1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Wachtberg

Folientunnel sichern regionale Ernte: Erste Erdbeeren reifen in Wachtberg

Folientunnel sichern regionale Ernte : Erste Erdbeeren reifen in Wachtberg

Dank Folientunneln gibt es jetzt schon Erdbeeren aus Wachtberg. Ohne sie wäre die Ernte aufgrund frostiger Nächte wahrscheinlich eingegangen.

Zwiespältig sahen manche Wachtberger die Folientunnel im landwirtschaftlichen Anbau in der Vergangenheit. Obstbauer Michael Häger zeigte eine Pflanzung anlässlich der beginnenden Erdbeerernte. Zusammen mit Sohn Fabian erklärte Häger, warum diese Anbauvariante nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Höfe sichert, sondern zudem bei gleichzeitigem Fruchtschutz Ressourcen schont.

„Erdbeerkulturen sind empfindlich“, sagte Michael Häger. Frühe Wärme im Jahr mit darauffolgenden zwanzig Spätfrost-Nächten im April, wie man sie dieses Jahr erlebt habe, hätten unter normalen Umständen den größten Teil der Ernte früher Erdbeersorten zerstört. Unter der schützenden Tunnelhülle breiteten die Mitarbeiter in den vergangenen Wochen mit Erfolg jeden Abend zusätzlich ein Vlies über den Pflanzen aus. Nach der letzten Nacht habe die Temperatur direkt an den Pflanzen nur noch weniger als ein Grad über Null betragen, sagte Häger. Das sei großes Glück, denn im Gegensatz zu der Verfahrensweise beim Anbau unter Glas ist eine Rettung der Kulturen durch Beheizung weder vorgesehen noch kurzfristig möglich.

Folie schützt auch vor Unwettern

Weitere mögliche Schadfaktoren für die kleinen roten Früchte sind starker Regen oder Hagel. Kündigt das Wetter diese Ungemach im Frühjahr an, müsse man auf dem freien Feld oft die noch nicht ganz ausgereiften Früchte pflücken, um die Ernte zu retten. Dieses Qualität beeinträchtigende Problem habe man unter dem Tunnel ebenfalls nicht, sagte Michael Häger. Zudem seien die Wege zu den Vertriebsständen kurz. „Wir müssen unsere Früchte nicht schon Tage vor der Reife ernten, damit sie lange Transportwege bis zu einem Supermarkt noch überstehen“, brachte Fabian Häger diesen Vorteil auf den Punkt. „Wir können zum optimalen Zeitpunkt pflücken, das schmeckt man auch“, bestätigte Michael Häger. Ein weiterer Grund für den Einsatz der Tunnel sei die frühere Ernte, die dabei hilft, gegenüber der Konkurrenz aus dem Ausland zu bestehen.

„Für das Landschaftsbild sind Folientunnel sicher nicht günstig, aber für den Pestizideinsatz effektiver“, bestätigte Klaus Weddeling, Diplom-Biologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Biologischen Station Rhein-Sieg, einen weiteres Plus. Weil man in den Tunneln gezielt Nützlinge einsetzen kann, benötige man weniger Giftstoffe, um Schädlinge in Schach zu halten. „Der Obstbauer hängt kleine Täfelchen mit Nützlingen im Tunnel auf. Die schlüpfen, verteilten sich im Tunnel, parasitieren die Schädlinge und machen sie damit unschädlich“, beschrieb Weddeling die naturnähere Variante der Schädlingsbekämpfung. Zudem setze man zur natürlichen Befruchtung gezielt Hummelvölker ein.

Weniger Wasserverbrauch durch Tunnel

„Wir versuchen, regional gutes Obst möglichst ressourcenschonend anzubauen“, konkretisierte Fabian Häger das Ziel des Familienbetriebs. Laut seinem Vater wird das auch regelmäßig kontrolliert. Davon könne man bei den Waren aus manchen anderen Ländern eher nicht ausgehen. Wie wertvoll die Ressource Wasser hierzulande werden kann, haben die letzten drei Sommer gezeigt. „Davon brauchen wir auch weniger“, so Fabian Häger. Über Schläuche werden die Pflanzen direkt an der Wurzel mit Wasser versorgt. Weil unter der Tunnelfolie nicht so viel verdunstet wie unter freiem Himmel, kann auch das wertvolle Nass sparsamer einsetzt werden. In diesem Jahr rechneten Vater und Sohn wegen des kalten Aprilwetters mit der ersten Ernte der insgesamt sieben angebauten Sorten Anfang Mai.

Dank der inzwischen guten Folienqualität sind Hägers älteste Folientunnel bereits rund acht Jahre alt, berichtete Michael Häger. Werden die Folien aus Altersgründen ausrangiert, werden sie aufbereitet und recycelt, erklärte Herbert Knuppen von der Fachgruppe Obstbau Bonn/Rhein-Sieg.