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Ortsvertretung tagt in Fritzdorf: Frust im Funkloch

Ortsvertretung tagt in Fritzdorf : Frust im Funkloch

Die Fritzdorfer hoffen auf ein besseres Mobilfunknetz, doch ein neuer Funkmast ist noch nicht in Sicht. Auch die Verteilung von Asylbewerbern war Thema in der Ortsvertretung.

Wer die Gewohnheit hat, in kommunalpolitischen Sitzungen hin und wieder verstohlen auf sein Mobiltelefon zu schauen, der hatte am Dienstagabend in Fritzdorf damit wenig Freude. Doch nicht nur wenn die Ortsvertretung tagt, sitzen die Fritzdorfer Bürger im Funkloch. Der geplante Mobilfunkmast, auf den die Menschen in Fritzdorf und den Nachbardörfern seit Jahren warten, ist weiterhin ein frommer Wunsch. Dabei steht ein Standort auf einem Privatgrundstück längst bereit.

Mehr oder weniger hilflos konstatierten diesen Sachstand die Mitglieder und Zuhörer der Ortsvertretung, die sich zur Sitzung im Jugendtreff eingefunden hatten. Eine Bürgerin berichtete beispielsweise, dass die Möglichkeit für einen Telearbeitsplatz, welche ihr der Arbeitgeber einräume, aufgrund der fehlenden Mobilfunkverbindung leider graue Theorie bleibe.

Grund für die Verschleppung ist offenbar die Fusion der Mobilfunkanbieter E-Plus und O2 zur neuen Gesellschaft Telefónica, bei der die bereits erteilte Zusage für den Bau eines Mobilfunkmastes offenbar auf der Strecke geblieben ist. „Ein Unding“, schimpfte Stephan Häger (CDU) und forderte den – abwesenden – Wachtberger Wirtschaftsförderer zum Handeln auf.

Bau des Mastes wurde schon einmal verschoben

Ein anderer Anlieger erinnerte daran, dass der Bau eines Mobilfunkmastes vor geraumer Zeit schon einmal kurz bevorgestanden habe, dann jedoch von ortsansässigen Mobilfunkgegnern mittels einer Unterschriftenliste, die es bis in den Petitionsausschuss des Düsseldorfer Landtag schaffte, konterkariert worden sei.

Hoffnung machte den Anwesenden um Joachim Heinrich als Vorsitzendem der Ortsvertretung lediglich ein Schreiben der Gemeindeverwaltung: Darin teilt der Erste Beigeordnete Jörg Ostermann den Fritzdorfern mit, dass die Verwaltung das Projekt „weiterverfolge“. Genau das beschloss die Ortsvertretung dann auch und setzte in ihrer Forderung noch die Worte „mit Nachdruck“ hinzu.

Unterdessen wächst in Fritzdorf auch bei einem Thema die Unzufriedenheit, welches die überregionalen Nachrichten dominiert. Nimmt man die Ortsvertretung als Gradmesser, so verbreitet sich in Fritzdorf die Ansicht, dass das Dorf bei der Unterbringung von Asylbewerbern überproportional belastet sei.

"Sehr ungleiche" Verteilung von Asylbewerbern unter Wachtberger Ortschaften

Derzeit beherbergt der Ort in der Unterkunft an der Raiffeisenstraße etwa ein Sechstel der knapp 400 Asylbewerber, die aktuell im Gemeindegebiet untergebracht sind. Allerdings habe Fritzdorf nur ein Zwanzigstel der Einwohner, gab ein Bürger zu bedenken.

Auch am Beratungstisch teilte man die Auffassung, dass die Verteilung unter den Wachtberger Ortschaften „sehr ungleich“ ausfalle, was jedoch einerseits in der Natur der Sammelunterkünfte liege und andererseits ein Problem sei, das die Bundesregierung anpacken müsse.

„Wir wollen keine Neiddebatte“, sagte ein Teilnehmer und erntete dafür ebenfalls Zustimmung wie für seinen Appell, die Bürgermeisterin müsse eben notfalls „die Reißleine ziehen und sagen: Wir schaffen das nicht!“, denn diese Zivilcourage würden die eigenen Bürger von ihr erwarten. Zumal dann, wenn gleichzeitig „einfachste Dinge wie die Reparatur einer Straßenlaterne“ auf der Strecke blieben.

Kein Thema war hingegen die vorübergehende Festnahme eines 21-jährigen Marokkaners aus der Fritzdorfer Unterkunft. Er war von der Polizei verdächtigt worden, etwas mit den Gewaltexzessen in der Silvesternacht in Köln zu tun gehabt zu haben.

Den Tagungsort im Jugendtreff hatte die Ortsvertretung gewählt, um den Betreuern Esther Küpper, Tanja Lorenzen und Kalle Jansen die Gelegenheit zu geben, sich und ihre Arbeit vorzustellen. Der Jugendtreff ist montags, mittwochs und freitags zwischen 16 und 20 Uhr geöffnet, zurzeit bilden die Sechs- bis 13-Jährigen den Großteil der Klientel.

Uneingeschränkte Unterstützung erfuhren die Pläne des Fördervereins Sankt Georg Fritzdorf, der an den Waldwegen rings um das Dorf einen Sankt-Georgs-Weg anlegen möchte. So sollen bestehende Wegekreuze und Bänke durch weitere ergänzt werden, sodass schließlich ein Rundweg entsteht. Der Förderverein wird die Materialkosten übernehmen, die Arbeit leistet der Bauhof.