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Folientunnel in Wachtberg in der Kritik: Geschützter Anbau der Landwirte in der Kritik

Folientunnel in Wachtberg in der Kritik : Geschützter Anbau der Landwirte in der Kritik

In Wachtberg fallen sie zwischen Oberbachem und Adendorf sofort auf: Die Rede ist von den Folientunneln, unter denen vor allem Obst wie Erdbeeren geschützt vor der Witterung wachsen kann.

Doch was für die einen effizientes Werkzeug im härter werdenden Konkurrenzkampf ist, empfinden andere als Verschandelung der Landschaft. Hinzu kommt: Einige Fachleute warnen davor, viele Folientunnel würden zu einer Versiegelung der Landschaft und so bei Unwetter zu einer Erhöhung der Gefahr von Hangabflüssen beitragen.

Für den Wachtberger Beigeordneten Jörg Ostermann ist Fakt: Die Gemeinde ist immer noch stark geprägt von landwirtschaftlicher Nutzung. Dabei komme dem Obstanbau ein besondere Bedeutung zu. Ostermann hat beobachtet, dass die Obstlandwirte "im Laufe der Jahrzehnte ihre Produktionsmethoden verändert haben und verstärkt zu einem geschützten Anbau übergegangen sind". Hagelnetze und Folientunnel sind zum sichtbaren Kennzeichen dieser Methoden geworden.

"Durch den geschützten Anbau ist es dem Landwirt möglich, einige Tage bis hin zu Wochen früher mit seinen Produkten am Markt zu sein", erklärt Franz-Josef Schockemöhle, Geschäftsführer der Kreisstelle für den Rhein-Sieg-Kreis bei der Landwirtschaftskammer NRW. Wirtschaftlich gesehen, könnten die Bauern so mit den Importprodukten aus dem Ausland mithalten. "Ohne den geschützten Anbau wäre ein wirtschaftlich tragbarer Anbau regionaler Produkte in der hiesigen Region "nicht oder nur sehr schwer möglich", glaubt Schockemöhle.

Nach einer internen Auswertung der Landwirtschaftskammer werden im Gemeindegebiet Wachtberg auf etwa 252 Hektar Erdbeeren angebaut. Nach Schockemöhles Schätzungen wird die Hälfte der Fläche mit geschütztem Anbau bewirtschaftet. Doch ihm sei auch klar, dass sich an den Folientunneln "aus Sicht des Landschaftsschutzes und des Bodenschutzes die Geister scheiden".

Die rechtliche Situation ist eindeutig: Die Errichtung der Netze und Tunnel gelten als ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bewirtschaftung. Daher bedürfen diese laut Jörg Ostermann keinerlei Genehmigung durch die Bauordnungsbehörde oder die Landschaftsbehörde beim Kreis. "Was das Landschaftsbild angeht, sind uns als Landschaftsbehörde auch die Hände gebunden", erklärt Christoph Schwarz, Umweltdezernent des Rhein-Sieg-Kreises. "Nur besonders grobe Verunstaltungen des Landschaftsbildes durch Vorhaben der Landwirtschaft wären überhaupt beeinflussbar." Etwa der Neubau eines großen Stalles auf einer Kuppe.

Bleibt die Frage, wie stark Folientunnel bei Unwettern Flächen versiegeln und Hangabflüsse befördern. "Die Klimasituation verändert sich derzeit so, dass die Starkregen an Häufigkeit und Intensität zunehmen", erläutert Britta Bell, Abteilungsleiterin für den Gewässerschutz in der Kreisverwaltung. "Wir müssen also in Zukunft darauf achten, nichts zu tun, was die daraus folgenden Probleme verschärft. Großflächige Abdeckungen mit Folientunnel können wasserwirtschaftlich ein Baustein sein, der zu gebündelten und daher gefährlichen Wasserabflüssen und zu Erosionen nach Starkregen führt."

"Dass es in den letzten Jahren, besonders bei Starkniederschlägen zu verstärkten Hangabflüssen gekommen ist, lässt sich nicht leugnen", sagt dazu Landwirtschaftskammer-Experte Schockemöhle. "Aber auch die zunehmende Bebauung und damit einhergehend die zunehmende Flächenversiegelung hat zu diesem Effekt deutlich beigetragen."

Trotzdem hat die Gemeinde die Landwirtschaftskammer gebeten, "bei der Errichtung von Folientunneln die Frage der Entwässerung in den Blick zu nehmen, um verstärkte Abflüsse in Wohnbereiche hinein oder auf Straßen zu vermeiden", sagt Beigeordneter Ostermann. "Wir werden bei der Anlage von Folientunneln verstärkt darauf achten, dass den Belangen des Boden- und Wasserschutzes Rechnung getragen wird", bestätigt Schockemöhle.