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Initiativen in Wachtberg: Helferinnen basteln Schultüten für Flutopfer

Initiativen in Wachtberg : Helferinnen basteln Schultüten für Flutopfer

Seit zwei Wochen basteln Manuela Schmidt und andere Mütter aus Wachtberg Schultüten für Erstklässler aus den Gebieten, die durch die Flut verwüstet wurden. Sie sagt: „Der erste Schultag ist ein ganz besonderer und wichtiger Tag im Leben eines Kindes.“

Eine Einschulung ohne Schultüte könnte es für viele Kinder aus den Flutgebieten bald geben. Manuela Schmidt aus Werthhoven will das verhindern. Seit zwei Wochen bastelt die Mutter neue Schultüten für betroffene Erstklässler. „Viele Kinder haben sich mit großer Mühe auf ihren ersten Schultag vorbereitet und ihre Schultüten selbst gebastelt. Dann kamen die Fluten und nun stehen sie teilweise ohne alles da“, schildert Schmidt nach Gesprächen mit Betroffenen. „Der erste Schultag ist ein ganz besonderer und wichtiger Tag im Leben eines Kindes. Eine Schultüte ist nicht lebensnotwendig, aber für ein Kind unendlich wichtig“, so die Psychologin.

Schnell fanden sich einige Freiwillige aus Wachtberg und Umgebung zusammen, die mitbasteln wollten. „Die Resonanz ist riesig. Wachtberger Kindergärten stellen uns ihr gesamtes Bastelmaterial zur Verfügung“, berichtet Schmidt. Auch sollen Geld- und Sachspenden aus ganz Deutschland eintreffen. „Ein Kindergarten in Pech stellt uns während der Sommerferien die Räumlichkeiten zur Verfügung“, sagt Mithelferin Sandra Rosendahl.

Seitdem treffen sich dort rund 30 Helferinnen im Alter zwischen neun und 60 Jahren mehrmals in der Woche zum gemeinsamen Basteln. Hinzu kommen fünf Näherinnen, die Mäppchen und Rechenmäuse nähen. „Wir sind so organisiert, dass immer ungefähr 15 Helferinnen an einem Abend dabei sind“, sagt Rosendahl. Mit Erfolg, denn 35 Schultüten sind schon fertig und warten darauf, befüllt zu werden.

Wie viele Tüten es am Ende werden, sei aber noch nicht abzusehen. „Das Team arbeitet gut und zügig zusammen, sodass wir auch noch Kapazitäten für den Schulbeginn in Rheinland-Pfalz haben“, betont Schmidt. Im Gegensatz zu NRW, wo die Sommerferien am 17.08. enden, bleiben den Helferinnen für Rheinland-Pfalz zehn Tage länger. „Wir werde noch vier Wochen basteln und warten unter anderem auf Rückmeldungen aus dem Kreis Ahrweiler“, sagt Rosendahl. Demnach soll in manchen Flutgebieten noch nicht feststehen, ob der Schulbeginn nicht sogar verschoben werden muss.

Das Team jedenfalls werde sich rechtzeitig auf den Weg machen und die Schultüten den Familien vor Ort überreichen, sagt die Wachtbergerin. Schwierig gestalte sich weiterhin die Kontaktaufnahme mit betroffenen Familien in den Katastrophengebieten. „Wir sind mit den Kitas und Grundschulen vernetzt, die die Menschen vor Ort erreichen können. Die Erzieher und Lehrer wissen genau, welche Kinder Unterstützung benötigen und leiten uns gezielt weiter“, sagt Schmidt.

Täglich erreichen die Helferinnen neue Anfragen. Wie die Schultüten aussehen sollen, dürfe klar geäußert werden, sagt Rosendahl. „Wir basteln nach den Wünschen des Kindes.“ Ganz nach den Vorlieben der Kinder werden die Schultüten gestaltet: mit Dinos, Feuerwehrmann Sam aus der gleichnamigen Serie, Anna & Elsa aus dem Disney Film „Die Eiskönigin“ und vielen anderen Motiven.

„Es hat sich herausgestellt, dass Einhörner bei Mädchen beliebt sind und Dinos bei den Jungen“, sagt Schmidt. Befüllt werden die Tüten mit Sachspenden wie etwa Uhren, Stiften und Süßigkeiten. „Von dem Spendengeld werden außerdem individuelle Namensetiketten gekauft, damit die Schultüten einen persönlichen Charakter haben“, sagt Rosendahl.

Man wolle nun möglichst viele Kinder glücklich machen und den Eltern wenigstens diese kleine Sorge abnehmen, in der für Sie aktuell stark belastenden Situation, so die Mütter. „Daher werden alle Schulen, Kitas und Familien im Rhein-Sieg-Kreis und Kreis Ahrweiler aufgerufen, sich zu melden“, heißt es.

Zur Unterstützung ruft auch das Hilfsprojekt „Helfen muss Schule machen“ auf. Die Privatinitiative aus Villiprott sammelt Schulmaterial wie Schulranzen, Rucksäcke, Turnbeutel, Mäppchen, Hefte und Füller. „Die Ranzen und Rucksäcke sollten im Idealfall mindestens sehr gut erhalten und gesäubert sein, ob für Grundschulkinder oder Schülerinnen weiterführender Schulen ist dabei unwichtig“, sagt Organisatorin Heike Meedin. „Zudem nehmen wir natürlich auch Geldspenden entgegen, sodass wir fehlendes Material zukaufen können.“ Die gefüllten Schulranzen sollen danach gezielt an betroffene Schüler verteilt werden – dazu habe man sich mit dem Lehrpersonal aus den betroffenen Gebieten vernetzt. „Selbstverständlich können sich betroffene Familien und Lehrer betroffener Kinder und Jugendlicher auch selbst melden“, sagt Meedin.