie jedoch meist nicht mehr besäßen. Andererseits sei der Flüchtling mit dem Status "geduldet" von der Liste der Asylbewerber und Heimwohnberechtigten gestrichen und sein Platz neu zu vergeben. Zufrieden ist Sonntag damit, dass "es in unseren Übergangsheimen ruhig ist und Frieden herrscht".

Schließlich kamen die Betroffenen selbst, die Asylbewerber, zu Wort, allerdings nur kurz und knapp, da ihre Deutschkenntnisse keine längeren Erklärungen oder Berichte ermöglichten. In der überwiegenden Mehrheit sind es junge Männer aus Afrika und Albanien, im Durchschnitt seit gut über einem Jahr in Deutschland. Sie lernen gegenwärtig die Sprache und nach Möglichkeit einen Beruf.