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Naturschutz in Wachtberg: Eine Bruthöhle für den Eisvogel

Naturschutz in Wachtberg : Eine Bruthöhle für den Eisvogel

Am Mehlemer Bach fühlen sich Eisvogel, Wasseramsel und Gebirgsstelze wohl. Weil Straßen NRW den Tieren in Wachtberg zur Hangsicherung eine Brutgelegenheit nehmen musste, gibt es jetzt künstlichen Ersatz in Form von Nistkästen.

Schon im Vorbeifahren fallen sie auf, die braunen Platten an der L123 zwischen Ober- und Niederbachem. Befestigt sind sie an den Wasserbausteinen (Gabionen), die den Mehlemer Bach im Ernstfall bremsen sollen. Am oberen Ende der sechseckigen Fläche gibt es ein weißes Loch. Ein erster Hinweis auf den Verwendungszweck: Wie der Landesbetrieb Straßen NRW auf Anfrage bestätigte, handelt es sich um Nistkästen.

„Wir haben zwei für den Eisvogel aufgestellt und unter dem Brückenbauwerk vier weitere für Gebirgsstelze und Wasseramsel“, sagte Pressesprecher Torsten Gaber. Die Nistkästen kosteten 5680 Euro. Warum sich der Landesbetrieb mit Naturschutz befasst, erklärt sich mit Blick auf das Unwetter von 2016. Nach einem Starkregen über der Grafschaft hatte sich der Mehlemer Bach ausgebreitet und den gerade erst von Straßen NRW sanierten Hang am Dächelsberg mitgerissen.

Peter Meyer vom Nabu beriet den Kreis

„Bei den Nistkästen handelt es sich um eine Ausgleichsmaßnahme für die erneute Ertüchtigung“, erklärte Gaber. Denn man habe infolge dessen einen Steilhang entfernen müssen, der eigentlich als Nistplatz gedient habe. Die Untere Naturschutzbehörde des Rhein-Sieg-Kreises habe dann diese Maßnahmen vorgeschlagen.

Aber erst, nachdem man Rücksprache mit Peter Meyer, Vizevorsitzender des Nabu Bonn, gehalten hatte. Denn der Ornithologe weiß, wer was wann wo ausbrütet. „Der Eisvogel zieht da regelmäßig entlang, wir kennen den Ruf“, sagte Meyer. Das Tier fliege auch gerne über die Straße, um auf der anderen Seite im Naturschutzgebiet Dächelsberg, einem früheren Steinbruch, gemütlich zu fischen.

Der Eisvogel brauche zur Brut eine 1,20 Meter lange Röhre, die in einer 20 mal 25 Zentimeter großen, dunklen Kammer aus Beton münde. „Der Brutkessel muss auch ein bisschen schräg liegen, denn da der Vogel so viel Fisch frisst, muss der Kot irgendwie ablaufen“, so der Nabu-Fachmann. Der Eisvogel bevorzugt übrigens fließende und saubere Gewässer. Und ist am benachbarten Godesberger Bach nur zu Gast.

Die Wasseramsel speist nur spezielle Köcherfliegenlarven

Ebenfalls unter Schutz steht die Wasseramsel, die Gebirgsstelze hingegen nicht. Beide dürfen sich aber unter der Betonbrücke niederlassen – in einem kleinen Kasten, der von unten angeflogen wird. „Die Wasseramsel ist sehr anspruchsvoll und mag nur Köcherfliegenlarven bestimmter Güte“, sagt Meyer. Weniger empfindlich sei die Gebirgsstelze, der andere Insekten reichten.  

Nun bleibt für die Naturschützer abzuwarten, welcher Vogel denn tatsächlich Quartier bezieht. Meyer überlegt, vielleicht ein Monitoring, also eine systematische Erfassung, durchzuführen.