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Schottergärten in Wachtberg: Der Vorgarten als Streitobjekt

Schottergärten in Wachtberg : Der Vorgarten als Streitobjekt

Artenvielfalt und Schotter-Zoff: Die Gemeinde Wachtberg und Naturschützer wünschen sich mehr Grün statt Grau. Die Verwaltung bemüht sich um Vorbilder.

Schade fanden es einige Bürger, dass der letzte Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität der Pandemie zum Opfer gefallen ist. Auf dem Plan hatte das politische Gremium unter anderem nämlich ursprünglich die insektenfreundliche Gestaltung von Flächen. Schon seit einigen Jahren diskutieren viele Wachtberger kontrovers die Pro- und Kontra-Argumente von klimaschädlichen und insektenfeindlichen Schottergärten vor vielen Häusern. Die Gemeinde und Umweltschutzorganisationen plädieren für mehr Natur, die Verwaltung bemüht sich um Vorbilder.

Viele Menschen in Wachtberg haben sich in den vergangenen Jahren anstatt eines blühenden Vorgartens einen Schottergarten angelegt. Der Organisation Parents for Future und ihrer Wachtberger Ortsgruppe zufolge, werden der Natur auf diese Weise nicht nur wichtige Lebensgrundlagen entzogen, die Versiegelung verstoße auch gegen die geltende Landesbauordnung. Zudem würden die Schottergärten innerhalb der Nachbarschaft nach der Meinung der Organisation nur „mit innerem Groll und um des lieben Friedens Willen“ geduldet. Laut einer Pressemitteilung haben die Aktivisten dem Rat in einem Bürgerantrag die Diskussion zu einer „Satzung zur Gestaltung der Bodenbeschaffenheit der unbebauten Flächen“ vorgeschlagen.

Gemeinde setzt auf insektenfreundliche Gestaltung

In den Sitzungsunterlagen zum ausgefallenen Ausschuss vom 9. Februar fand man zuvor eine Darstellung der gemeindlichen Maßnahmen zur Förderung insektenfreundlicher Gestaltungen auf freien Flächen. Bei gemeindeeigenen Flächen werde eine insektenfreundliche Gestaltung mit Blick auf die Bodenqualität, Pflege und mögliche Belange der Verkehrssicherung geprüft, hieß es dort.

Um die heimische Artenvielfalt zu fördern, setze man Regio Saatgut ein. Beispiele findet man auf dem Friedhof in Berkum, dem Rheinhöhenfriedhof und auf der kleinen Wiese neben dem Rathaus, informierte Gemeindesprecherin Margrit Märtens. Ein Dorado der funktionierenden Symbiose von Pflanzen und Insekten finden Interessierte auch im 2003 eröffneten naturnahen Schaugarten hinter dem Rathaus, zu dem die Verwaltung gegen eine Schutzgebühr von 2,50 Euro eine passende Broschüre anbietet.

In einigen Fällen sei es möglich, gegen Schottergärten vorzugehen, erfuhr der General-Anzeiger auf Anfrage bei der Gemeinde: Liegen der Verwaltung eindeutige Anhaltspunkte für Verstöße gegen den Grundsatz des Begrünens und des Bepflanzens von Grundstücken vor, würden die Sachverhalte geprüft und gegebenenfalls Verwaltungsverfahren eingeleitet, so Märtens. Da nicht jede Gestaltung unzulässig sei, handele es sich stets um eine Einzelfallentscheidung, oft sei der Rhein-Sieg-Kreis als Bauaufsichtsbehörde zu beteiligen.