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Altbürgermeister Paul Giersberg feiert an diesem Donnerstag seinen 80. Geburtstag : Ein Faible für die Stammbaumforschung

Altbürgermeister Paul Giersberg feiert an diesem Donnerstag seinen 80. Geburtstag : Ein Faible für die Stammbaumforschung

Er gehört zu den Gründern der UWG, ist ein passionierter Stammbaum-Forscher und verbringt im Sommer viel Zeit in seinem Weinberg: Altbürgermeister Paul Giersberg feiert an diesem Donnerstag seinen 80. Geburtstag.

Zeitlebens wohnt Paul Giersberg schon in Oberbachem. An diesem Donnerstag feiert der Gründer der UWG (Unabhängige Wählergemeinschaft Wachtberg) seinen 80. Geburtstag. Weil Untätigkeit ihm nicht liegt, erforscht er in seinem „Unruhestand“ Stammbäume, baut Wein an und mischt als Ehrenvorsitzender seiner Partei auch in der aktuellen Politik mit.

„Bei mir durfte immer jeder mitmachen, der nicht nur quatscht, sondern auch etwas anpackt“, sagte Giersberg. Dieser Devise folgt der 80-Jährige auch selbst. Nach der aktiven beruflichen Zeit als Tischlermeister verbringt er in den Sommermonaten viel Zeit in seinem Kürrighovener Weinberg. „Die Winterarbeit ist die Stammbaumforschung“, sagte der ehemalige stellvertretende Bürgermeister. Als er damit begann, stieß das in seinem Umfeld auf reges Interesse. „Könntest du das für uns auch machen?“, kam die Frage von verschiedenen Familien. Also erledigte Giersberg Ende November die letzten Arbeiten auf dem Weinberg und taucht für die nächsten Monate ins Drachenfelser Ländchen des 18. und 19. Jahrhunderts ein.

So einfach, wie mancher sich das vorstellt, ist diese Arbeit allerdings nicht. Auch ist sie mit Reisen verbunden, die Giersberg schon in Münsteraner Archive führten. „Es gab ja nicht immer Standesämter. Die sind erst mit den Franzosen gekommen“, erklärte der rege Ruheständler. Benötigt man jedoch Daten aus dem 18. Jahrhundert, findet man die nur in den Kirchenbüchern. „Und die sind im Archiv des Bistums in Münster.“ Seinen eigenen Stammbaum hatte er schon so weit zurückverfolgt, dass er die vielen Ur’s schon gar nicht mehr zählen wollte, die er vor den Großvätern hätte setzen müssen. Bis zu Johannes, der 1743 Erna Hoppen heiratete, ist er vorgedrungen.

Spannend sei es, sich mit der Geschichte der Familien zu befassen. Wann wurde aus einem Teil der Familie Hüllen beispielsweise „Höllen“ oder aus „Luhmer“ „Lohmer“? „Dazu muss man sich auch mit den alten Sprachen und Schriften beschäftigen“, so Giersberg. Viele alte Dokumente sind nämlich in lateinischer oder französischer Sprache verfasst, noch dazu handschriftlich. Nicht einmal die Kalenderzählung stimmt immer überein. So gibt es Dokumentationen, in denen die Monate des Jahres gegenüber unserer heutigen Zählung zwei Monate verschoben sind. „Da ist der November der neunte Monat“, sagte Giersberg.

Wenn er nicht gerade mit der Historie der Wachtberger Familien oder dem Weinberg beschäftigt ist, nimmt er auch gerne mal Stellung zu ehemaligen oder aktuellen politischen Themen. „Man muss frühzeitig reagieren und von sich aus etwas machen“, konstatierte er resolut zum Thema Windräder. Seiner Meinung nach hätte man ungeachtet der vor Jahren festgelegten Abstände zu Siedlungen konsequent die Konzentrationszonen ausweisen sollen.

Dass die Politik sich vor vielen Jahren anstatt des Ausbaus von Straßen für den Bau von Krötenunterführungen entschieden hatte, kommentierte Giersberg halb ernst, halb scherzhaft: „Kröte müsste man sein.“

In Zeiten wie diesen sieht man sich nicht allzu oft. Viele markante Gesichter und Charaktere des regionalen Lebens sind dennoch im Hintergrund aktiv, schaffen etwas, haben Meinungen, bringen sich ein. In einer losen Reihe stellen wir einige von ihnen vor