Kulturscheune Züllighoven Das Wasser stand 50 Zentimeter hoch

WACHTBERG · Eigentlich sollte der Wachtberger Kinder- und Jugend-Kulturtag am vergangenen Wochenende wieder in Züllighoven stattfinden, genauer gesagt in der „Kulturscheune“ von Biolandwirtin Dorothee Hochgürtel. Doch daraus wurde nichts: Hochgürtel hatte die Veranstaltung schweren Herzens absagen müssen.

Denn auch ihrer Kulturscheune, die nur wenige Meter vom Mehlemer Bach entfernt liegt, hatte das vergangene Unwetter am 4. Juni schwer zugesetzt: Rund 50 Zentimeter hoch stand das Wasser in der Scheune, die Hochgürtel nicht nur für Kulturveranstaltungen nutzt, sondern auch als Lagerstätte für ihre Obstsäfte sowie für Landmaschinen und Kutschen. Mit 50.000 Euro Schaden rechnet die Landwirtin, die derweil noch mit Saubermachen und Trocknungsarbeiten beschäftigt ist.

Vor einem Monat hatte Dorothee Hochgürtel an dem Unwettersamstag quasi geahnt, dass Unheil im Verzug war. Gegen 15.30 Uhr legte das Unwetter mit heftigem Gewitter los, so erinnert sie sich: „Ich war mit meiner Tochter noch im Dorf, aber wir sind dann vorsichtshalber sofort in Richtung Scheune und Stall gegangen“. Schließlich warteten da auch noch rund hundert Schafe und Ziegen mit ihren Lämmern. Angekommen, trafen Mutter und Tochter an der Scheune auf einen Jogger mit Hund, den ebenfalls das Unwetter überrascht hatte. In großer Sorge war Dorothee Hochgürtel zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht: „Wir hatten hier schon öfter mit Hochwasser zu tun, allerdings stand das Wasser noch nie in den Gebäuden“.

Daher unterhielt sie sich zehn Minuten vor Ort mit dem Jogger, als sie plötzlich sah, „wie mit einem Mal der Mehlemer Bach die kleine Brücke neben unserer Scheune überflutet hatte“. Dann ging alles ganz schnell: Wassermassen drückten mit Macht in die Scheune und fluteten das benachbarte Wirtschaftsgebäude. Auch in das im Hof abgestellte Auto der Tochter strömte das Wasser, außerdem wurde ein Bauwagen zerstört.

Während der Jogger hastig zurück durchs Wasser watete, rettete Dorothee Hochgürtel zusammen mit ihrem Sohn 15 Ziegen und ihre Lämmer vor den rasch steigenden Fluten. 50 Zentimeter hoch stand die braune Brühe schließlich in ihrer Scheune, 20 Zentimeter hoch im benachbarten Wirtschaftsgebäude, auch die Ställe waren voller Schlamm. „So etwas habe ich hier noch nicht erlebt“, staunte die Landwirtin.

Gleichwohl kam das Ereignis für sie nicht ganz aus heiterem Himmel. Schließlich führt Dorothee Hochgürtel seit längerer Zeit so etwas wie ein Wettertagebuch: „Seit 1990 schreibe ich alle Daten auf“, berichtet sie. Aus ihren Aufzeichnungen geht klar hervor: Die Unwetter nehmen signifikant zu: „Vor dem Jahr 2000 hatten wir selten Regenereignisse mit mehr als zehn Litern pro Quadratmeter. Heute sind 30 Liter pro Quadratmeter keine Seltenheit.“ 2010 hatte sie sogar 110 Liter pro Quadratmeter notiert. Worauf sie sich darüber hinaus einstellt: Die Jahreszeiten verschieben sich, was sich auch in einem veränderten Verhalten der Tiere widerspiegele: „Heute bekommen die Ziegen Ende des Jahres ihrer Lämmer, früher war das niemals vor Februar der Fall.“

Auf jeden Fall will sie sich auf die neuen Hochwasserrisiken einstellen. So überlegt Hochgürtel den Bau einer Schutzmauer, wie auch das Pflanzen von weiteren Erlen entlang des Baches: „Die Bäume halten den Boden gut fest und bremsen das Wasser“. Auch regt sie an, die Fließrichtung des Baches anders zu lenken und den Brückendurchlass zu erweitern.

Während das noch Zukunftsmusik bleibt, ist absehbar, wann die Kulturscheune wieder hergerichtet sein wird. Dorothee Hochgürtel ist bereits weit gekommen mit dem Saubermachen, Aufräumen und Trocknen der überfluteten Gebäude. Ihre nächsten Veranstaltungen sind daher bereits geplant: Am 9. September bietet Hochgürtel eine Führung zum Apfelsortengarten im Rahmen der Öko-Aktionstage NRW an und in den Herbstferien am 15. Oktober eine VHS-Tagesveranstaltung „Wie kommt der Apfel in die Flasche“.

Wie das Hochwasser die Scheune überflutet hat, ist auf der GA-Homepage auf einem Video zu sehen, das Hochgürtel gemacht hatte.

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