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Prozess am Bonner Amtsgericht: Falsche Polizisten flogen gleich doppelt auf

Prozess am Bonner Amtsgericht : Falsche Polizisten flogen gleich doppelt auf

Ein 83-jähiger Wachtberger und eine 81-jährige Düsseldorferin merkten im Sommer schnell, dass sie Opfer von Telefonbetrügern werden sollten. Mit einer identischen Geschichte versuchte ein angeblicher Polizist, beide um jeweils 20.000 Euro zu bringen. Doch die Senioren reagierten clever.

Der sogenannte Polizistentrick erfreut sich in kriminellen Kreisen noch immer großer Beliebtheit; die ins Visier genommenen Senioren erkennen aber in jüngster Vergangenheit offenbar immer öfter, dass sie übers Ohr gehauen werden sollen. So rochen gleich zwei mutmaßliche Opfer Lunte, als am 26. August dieses Jahres angeblich die Polizei bei ihnen anrief. Demnächst muss sich nun ein 32-jähriger Mann vor einem Bonner Amtsrichter verantworten, weil er als vorgeblicher Polizist Bargeld und sogar ein Kilo Gold bei einem 83-jährigen Wachtberger abholen wollte.

Bei der mittlerweile nicht mehr ganz unbekannten Betrugsmasche erzählen meist aus dem Ausland operierende Bandenmitglieder den vorwiegend älteren Opfern am Telefon für Außenstehende zunächst abstrus klingende Geschichten. Mit äußerstem psychologischen Geschick versuchen die geschulten Anrufer den Zielpersonen vorzugaukeln, ihr Bargeld oder andere Wertsachen seien in Gefahr. Auch die Bank sei kein sicherer Ort mehr, da Kriminelle das Kreditinstitut angeblich infiltriert hätten, so eine der häufigsten Geschichten.

„Kollege“ von der Spurensicherung sollte das Geld abholen

Am 26. August versuchten wieder einmal Mitglieder einer aus der Türkei heraus operierenden Bande ihr Glück; sie riefen eine 81-jährige Düsseldorferin und einen 83-jährigen Wachtberger an, um sie mit einer identischen Räuberpistole um ihr Erspartes zu bringen. Eine rumänische Einbrecherbande kenne ihren Kontostand und sie könnten sich nur vor deren Zugriff auf ihr Geld schützen, indem sie 20.000 Euro schnellstmöglich von der Bank holten und zu Hause einem Kollegen von der Spurensicherung aushändigten. Der werde gleich nach der Rückkehr von der Bank bei ihnen klingeln.

Die Düsseldorferin versuchte, zunächst Zeit zu gewinnen und beschied die Anrufer laut Anklage, dass sie am selben Tag beim besten Willen nicht mehr zur Bank gehen könne. Man möge doch bitte am folgenden Tag noch einmal anrufen. Als sie den Vorfall der Polizei melden wollte, kristallisierte sich allerdings heraus, dass ihr der Wachtberger bei dem Versuch, die Betrüger zu stellen, zuvorgekommen war. Exakt um 13 Uhr 13 hatte der 83-Jährige einen gleichartigen Anruf erhalten. Mit dem Hinweis, er habe doch nicht nur 20.000 Euro Bargeld in seinem Schließfach, sondern auch noch seine geliebte wertvolle Uhrensammlung und ein Kilo Gold, wusste der Mann die Anrufer geschickt zu ködern.

Wachtberger versprach sogar, Gold von der Bank zu holen

Die Uhren interessierten die Kriminellen dann aber weniger, jedenfalls sagten sie dem Rentner, er könne die Chronometer ruhig in seinem Schließfach lassen. Das Gold und das Geld werde aber gleich nach seinem Bankbesuch von einem Polizeikollegen abgeholt. Vor Ort warteten allerdings schon die echten Beamten auf den angeblichen Kollegen der Spurensicherung und nahmen ihn vorläufig fest.

Den Wachtberger Fall soll der Angeklagte gegenüber den Ermittlern dann mit Einschränkungen eingeräumt haben: Er sei von Unbekannten gebeten worden, etwas bei dem Rentner abzuholen. Dass das möglicherweise nicht ganz legal gewesen sei, habe er geahnt. Dass er einen Polizisten verkörpern solle, habe er hingegen nicht gewusst. Und nach Düsseldorf zu fahren habe er von vorne herein abgelehnt. Ein Termin für die Gerichtsverhandlung steht noch nicht fest.