Außerordentliche Mitgliederversammlung DRK lässt Honorarforderung gerichtlich prüfen

Wachtberg · Vorstandsmitglieder des Roten Kreuzes haben ihre Dienste in Rechnung gestellt. Dies darf bei einem gemeinnützigen Verein nicht passieren.

Für die rund 40 Mitglieder des Wachtberger DRK, die am Dienstagabend zur außerordentlichen Mitgliederversammlung ins Hotel Görres nach Villip gekommen waren, gab es eine gute und eine schlechte Nachricht: Der neue Vorstand um Vorsitzende Gabriela Freifrau von Loë bekam von einer Vertreterin der Revisionsgesellschaft Tasco gute Noten, was die Aufarbeitung der chaotischen Buch- und Personalführung sowie der mangelhafte Führungsstruktur des Vereins in den vergangenen Jahren anging.

Negativ bleibt aber festzuhalten: Es wird zumindest in einem Fall ein juristisches Nachspiel geben, und das betrifft das praktizierte Verfahren, wie Vorstandsmitglieder ihre Dienste in Rechnung gestellt haben (der GA berichtete).

Tenor des neusten Tasco-Berichts am Dienstagabend: Der Ortsverein ist wieder auf einem guten Weg. Im Zwischenbericht vom August hatte es ein „ausreichendes Ergebnis“ gegeben. Im September gab es eine weitere Prüfung, deren Inhalt bei der Mitgliederversammlung erstmals veröffentlicht wurde, wonach mehr als 60 Prozent der Vereinbarungen erfüllt wurden. „Der neue Vorstand hat alle wesentlichen Vereinbarungen sachgerecht umgesetzt“, bescheinigte denn auch die Prüferin.

Klaus Pipke, Vorsitzender des DRK-Kreisverbands, lobte den neuen Vorstand, der eine Nuss zu knacken gehabt habe: „Aber hier wurde anderthalb Jahre harte Arbeit geleistet, um neue, professionelle Strukturen zu schaffen.“

9000 Euro fehlen in der Kasse

Nicht mehr ganz aufklären lässt sich laut Tasco eine Differenz von rund 9000 Euro in der Kasse. Bau wurde bei der Sitzung von DRK-Mitglied Udo Bartel heftig kritisiert. Bartel sprach von „Inkompetenz“ und einem „hässlichen Geschmäckle“. Darauf hielt ein anderer Mitarbeiters dagegen: „Wir sind kein Unternehmen, sondern das Rote Kreuz.“

Ein Ärgernis bleiben einigen Mitgliedern wie Altbürgermeister Hans-Jürgen Döring, der seit 42 Jahren DRK-Mitglied ist, die Zahlungen ohne entsprechende Beauftragungen an Vorstandsmitglieder (der GA berichtete): „Vorstandsarbeit ist grundsätzlich ehrenamtliche Arbeit. Deren Bezahlung ist nicht vereinbar mit der Gemeinnützigkeit.“ Döring will auf jeden Fall das Bild eines „Selbstbedienungsladens“ vermeiden.

Für das Zurückfordern von unrechtmäßig gezahlten Geldern hat das DRK einen Anwalt eingeschaltet, der Klage eingereicht hat. Dabei geht es laut Pipke vor allem um den ehemaligen Schatzmeister und ehemaligen kommissarischen Leiter Ingo Steiner. In den Jahren 2016 und 2017 hatte der Tasco zufolge dem Ortsverein rund 13.800 Euro in Rechnung gestellt.

Steiner, der nicht zu der Versammlung gekommen war, hatte nach eigenen Angaben IT-Leistungen sowie Buchführung und Lohnabrechnungen übernommen. „Im vergangenen Jahr gab es keinen Vorstand, der etwas beschließen konnte“, sagte der ehemalige Beauftragte des Kreisverbands dem GA. Im Zuge seiner kommissarischen Geschäftsführung seien mehr als 400 Stunden angefallen, die Steiner alternativ als Verdienstausfall geltend machen will.

Was ist mit den anderen Vorstandsmitgliedern?

Genau das geht aus Sicht Pipkes nicht: „Die Position des Schatzmeisters ist in so einem kleinen Ortsverein zu hundert Prozent ehrenamtlich und wird nicht vergütet.“ Laut Pipke standen viele anderer, „juristisch sauberer Lösungen zur Verfügung, wie Steiner seine Arbeit hätte in Rechnung stellen können“.

Auf welcher Grundlage Steiner die arbeitsintensive Buchführung übernommen hat, ist weiter unklar. „Er hat zu keiner Zeit ein Auftrags- oder Anstellungsverhältnis vom DRK gehabt“, betonte Pipke. Da Steiner auch keine Einsicht zeige, „muss das Ganze nun gerichtlich geklärt werden“, so Pipke weiter.

Wie Steiner dem GA auf Anfrage mitteilte, hat er seine Rechnungen dem Ortsverband bereits gutgeschrieben und dies am 30. Juli auch dessen Anwalt mitgeteilt. „Es stellt sich nach wie vor die Frage, warum bei meiner Person dieses mit Nachdruck betrieben wird, aber nicht in gleicher Konsequenz und Transparenz die Zahlungen an frühere Vorstandsmitglieder überprüft und zurückgefordert werden“, so Steiner. Hier sei insgesamt von einer deutlich höheren Summe zu sprechen. Steiners Vorwurf: Kreisgeschäftsführer und Vorstand hätten zu keinem Zeitpunkt eine juristisch saubere Lösung angeboten.

Den Tasco-Prüfern war auch aufgefallen, dass der ehemalige Vorsitzende Danyel Guré dem DRK im Jahr 2016 rund 9600 Euro in Rechnung gestellt hatte, und zwar im Rahmen seiner Tätigkeit als Anwalt für Vereinsbelange. „Den Fall Guré kann man aber nicht mit Steiner vergleichen“, so Pipke: „Als Justiziar eines Vereins wie dem DRK-Ortsverband kann man auch als Vorsitzender anwaltliche Tätigkeiten abrechnen.“ Allerdings fehle hier noch der Nachweis, dass Guré auch beauftragt wurde.

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