Erinnerungskultur findet keine Helfer Ehepaar fällt die Pflege des Gefallenen-Denkmals immer schwerer

Niederbachem · Seit vielen Jahren pflegt das Ehepaar Friedel und Marianne Reinartz die Anlage des Gefallenen-Denkmals in Niederbachem. Altersbedingt wird das aber immer schwieriger und übernehmen will die Aufgabe recht niemand.

 Friedel Reinartz pflegt das Kriegerdenkmal in Niederbachem seit vielen Jahren.

Friedel Reinartz pflegt das Kriegerdenkmal in Niederbachem seit vielen Jahren.

Foto: Axel Vogel

Die Pflege von Gefallenen-Denkmälern, von denen es auch in Wachtberg so gut wie in jedem Ort eines gibt, ist Sache der Gemeinde. Mittlerweile ist das auch gut so. Denn alt eingesessene Bürger sagen: Das ehrenamtliche Engagement beim Wachhalten der Erinnerung an die Kriegstoten, was in früheren Zeiten so etwas wie Ehrensache im Dorf war, hat knapp 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges vielerorts spürbar nachgelassen.

Doch es gibt sie noch, Bürger, denen die Erinnerung an die Kriegstoten am Herzen liegt. Zum Beispiel in Niederbachem. Dort pflegt das Ehepaar Friedel und Marianne Reinartz, 87 und 88 Jahre alt, das Gefallenen-Denkmal an der Konrad-Adenauer-Straße, das an das Schicksal von rund 80 Niederbachemer Bürgern erinnert, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg getötet wurden, vermisst werden oder in Gefangenschaft umkamen. Was ihren Einsatz angeht, haben die Eheleute reichlich Ausdauer bewiesen, denn seit den 80er Jahren sind sie nun schon bei der Sache. Vor allem mit Blick auf ihr Alter wären sie nun aber froh, wenn sie die Pflege in andere Hände legen könnten.

Ehrenamt fällt den Eheleuten zunehmend schwerer

Ob beim Gießen der Bepflanzung, beim Jäten des Unkrauts, beim Kehren oder Sauber-Halten der Anlage – das Niederbachemer Ehepaar war all die Jahre mit viel Einsatz bei der Sache. Das hat unter anderem damit zu tun, dass sich unter den Namen auf dem Denkmal auch Angehörige von Friedel und Marianne Reinartz finden. Darum setzte sich Friedel Reinartz auch bereits seit Mitte der 80er Jahre im damaligen „Ausschuss Ehrenmal“ der Vereinigung Niederbachemer Ortsvereine, Vorläufer der Union der Niederbachemer Ortsvereine (UNO), etwa bei der Umgestaltung des Denkmals ein. Hinzu kommt aus seiner Sicht noch ein weiteres Motiv: „Das Denkmal steht praktisch genau vor unserer Haustür und daher liegt mir das Erscheinungsbild der Anlage am Herzen.“

Doch die Ausübung ihres ehrenamtlichen Pflegedienstes rund um das Stück Heimatgeschichte fällt den Eheleuten zunehmend schwerer. Das hat auch mit ihrem fortgeschrittenen Alter zu tun. Da ihre Gesundheit nicht mehr ganz so mitspielt, musste Marianne Reinartz die Arbeiten bereits weitgehend ihrem Mann überlassen. Doch auch für den ist insbesondere das Schleppen der Gießkannen über die vielbefahrene Konrad-Adenauer-Straße mittlerweile alles andere als ein Zuckerschlecken. Schließlich muss gerade bei heißen Temperaturen die Bepflanzung ordentlich gewässert werden. Reinartz schätzt dann den Bedarf auf etwa acht Gießkannen beziehungsweise 80 Liter Wasser, die er von A nach B schleppen muss. Und das mindestens zwei Mal in der Woche.

Eigentlich müsste der Aufwand gar nicht sein. Denn genau besehen verfügt das Gefallenen-Denkmal bereits über einen eigenen Wasseranschluss samt Vorrichtung für eine Zähleruhr. Eingerichtet hatten den Anschluss im Jahr 1990 die Stadtwerke Bonn, die damals noch für die Niederbachemer Wasserversorgung zuständig waren auf Initiative der Vereinigung Niederbachemer Ortsvereine. Weil die Gefahr von Legionellenbildung bestand, wurde der Anschluss jedoch bald wieder abgeschaltet. Seit rund 20 Jahren heißt es daher für die Eheleute Reinartz wieder „Gießkannen-Schleppen“.

Bürgermeister will sich für Wasseranschluss einsetzen

Die unbefriedigende Situation in Sachen Wasserversorgung wie zudem die grundsätzliche Perspektive, was die Pflege des Gefallenen-Denkmals angeht, hatte zuletzt auch SPD-Ratsmitglied Andreas Wollmann im Niederbachemer Ortsausschuss angesprochen. Dort bekräftigte Bürgermeister Jörg Schmidt (CDU), dass er sich bei den Gemeindewerken für die Reaktivierung des dortigen Wasseranschlusses einsetzen werde.

Was darüber hinaus perspektivisch einen möglichen Wechsel bei der Pflege des Denkmals angeht, brachte Wollmann zudem den Niederbachemer Heimatverein ins Spiel. Doch dort winkt man nach einer Vorstandssitzung ab: „Die Aufgabe der Pflege des Kriegerdenkmals beziehungsweise der Gedenktafel obliegt und oblag schon immer der Gemeinde“, teilte Vorsitzende Doris Nadolski-Standke auf Anfrage mit. Bei der Bewertung sei man im Vorstand auch einer Meinung gewesen, zumal man die Ansicht vertrete, dass der Heimatverein gemeinsam mit den Eheleuten Reinartz „mehr als seine Pflicht“ für die Pflege dieser Gedenkstätte getan habe.

„Der Heimatverein spendet aus seinen Vereinsmitteln seit über 50 Jahren die Blumen, die dann von den Eheleuten dort gepflanzt und gepflegt werden“, führte Doris.Nadolski-Standke aus. „Wenn nun diese beiden ihr Ehrenamt nicht mehr ausüben können, ist es Aufgabe der Gemeinde die Pflege von nun an zu organisieren.“ Man werde in diesem Jahr auch das erste Mal vom Kauf der Blumen für das Ehrenmal absehen, da nicht sicher sei, „wer diese wann pflanzt und ob deren Pflege gesichert ist“. Die Gemeinde sei bereits informiert.

„Ich werde gerne noch unterstützen, aber nicht mehr in vollständiger Eigenverantwortung“, sagt Friedel Reinartz. „Es ist ganz klar, dass ich das nicht bis zum Ende aller Tage machen werde.“

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