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Kita Drachenhöhle in Wachtberg: Bewährungsprobe für die Theorie

Kita Drachenhöhle in Wachtberg : Bewährungsprobe für die Theorie

Die Kita Drachenhöhle bietet zwei Ausbildungsplätze an, um den Erzieher-Nachwuchs zu fördern. Die Praktikanten werden drei Jahre lang voll in den Betrieb eingebunden.

Ein duales Ausbildungskonzept hätte sich Mareike Leibnitz, Leiterin der Kita Drachenhöhle, zum Berufsstart auch gewünscht. Bedeutet es doch, die Theorie, die man lernt, gleich in der Praxis anzuwenden. Heutzutage geht das. Maximilian Böhm und Mia Mickey verbringen einen Teil ihrer Ausbildungszeit in der privaten Einrichtung in Niederbachem und werden sich dort drei Jahre lang in den Betrieb eingliedern.

Die Kita wird zum Ausbildungsort. Mia und Max werden in nahezu alle Aufgabenbereiche einbezogen, beschäftigen sich mit den Kindern, unterstützen die Erzieherinnen bei der Eingewöhnung, stehen als Spiel- und Bewegungspartner bereit. „Wir werden wie die anderen Erzieher behandelt“, sagt Mia. Daneben werden sie auch in die Teamentwicklung eingebunden. Die beiden begleiten Supervisionen, Teambesprechungen, Max wird ins Management eingeführt, Mia begleitet die Entwicklungsdokumentation des Nachwuchses. Kurz gesagt: „Sie hören mit der Ausbildung nicht auf, wenn die Kinder das Haus verlassen“, so Leibnitz.

Der Bildungsweg der beiden ist unterschiedlich. Der Bonner Max, 20 Jahre alt, absolviert eine Sozialpädagogik-Ausbildung an der Internationalen Bildungsakademie (IBA), mit der die Kita kooperiert. „Supervisionen haben wir im Semester theoretisch gelernt“, berichtet er. „Hier habe ich das in der Praxis erlebt und konnte sehen, wie es umgesetzt wird.“ Auch Team-Management gehört zu seinen Ausbildungsbereichen. Die 22-jährige Mia, die in Pech wohnt, absolviert die praxisintegrierte Ausbildung (PIA) am Robert-Wetzlar-Berufskolleg. Aktuell kommt sie zweimal in der Woche in die Kita und fährt dreimal zum Berufskolleg. Das Anerkennungsjahr ist schon in ihre Ausbildung integriert.

Gefragter Erzieher-Nachwuchs

Sie arbeitet auf ein Berufsleben als Erzieherin hin. Damit könnte sie laut Leibnitz ein breites Feld von der Kita über die Offene Ganztagsschule bis zum Jugendheim nutzen, mit entsprechenden Weiterbildungen auch im Jugendamt arbeiten. Womöglich hängt Mia an die Ausbildung noch ein Studium in Förderpädagogik. „Ich will aber auf jeden Fall an einem Kindergarten bleiben“, sagt sie. Das Fach erfährt eine große Nachfrage: Zum Schuljahr 2020/2021 wurde die PIA-Ausbildung ins Leben gerufen, bereits im zweiten Ausbildungsjahr wurde eine zweite Klasse angeboten.

Max hat sich noch nicht festgelegt. Kindergarten wäre eine Option, „aber ich habe vor, auch in anderen Bereichen zu arbeiten“. Erstmal ist er aber in der Kita, und das ist auch für die Einrichtung eine Erleichterung. Die Drachenhöhle hatte schon früher Langzeit-Praktikanten in dualer Ausbildung. Es gab dann eine Pause, die schon vor Corona begann.

Finanzielle Unterstützung durch Eltern

„Wir setzen uns ganz bewusst und aktiv für die Nachwuchskräfte ein“, erklärt der Vorsitzende des Vereins „Kindertagesstätte Niederbachem“ Kristian Lempa. Man wolle dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Dafür hätten sich vorbereitend zwei Erzieherinnen zu Praxisanleiterinnen ausbilden lassen.

Das alles kann die Kita machen, weil die Elternschaft dafür das Geld bereitstellt, sagt die Leiterin. Es gebe zwar Budgets für PIA-Auszubildende, „aber das ist keine hundertprozentige Finanzierung“. Das könne sich nicht jede Kita leisten, vom Personalmangel ganz zu schweigen. „Es ist Teufelskreis“, stellt Max fest. Denn wenige Ausbildungsplätze bedeutet weniger Azubis und später wiederum wenige Ausbildungsstellen, weil das Personal dafür fehlt. Dem steht der Zulauf bei der PIA-Ausbildung entgegen. Zwei Klassen mit je 30 Schülern, die alle einen Praktikumsplatz benötigen. Den „Teufelskreis“ will zumindest die Drachenhöhle durchbrechen.