1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Wachtberg

Heimatverein Niederbachem: Fahnen und Fotos erzählen von "untergegangenen" Vereinen

Heimatverein Niederbachem : Fahnen und Fotos erzählen von "untergegangenen" Vereinen

Der Niederbachemer Heimatverein berichtet über ehemalige Gruppen und ihre Traditionen. Walter Töpner sammelt nun Erinnerungsstücke von Niederbachemer Vereinen, die es nicht mehr gibt.

Erinnerungsstücke von Niederbachemer Vereinen, die es nicht mehr gibt, sammelt der Heimatverein Niederbachem. Walter Töpner vom Heimatverein hat über die "untergegangen" Vereine einen Vortrag beim Pfarrverein Niederbachem gehalten und den Zuhörern erklärt, wie wichtig diese Vereine für die Heimatgeschichte seien: "Einst gab es in Niederbachem einen Junggesellenverein, einen Kriegerverein, einen Theaterverein und die “Bruderschaft von Jesus, Maria und Joseph„.

Viele Spuren aus der damaligen Zeit sind verschwunden, vieles ist unwiederbringlich verloren gegangen", sagte Töpner. Zwar bestünden die Vereine seit Langem nicht mehr, aber einige Fotos, ihre Fahnen und Zeitzeugen gebe es noch. Höpner stellte drei ehemalige Niederbachemer Vereine anhand historischer Fotos und der jeweiligen Fahnen vor.

Acht Fahnen haben Dieter Zettelmeyer und Hans Ippendorf dem Heimatverein Niederbachem im Juli 2006 gegeben. Vier Fahnen des Junggesellenvereins "Einigkeit", zwei kirchliche Prozessionsfahnen, einmal mit St. Gereon und einmal mit der heiligen Familie, und eine weiß-rote Kirchenfahne sowie eine Fahne des Kriegervereins von 1912. Die weiß-rote Fahne ist gut erhalten. Walter Töpner berichtete, dass die Niederbachemer in der NS-Zeit darauf bestanden hätten, dass am Kirchturm der Gereonkirche nicht nur die Hakenkreuzfahne, sondern eben auch die weiß-rote Kirchenfahne gezeigt werden sollte. Die Fahne sei so ein stilles Zeichen des Protestes gegen das Regime gewesen.

Zum Niederbachemer Junggesellenverein gibt es gleich mehrere Gründungsdaten. Der erste Junggesellenverein (JVG) "Einigkeit Niederbachem" wurde 1877 gegründet. 15 Jahre später gründete man den Verein 1892 ein zweites Mal und nannte ihn dann "Kameradschaftlicher Junggesellenverein". Auf diese unterschiedlichen Gründungsdaten nehmen die Texte auf den Fahnen Bezug. Das 90-jährige Bestehen des JGV Einigkeit im Mai 1967 wurde als großes Ortsfest mit Festzug, Fähndelschwenken und großem Maiball gefeiert.

Danach kamen die Junggesellenaktivitäten zum Erliegen. Eine dritte Gründung am 3. November 1985 mit einem Dutzend Junggesellen sollte neues Leben in den Verein bringen, schon vier Jahre später war erneut Schluss. Zur letzten "Wiederbelebung" des JGV "Einigkeit" kam es am 1. Juli 1996. Die Gemeinschaft innerhalb der Jugend sollte wieder gestärkt werden. Ein Generationenkonflikt zwischen aktiven und ehemaligen Mitgliedern brach aus. Anstatt "JGV Einigkeit" nannte sich der Verein "Baachemer Junggesellenverein 1996", aber auch dieser Name verschwand samt Maiversteigerung, Fähndelschwenken und Festumzügen der Junggesellen in der Versenkung. Die Fahnen des Vereins hat der Heimatverein in seine Obhut genommen.

