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Einkaufszentrum in Berkum: Das Gartencenter in Wachtberg schließt

Einkaufszentrum in Berkum : Das Gartencenter in Wachtberg schließt

Der Inhaber des Gartencenters in Wachtberg hat Insolvenz anmelden müssen. Er habe nach eigenen Angaben einen höheren Kredit gebraucht. Das Zoofachgeschäft und der Imbiss bleiben geöffnet.

Als die Schließung des Gartencenters Wachtberg über Facebook die Runde machte, war die Bestürzung groß. Nicht wenige fragten sich nämlich „Warum?“. An mangelndem Kundenzuspruch könne es nicht gelegen haben. „Hat es auch nicht, wir hätten gerne weitergemacht“, betont Geschäftsführer Stefan Muß im GA-Gespräch. Die Gründe lägen tiefer, nicht alles will er jedoch öffentlich machen. Am 25. Februar habe er Insolvenz anmelden müssen, am 31. März ist bereits Schluss. Bis dahin läuft der Ausverkauf.

Im vergangenen Jahr habe er sich einen Kooperationspartner gesucht, um das Sortiment auf den 2500 Quadratmetern Verkaufsfläche zu erweitern. Doch das Geschäft platzte. „Und als ich dann Anfang des Jahres meinen Kredit erhöhen wollte, hat mir meine Hausbank einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Muß. Er habe jedoch mehr Kapital gebraucht, um andere Sortimente anbieten zu können.  Vielleicht, so meint der Lohmarer, trage die Historie des Standortes dazu bei: Er sei schon der dritte Betreiber eines Gartencenters.

Bis kurz vor Karneval sah alles nach einer Rettung aus

„Als GmbH muss man dann schnell reagieren, denn in der umsatzarmen Winterzeit wollen die Löhne trotzdem gezahlt werden“, so Muß. Für einen Bankwechsel fehlte die Zeit. Bis kurz vor Karneval habe alles noch nach einer Rettung ausgesehen, dann habe der Insolvenzverwalter zur schnellen Schließung geraten. „Ich hätte gerne noch das Frühjahr mitgenommen und bis Juni weitergemacht“, meint der Geschäftsmann, dessen Frau ebenfalls im Unternehmen arbeitet.

Von der Insolvenz sind sieben weitere Angestellte in Teil- und Vollzeit betroffen. Böse sei dem Chef keiner: „Die haben mitbekommen, wie wir um eine Lösung gekämpft haben.“ 2016 hatte er den Laden eröffnet, der Mietvertrag wäre regulär 2021 ausgelaufen – mit Option auf weitere fünf Jahre. „Das hätte ich auch in Anspruch genommen, denn es ist ein hervorragender Standort für ein Gartencenter.“

Während also hier die Lichter ausgehen, bleiben sie im Zoofachgeschäft und Angelcenter Heuer an. Das betonte Inhaber Thomas Heuer am Freitag gegenüber dem GA. Der Shop liegt sozusagen im Gartencenter. „Unser Mietvertrag läuft aber noch sechs Jahre, und wie bei den Malen zuvor, machen wir trotzdem weiter“, sagte Heuer.

Wer ab April in das Zoofachgeschäft möchte, soll das laut Heuer über einen direkten Zugang tun können. Seit zwölf Jahren ist das Geschäft auf 400 Quadratmetern Ladenfläche beheimatet. „Wir sind beziehungsweise waren einer von drei Stammmietern“, so der Inhaber. Denn auch der Imbiss, der im Außenbereich Richtung Tankstelle liegt, bleibe geöffnet.

Wie es auf der freiwerdenden Fläche weitergeht, die zum Einkaufszentrum Berkum zählt, ist noch unklar. „Uns sind keine Nachnutzungspläne bekannt“, sagte Wachtbergs Pressesprecherin Margrit Märtens auf Anfrage. Das Ganze ist als „eingeschränktes Gewerbegebiet“ festgesetzt. Heißt, es sind nur Gewerbebetriebe zulässig, die das Wohnen auf der anderen Seite des Kreisels nicht wesentlich stören. Produzierendes Handwerk scheint damit ausgeschlossen.

Für Interessenten gibt es enge Vorgaben

Gemäß § 1 Abs. 5 und 9 der Baunutzungsverordnung sind laut Märtens zudem nicht alle Einzelhandelsbetriebe sowie sonstige Gewerbebetriebe mit Verkaufsflächen erlaubt. „Nahversorgungsrelevante Sortimentsgruppen“ dürfen nicht verkauft werden: Darunter fallen Lebensmittel, Getränke, Drogerie, Kosmetik und  Haushaltswaren. Auch so genannte „zentrenrelevante Sortimentsgruppen“ dürfen nicht angeboten werden. Dazu zählen unter anderem Bücher, Schreibwaren, Kunst, Babyartikel, Bekleidung, Unterhaltungselektronik/Computer, Optik, Einrichtungszubehör (ohne Möbel), Haus- und Heimtextilien,  Schmuck, Spielwaren und  Sportartikel. Zudem gibt es eine Besonderheit in Wachtberg: „Es sind keine  Gewerbebetriebe zulässig, die die Fraunhofer Institute stören könnten“, sagte Märtens.

Mit der 4. Änderung des Bebauungsplan 2-10 für das Einkaufszentrum sei dieser dahingehend geändert worden, dass im Bereich des heutigen Gartencenters „großflächige Einzelhandelsbetriebe als Baumarkt und Gartenmarkt für den Verkauf an letzte Verbraucher zulässig sind, wenn die Bruttogeschossfläche 5000 Quadratmeter“ nicht überschreitet. Die Verkaufsfläche wurde auf maximal 3000 Quadratmeter festgesetzt. „Die Größe der zentrenrelevanten Nebensortimente darf zehn Prozent der Gesamtverkaufsfläche nicht überschreiten“, heißt es im B-Plan. Enge Vorgaben also für Interessenten.