Die Wachtberger Kulturwochen starten Die Künstler haben den Abschluss fast in der Tasche

Wachtberg-Niederbachem · Das Atelier Moja beteiligt sich an den 14. Wachtberger Kulturwochen. Zu sehen sind sechs Künstler der Gruppe „Azzurri“, die alle an der Freien Kunstakademie arte fact in Bonn studieren. Es wird nicht nur gemalt, sondern auch analysiert.

 Monique Jacquemin und Thomas Focken haben sich fürs Foto vor Bildern ihrer Künstlerkollegin Kirsten Abersfelder positioniert.

Monique Jacquemin und Thomas Focken haben sich fürs Foto vor Bildern ihrer Künstlerkollegin Kirsten Abersfelder positioniert.

Foto: Axel Vogel

Wie es so ist, wenn zwei Künstler zusammenstehen, wird schnell gefachsimpelt. Konkret geht es zwischen Monique Jacquemin und Thomas Focken gerade um ein Bild praller Nacktheit. Das hat ihre Mitstudentin Gabi Boesl-Didion gemalt und es zeigt zwei Frauen. „Die Farbkontraste sind gut, und zwischen den Brüsten erkennt man den Goldenen Schnitt“, sagt Focken. „Sie kombiniert Flächen und Linien, dennoch ist das Bild nicht zugemalt“, meint Hausherrin Jacquemin. In der Halle ihres Niederbachemer Ateliers Moja hängen die „Menschen“, die allesamt in Acryl auf Leinwand entstanden sind.

Von Samstag an darf auch die Öffentlichkeit schauen kommen, denn Jacquemin öffnet für die 14. Wachtberger Kulturwochen wieder ihre Räume. Diesmal hat sie sich in die ehemalige Korn- und Ölmühle fünf Mitstudenten eingeladen. Gemeinsam absolvieren sie ein dreijähriges Studium an der Freien Kunstakademie arte fact in Bonn, und befinden sich gerade im letzten Jahr ihrer Ausbildung. „Das Studium ist breit gefächert und beinhaltet sowohl Zeichnen als auch Malen in den verschiedensten Techniken, sowie Bildanalyse und kunsthistorische Themen“, sagt Jacquemin.

Alle sechs Aussteller sind Mitglieder der Künstlergruppe „Azzurri“ (Die Blauen), die sich aus dem Jahrgang heraus gegründet hat. Zwei Wochen hat die Hausherrin für die Hängung der Bilder gebraucht. „Es muss sich eine Komposition ergeben“, sagt sie dazu. Der Kölner Focken ist mit seinen Bildern im Haupthaus zu finden. „Gemalt habe ich immer schon, aber direkt nach meiner Pensionierung habe ich beschlossen, das zu professionalisieren“, führt er aus.

Was der Betrachter sieht, hat hier immer einen persönlichen Bezug zum Maler. Besonders beeindruckt sein Werk „Industrie 1.0“. „Mein Vater hat für ein Eisenwerk die Lokomotive gesteuert.“ Sie ist in der unteren Hälfte raumeinnehmend, während sich das Schwere nach oben lichtet. Aus einem Familienalbum stammt die Idee, sich selbst als kleinen Jungen mit seinem Großvater darzustellen, der ihm – Achtung Leitmotiv – die Eisenbahn erklärt. Sie sehe Konkretes, das abstrahiert wird, meint Jacquemin dazu: „Und gelungene Bilder erzählen für mich immer eine Geschichte.“

Bei Blättern ist jeder Lichteinfall anders

Man lerne genau und vor allem anders hinzuschauen als Maler, betont Focken. „Ich habe mir neulich mal eine Pflanze angeschaut, da ist nicht nur jedes Blatt anders, sondern wenn sie’s auf Leinwand umsetzen auch jeder Lichteinfall.“ Deshalb, so ergänzt seine Künstlerkollegin, sei es eben eine intensive Arbeit und nicht von jedem umsetzbar. Sie selbst ist unter anderem mit einer Reihe von Industrielandschaften vertreten, vor denen fast unwirklich ein Reiher rastet. Energiegeladen kommt ein paar Leinwände weiter eine junge Frau daher, jung, schön und mit ihren Einkäufen auf dem Weg nach Hause. Wie nähert sie sich den Konturen an? „Die Frau entsteht aus der Fläche, wir malen alle nichts vor“, sagt sie dazu.

Die Ideen seien da, wie es werde, wisse sie vorher aber nicht. „Manchmal entsteht ein Bild über Wochen“, betont Jacquemin. Wenn sie statt auf Acryl mit den für sie eigentlich ausdrucksstärkeren Ölfarben malt, fährt sie zudem mehrgleisig. „Dann arbeite ich wegen der langen Trocknungszeit an zwei bis drei Bildern parallel.“ Neben dem Quotenmann Focken sind ab Samstag auch noch die Werke von Kirsten Abersfelder, Marcela Beran und Claudia Marx zu sehen – natürlich coronakonform auf Abstand.

Die Ausstellung wird am Samstag, 26. Juni, um 11 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 11. Juli samstags und sonntags im Atelier Moja, Mehlemer Straße 18c, in Niederbachem zu sehen. Es gelten die bekannten Corona-Regelungen.