Auch die Fahne des Kriegervereins ist dort gut aufgehoben. Die Gründung des Kriegervereins in Niederbachem ist in einem Verzeichnis angegeben, das sich im Kreisarchiv in Siegburg befindet. Laut Akten wurde der Verein am 1. Oktober 1871 gegründet, wenige Monate nach der Reichsgründung, als die siegreichen Krieger aus Frankreich zurückkehrten. Mitglieder konnten nur "gediente Männer", sprich Soldaten werden. Die Gründungsfeier fand im historischen Niederbachemer Gasthaus "Zur Traube" statt. Bei der Einweihung der Kriegergedächtnisstätte am 18. September 1921 auf dem Wachtberg war neben anderen kameradschaftlichen Vereinen auch der Kriegerverein mit einer Abordnung vertreten. Ende der 50er Jahre zählte er nur noch zwölf Mitglieder. Er litt nicht nur unter Nachwuchsmangel, sondern auch unter Geldnot. Mit Johann Ippendorf starb im Juli 1980 auch dieser Verein.

Walter Töpner erzählte, dass sich alte Niederbachemer noch an die Zeit erinnern, als die Feiern zum Heldengedenktag zuerst an der Seitenwand der St. Gereonskirche stattfanden. Im Jahr 1933 wurde dann zum 63. Stiftungsfest des Kriegervereins ein Denkmal an der heutigen Konrad-Adenauer-Straße eingeweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal 1958 um die Namen der Opfer des Zweiten Weltkrieges sowie um die Namen von Gefallenen und Vermissten von Familien ergänzt, die 1945 in Niederbachem als Vertriebene eine neue Heimat gefunden hatten. Um die Pflege der Anlage kümmern sich heute die Eheleute Reinartz.

Die Niederbachemer Fahne wurde dem Kriegerverein 1910 vom Theaterverein "Edelweiß Niederbachem" gestiftet. Jetzt sucht Walter Töpner nach weiteren Hinweisen zu diesem Theaterverein, um die Vereinsgeschichte zu ergänzen.

Die Spurensuche nach der Niederbachemer "Bruderschaft von Jesus, Maria und Joseph" war bereits erfolgreich. Die Bruderschaft wurde vom Luxemburger Jesuitenpater Philipp Scouville am 13. April 1687 zum Abschluss einer Volksmission ins Leben gerufen. Es war nicht die einzige Bruderschaft, die der emsige Pater gegründet hat. Am Ende seiner Missionsreisen sollen mehrere Hundert solcher Bruderschaften entstanden sein. Fast alle der damals 200 Einwohner im Ort gehörten der Bruderschaft an, wie im Bruderschaftsbuch belegt ist.

Die hohe Mitgliederzahl wurde durch einen taktischen Schachzug des Paters möglich, erklärte Töp-ner. Denn ihm gelang eine Verbindung mit der bereits bestehenden Sebastianusbruderschaft und er konnte sich sozusagen mit seiner Bruderschaft ins "gemachte Nest" setzen. Die "Bruderschaft Jesus, Maria und Joseph" war für mehr als zwei Jahrhunderte ein bedeutsamer kirchlicher und gesellschaftlicher Angelpunkt im Dorfleben. Heute erinnern an ihre Existenz der Sebastianusaltar in der St. Gereonskirche sowie zahlreiche Wegekreuze im Ort, unter anderem das Holzfolder Kreuz und das Landgrabenkreuz.

Heimatgeschichte aktiv gestalten

Die Mitglieder des Heimatvereins Niederbachem haben auf ihrer jüngsten Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Hans Thelen wurde im Amt des Vorsitzenden des Heimatvereins bestätigt. Zu seinem Stellvertreter wählten die Mitglieder den Buchautor Walter Töpner. Gertrud Steinlein bleibt weiterhin Geschäftsführerin, ihr Vertreter ist Horst Hüllen. Zum Kassierer und Schriftleiter für den Heimatbrief wurde Uli Flöhl gewählt, zu dessen Vertreter Benedikt Auen, der auch Wanderführer des Vereins ist. Beisitzer im Vorstand sind jetzt Renate Zgaga, Roland Migende und Heinz Schlesinger.