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Henseler Hof: Dorfsaal in Niederbachem soll sa

Bauen in Wachtberg : Ausschuss uneins über Zukunft des Henseler Hofs

Der Wachtberger Infrastruktur-Ausschuss hat ein Maßnahmenpaket zur Reaktivierung des Niederbachemer Dorfsaals beschlossen. Bei der Zusammenkunft herrschte jedoch nicht nur Einigkeit.

Was braucht der Henseler Hof, um zukunftsfähig aufgestellt zu sein? Um diese Frage drehte es sich bei Punkt 2 der Tagesordnung des Infrastrukturausschusses. Und soviel sei verraten: Politiker, Arbeitskreis (siehe Infobox), Verwaltung und Architekt vertraten nicht immer die gleiche Position.

Wie berichtet, ist die Umgestaltung des Dorfsaals Teil des Integrierten Handlungskonzepts (IHK) Niederbachem von 2017. Anschaulich präsentierte zunächst Architekt Wolfgang Beyss seine Planungen, die sich in Module aufgliedern. Zu Beginn stellte der Bonner klar: „Elektronik und Lüftungsanlagen weisen Mängel auf.“ Daher steckte er diese und ähnliche Arbeiten wie Heizung und Sanitär in ein Basismodul. Eine neue Theke samt Empore, die abtrennbar vom Hauptraum ist, zählen zu Modul A und B. Die Bereiche C bis E umfassen einen Lastenaufzug, eine Lehrküche nebst neuer (vorgeschriebener) Stahltreppe sowie eine mobile Bühne. „Modul F dient der Aufwertung des Untergeschosses, unter anderem mit einer Fahrradwerkstatt und einer weiteren Toilette“, so Beyss.

Für diese Maßnahmen kommt der Architekt auf rund 739.000 Euro – 295.000 Euro mehr als ursprünglich veranschlagt. Auch wenn es den kommunalen Anteil später über die Städtebauförderung des Landes zurückgibt, müssen die Mittel zunächst bereitgestellt werden. Sozusagen on top könnte man in drei späteren Arbeitsschritten noch einen Laubengang, die Möblierung und das Trennwandsystem für den Saal angehen. Gesamtkosten hierfür: rund 428.000 Euro.

Ingo Steiner (Grüne) zeigte sich nach der Präsentation „schockiert“:  „Wo steht denn im Konzept, wie man im Saal zukünftig vernünftige energetische Standards setzt?“ Zudem sei der Elektroofen eine teure Angelegenheit. „Die Energiekosten liegen bei 350 Euro pro Tag, das muss man sich leisten können“, sagte Steiner im Hinblick auf eine Vermietung. Jörg von Wülfing (CDU) wertete die Heizung ebenfalls als nicht nutzerfreundlich: „Die Heizung ist teuer und schlecht bedienbar.“ Eine Machbarkeitsstudie wäre in seinen Augen der richtige Weg.

Oliver Henkel (Grüne) wunderte sich auch: „Wer hat da die Prioritäten gesetzt angesichts des Klimawandels?“ Fachbereichsleiter Christian Pohl betonte, es sei in der Aufgabenstellung um die Reaktivierung des Henseler Hofs gegangen, nicht um eine energetische Sanierung: „Zumal die Hülle auch ganz passabel ist.“

Christian Feddern (Unser Wachtberg) warf ein, inwieweit die Planungen mit dem Pächter abgesprochen seien. Das müsse nicht sein, da die Gastronomie getrennt vom Rest vermietet werde, so Beigeordneter Swen Christian. Volker Gütten (CDU) wertete den modularen Aufbau als sehr gelungen. „Aber brauchen wir eine Lehrküche für 190.000 Euro und eine Radwerkstatt? Und wer betreibt diese?“, fragte er sich. Da man wegen der Fördermöglichkeit nur bis Ende 2021 Zeit habe, sprach er sich für die Maßnahme aus, wollte aber diese Module ausschließen. Steiner würde sich die Lehrküche eher für die Hans-Dietrich-Genscher-Schule wünschen: „Zudem halte ich die Ausstattung für sehr teuer“ und betonte, Gastroerfahrung zu haben.

Philipp Willert (SPD) gab zu bedenken, dass die Ausgestaltung in Zusammenarbeit mit den Bürgern und der Ortsvertretung erfolgt sei: „Es geht also nicht um irgendwelche Ideen, die von Ortsfremden sind.“ Pohl führte zudem an, Auftrag an die Verwaltung sei gewesen, das Projektblatt abzubilden. „Es gäbe sicher sehr viele sinnvolle ökologische Projekte, aber trotzdem wäre dann das Ziel verfehlt, die Ideen der Nutzer aufzugreifen“, erklärte Pohl. Und damit möglicherweise die Förderung gefährdet. Einstimmig sprach sich der Ausschuss schließlich dafür aus Basismodul, Theke, Empore, Aufzug, Trennwand, Stahltreppe und die Heizproblematik anzugehen.