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Hotel Dahl in Niederbachem: Gemeinde Wachtberg zieht angesichts des Bauvolumens die Notbremse

Hotel Dahl in Niederbachem : Gemeinde Wachtberg zieht angesichts des Bauvolumens die Notbremse

Die Gemeinde Wachtberg stellt einen neuen Bebauungsplan für die Hotel-Dahl-Immobilie auf, um Einfluss auf das dort geplante Seniorenheim nehmen zu können. Es soll mehrere Meter höher werden als der bisherige Bau.

Paukenschlag im Fall der geplanten Seniorenresidenz, die auf dem Gelände des Hotels Dahl in Niederbachem entstehen soll. Auf Anfrage bestätigte Bürgermeister Jörg Schmidt, dass die Verwaltung am Freitag per Dringlichkeitsbeschluss die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans für das Areal entschieden habe. „Der Rat muss diesem in seiner Sitzung am 6. Dezember noch zustimmen“, so Schmidt. Damit zieht die Gemeinde dem Vernehmen nach die Notbremse bei einem Projekt, bei dem der neuen Eigentümer und Investor, das Hamburger Immobilienunternehmen Cureus, bislang keine Anstalten gemacht hatte, die Verwaltung in seine Planungen einzubeziehen.

Dreh- und Angelpunkt sei dabei die Frage, so Schmidt, ob der Bau eines Seniorenheims mit den Maßgaben für ein Hotel vereinbar ist, so wie dieses der bestehende Bebauungsplan vorsieht. Wäre das der Fall, müsste die Gemeinde möglicherweise nicht beteiligt werden, andernfalls schon. Seit Samstag habe die Dringlichkeitsentscheidung Gültigkeit und die Rechtslage sei eine neue, so Bürgermeister Schmidt: „Was der Investor nun auf dem Areal vorhat, ist nicht mehr ohne Absprache mit der Wachtberger Verwaltung möglich.“ Anders formuliert:  Die Ausgestaltung des neuen Bebauungsplans mitsamt der Vorgaben für das geplante Seniorenheim muss nun den Weg durch die Ausschüsse gehen, was viel Zeit kosten dürfte.

Im März war bekannt geworden, dass das Hotel Dahl seine Pforten schließt und der Käufer der Immobilie dort eine Senioreneinrichtung plant. Was genau und wie groß, war lange Zeit unbekannt. Auch für die Gemeinde, zu der Cureus laut Schmidt keinerlei Kontakt aufgenommen und auch keine genaueren Informationen zur Verfügung gestellt habe.

Licht ins Dunkel brachte die Sitzung des Ortsausschusses Niederbachem Mitte des Monats. Dort stellte der Architekt des Investors erstmals die genauen Planungen vor. Im einstigen 120-Betten-Hotel, das wegen seiner Massivität ohnehin nie als architektonische Zierde galt,  soll nun ein vergleichbar massiver Bau folgen. Geplant ist laut eines Präsentationspapiers des Architekturbüros eine Seniorenresidenz mit 100 vollstationären Pflegeplätzen, 20 Kurzzeitpflegeplätzen, 20 Wohnungen und 44 Parkplätzen.

„Der Neubau wird rund drei beziehungsweise sechs Meter höher als das alte Hotel“, so Bürgermeister Schmidt, der anlässlich der Ortsausschusssitzung zum ersten Mal Details erfahren hatte. Er stellt in dem Zusammenhang klar, dass die Schaffung von Betreuungsplätzen für Senioren in Wachtberg absolut wichtig sei: „Die Frage ist nur, ob dazu das Hotel Dahl der geeignete Standort ist.“

Vom Rhein-Sieg-Kreis gibt es auf die Frage, ob ein neuer Bebauungsplan nötig wäre, keine Antwort, „da dem Bauamt noch kein Bauantrag vorliegt“, sagte Antonius Nolden aus der Pressestelle des Kreises. „Wenn nach einem Hotel ein Seniorenheim auf dem Grundstück entstehen soll, ist eine neue Beurteilung notwendig, die aber die Gemeinde vornehmen muss“, so Nolden. Wenn der Bauherr dann einen Bauantrag stelle, beginne das Genehmigungsverfahren. „Erst dann können wir auch weitere Fragen prüfen, beispielsweise was die Höhe des Bauwerks oder den zu erwartenden Straßenverkehr angeht.“

Auf Anfrage betonte Christoph Wilhelm, Sprecher von Cureus, dass sich das Unternehmen grundsätzlich als Partner von Kommunen verstehe. „Das haben wir bereits bei einer Vielzahl von Projekten erfolgreich bewiesen“, so Wilhelm. Er gibt aber auch zu: „Leider ist die Kommunikation bei dem Projekt in Wachtberg diesmal unglücklich verlaufen, sodass wir im Vorfeld zum Ortsausschuss noch nicht mit dem Bürgermeister oder weiteren Zuständigen in Kontakt getreten sind.“ Es sei aber ein wichtiges Anliegen, in dem künftigen Prozess einen engen Draht zur Gemeinde zu halten.