Ortsvertretung will Überschwemmungen vermeiden Großer Kanal in Werthhoven soll Regen aufnehmen

WERTHHOVEN · Die Gemeinde Wachtberg stellte ein umfangreiches Maßnahmenpaket zum Schutz von Werthhoven von neuerlichen Unwetterfluten vor.

 Ab der Einmündung Im Vogelsang beginnen die Untwetterschutzmaßnahme der Gemeinde auf der Ahrtalstraße, wie die Absenkung der Fahrbahn und das Verlegen eines größeren Kanals

Ab der Einmündung Im Vogelsang beginnen die Untwetterschutzmaßnahme der Gemeinde auf der Ahrtalstraße, wie die Absenkung der Fahrbahn und das Verlegen eines größeren Kanals

Foto: Axel Vogel

Der Unwetter- beziehungsweise Hochwasserschutz ist im Ländchen wenige Wochen vor dem Jahrestag des verheerenden Unwetters im vergangenen Jahr am 4. Juni in aller Munde. Zu jenen Ortsteilen, die besonders betroffen waren, gehörte damals erneut Werthhoven: Von umliegenden Höhenlagen hatten sich vor knapp einem Jahr die Regenfluten von verschiedenen Seiten quasi in Rinnen in den Ort ergossen, so erklärte es Volker Strehl, Vorstand der Gemeindewerke, am Dienstagabend in der Sitzung der Ortsvertretung von Werthhoven im Pössemer Treff.

Die bekannte Folge: Erneut wurden eine Vielzahl Keller geflutet, bevor das Wasser weiter talwärts in Richtung Ober- und Niederbachem strömte. Welche Maßnahmen die Gemeinde vor hat, um den Ort zukünftig besser gegen solche Unwetter zu wappnen, erklärte Strehl Ortsvertretern sowie zahlreichen Zuhören.

Ob Werthhoven ausreichend geschützt ist, und wenn nicht, wo es Schwachstellen gibt, sollte bereits 2016 eine Risikoanalyse der Gemeinde ermitteln. Im Frühjahr 2016 war das Ganze so weit gediehen, dass es man es der Öffentlichkeit hätte vorstellen können. Doch dann kam der 4. Juni: „Nach dem neuerlichen Unwetter mussten wir alle Planungen nochmals überdenken“, erinnert sich Gemeindewerke-Experte Strehl. In der Folge habe ein neuer, intensiver Abstimmungs- und Informationsprozess begonnen, der sich nun in konkreten Maßnahmen niederschlagen soll. Dabei habe man sich auf mittlerweile hochpräzise Simulationen stützen können, wohin das Wasser fließt.

3,5 Millionen Euro stehen zur Verfügung

So viel vorab: Geplant ist laut Strehl ein Paket, das zwischen 2017 und 2019 umgesetzt werden soll, und für das insgesamt 3,5 Millionen Euro zur Verfügung steht. Dabei hat die Gemeinde zunächst den Bereich der Ahrtalstraße ab Einmündung der Straße Im Vogelsang bis östlich der Kreisstraße 58 im Blick. Hier soll noch in diesem Jahr ein Kanalsystem entstehen, das über einen Durchmesser von bis zu 1,20 Meter verfügt.

In der Theorie geht es vor allem darum, jenes Regenwasser aufnehmen, das bislang über die Straßen und teils in die Keller strömte: „Nach unseren Berechnungen lässt sich damit ein Unwetterereignis wie das am 4. Juni ableiten“, führte Strehl aus. Einströmen soll das Wasser über drei Einleitungsbauwerke in den neuen Kanal. Die Einlassbauwerke verfügen über ein zwei mal 2,50 großes Gitter, und müssen ebenfalls neu gebaut werden.

Eine weitere Maßnahme betrifft die Entwässerung der Kreisstraße, die laut Strehl ebenfalls optimiert und neu verlegt, sprich auf einen Kanaldurchmesser von 1,40 Meter vergrößert wird. Schließlich seien im vergangenen Jahr beim Juni-Unwetter auch Regenfluten über die Kreisstraße in Richtung Oedingen geströmt.

Zum Maßnahmenkatalog gehört ferner, dass die Straße Im Vogelsang und der Straße Zum Rheintal auf rund 60 Metern Länge bis zur Kreisstraße um bis zu 40 Zentimeter abgesenkt wird, so Strehl weiter: „Damit kann das Wasser hier besser ablaufen.“ Eine Art Hubbel in der Straße habe das bislang verhindert.

Hochboard und "Gewässerbett"

Falls der Kanal das Regenwasser nicht hinreichend abführen könnte, will Strehl ergänzend ein zweites Sicherungssystem zur Talseite der Straße Zum Rheintal aufbauen: Und zwar soll das Wasser über die Straße abgeleitet werden und dazu ein etwa 15 Zentimeter hoher Hochboard errichtet werden.

Die Pläne sehen außerdem eine Wiesenfläche an der Einleitungsstelle östlich der Kreisstraße vor, die mit Genehmigung der Kreisbehörden naturnah für den Unwetterfall hergerichtet werden soll – das „Gewässerbett“ soll „die Energie des Wasser vernichten“, so Strehl. Gelingen soll das mittels schwerer Steine, die die Gemeinde auf der Wiese ausbringt. Die Bauarbeiten können noch im Herbst beginnen.

Ein zweiter Schwerpunkt soll nach Vorliegen einer Überflutungssimulation zeitnah für den Ortsbereich Alter Hof/Ahrtalstraße umgesetzt werden. Für Volker Strehl ein weit schwierigeres Thema, „weil wir hier eine Lösung in der Bebauung finden müssen“. Zu Einlassungen der Zuhörer nahm Strehl ebenfalls Stellung.

So zu der Frage, ob sich die Situation für tiefergelegene Wachtberger Ortsteile verschlechtert, wenn sich Werthhoven nun umfangreich gegen die Fluten schützt? Strehl betonte, dass selbstverständlich der Nachweis geführt werden müsse, ob die Maßnahmen etwa Auswirkungen für Niederbachem haben könnten. Schließlich gelte auch im Wasserrecht ein „Verschlechterungsverbot“.

Ferne fragte ein Zuhörer nach, ob die Werthhovener auch kurzfristig Unterstützung beim Hochwasserschutz bekommen könnten, und zwar durch die Vorhaltung von Sandsäcken an den bekannt neuralgischen Punkten. Aus Sicht von Strehl eine gute Idee, die er nun mit Wachtbergs Wehrführer Markus Zettelmeyer besprechen will.