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Überflutungen in Wachtberg: Das große Aufräumen in Villip

Überflutungen in Wachtberg : Das große Aufräumen in Villip

Der großen Flut in Villip folgt sofort das beherzte Aufräumen. Und das macht entlang der besonders betroffenen Straße Im Bruch, die über den Arzdorfer Bach führt, sichtbare Fortschritte.

Große Mengen an durchnässtem Hausrat in Gestalt von Regalen, Waschmaschinen und Trocknern säumen als Sperrmüll die Straße. Das zeigt: Viele Anlieger hat es schwer getroffen und auch für Alois Schwind ist das, was am Samstag in Villip passiert ist, historisch: „An Vergleichbares kann sich hier niemand erinnern“, sagt der 73 Jahre alte Schwind, der Ortsausschussvorsitzender war und 20 Jahre im Gemeinderat saß. Für ihn wie für viele Betroffene ist auch klar, dass die Gemeinde mehr tun muss in Sachen Hochwasserschutz.

Wer mit Betroffenen entlang der Straße Im Bruch spricht, merkt schnell: Viele stehen immer noch unter dem Eindruck des Erlebten. So wie Guido Radtke, bei dem die braunen Fluten erstmals schulterhoch im Garten standen und den gesamten Keller „fast bis unter die Decke unter Wasser gesetzt haben“. Ein zerstörerisches Werk hatte das Wasser auch auf dem Grundstück und in dem Keller des Mehrfamilienhauses gegenüber verrichtet, das Johannes Schmickler gehört, der gestenreich zeigt, „wie die Flut aus Richtung der Bedorfer Mühle ankam“.

Viel Schaden beklagt auch Johannes Kreuz, Schmicklers Schwager, der direkt nebenan wohnt. Er musste hilflos mit ansehen, wie das Wasser durch die Fenster in die Wohnräume der unteren Etage strömte: „Das kann ich jetzt alles wegschmeißen.“ Was doppelt bitter für ihn ist: „Ich habe ganz viele Versicherungen bei ein und derselben Gesellschaft, und diese noch nie in Anspruch genommen. Trotzdem weigert sich die Hausratversicherung jetzt, für den Schaden aufzukommen.“ Es sei kein Rohrbruch gewesen, bekam er zu hören.

Die Hilfsbereitschaft der Nachbarn ist für viele Betroffene tröstlich

Ein paar Häuser weiter zeigt Diana Schüller ihren komplett verwüsteten Garten wie auch ihre am Samstag überfluteten Wohnräume im Erdgeschoss: „Die Etage ist ein Fall für die Kernsanierung“, glaubt sie. Vor ihrem Haus steht bereits ein riesiger Container, in dem ein Teil ihres Hausrats liegt. „Ein Container wurde bereits weggefahren“, so Schüller, die aber ein Umstand besonders tröstete: „Die Hilfsbereitschaft war hier einfach unglaublich.“

Während Betroffene nun ihre Schäden aufräumen und regulieren müssen, sieht etwa Diana Schüller aber auch viel Handlungsbedarf auf Seiten der Gemeinde. Sie fordert die Oberflächenentwässerung, die von einem Neubaugebiet in Villiprott in den Arzdorfer Bach eingeleitet wird, abzustellen. Das kritisieren andere Anwohner bereits seit längerer Zeit. Ebenso müsse laut Schüller „ein größerer Durchlass für den Arzdorfer Bach her“. Zudem wiederholt Alois Schwind seine „schon mehrmals mündlich vorgetragene Forderung, dass neben der Brücke ein Entlastungsrohr gebaut werden muss, auch wenn es am letzten Samstag nicht alle Probleme gelöst hätte“.

„Es ist zu früh, jetzt konkrete Vorschläge für die Brücke Im Bruch zu diskutieren“, sagt dazu Beigeordneter Jörg Ostermann. Ein Entlastungskanal wäre zwar eine Alternative, „die aber bisher wegen diverser Zwangspunkte als nicht machbar erschien“. Auf jeden Fall sei bei jedweder Veränderung an der Brücke Grunderwerb erforderlich. „Es ist aber auch zu beachten, dass wir zunächst vier abgängige Brücken ersetzen müssen“, so Ostermann weiter. Zum Thema Entwässerung aus Villiprott sagt er: „Das Baugebiet entwässert bereits stark gedrosselt in den Arzdorfer Bach. Das hatte am Samstag keinen nennenswerten Einfluss auf die Wasserhöhe.“