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Tierschutz: Holzemer Landwirte wollen Hennen retten

Tierschutz : Holzemer Landwirte wollen Hennen retten

Hühner die gezüchtet wurden, um Eier zu legen, haben oft nur ein kurzes Leben. Nach rund einem Jahr enden viele von ihnen als Suppenhuhn. Das Ehepaar Kühlwetter, das einen Hof in Holzem hat, will solche Tiere nun retten.

Was mancher Verbraucher nicht weiß: Hühnern ist oft nur ein kurzes Leben beschieden - vor allem den speziell für die Eierproduktion gezüchteten sogenannten Hybriden. Sobald die Legeleistung einer Henne nach etwa zwölf bis fünfzehn Monaten nachlässt, werden viele Tiere geschlachtet und enden als Suppenhuhn. Denn normalerweise liegt die Lebenserwartung eines Huhns zwischen sechs und zehn Jahren, wobei Experten davon ausgehen, dass Hybridhühner eine kürzere Lebenserwartung haben. Das traurige Schicksal der Hybridhühner bewegt den Holzemer Landwirt Wilfried Kühlwetter bereits seit geraumer Zeit. Schließlich liefert seine Hühnerhaltung seit den 90er Jahren den Hauptertrag seines Hofes: Genauer gesagt der Verkauf von Hühnerfleisch und Eiern.

Das Schicksal der älter gewordenen Hühner zu ändern, fiel Kühlwetter schwer. Schließlich unterliegt er im harten Wettbewerb, dem sich Landwirte stellen müssen, wirtschaftlichen Zwängen: „Ich habe kaum Spielraum, meine Tierhaltung zu ändern und auf eine bestimmte Zahl von Eiern zu verzichten.“ Doch inspiriert durch seine Frau Alexandra, die sich im Wachtberger Tierschutzverein engagiert, will Landwirt Kühlwetter nun umsteuern: Die älteren Hühner sollen nicht mehr geschlachtet werden. Vielmehr ist der Plan, sie für fünf Euro das Tier in gute Hände und in ein neues Leben zu vermitteln. „Mit Vorteilen für alle Beteiligten“, wie Alexandra und Wilfried Kühlwetter unterstreichen.

Die betriebswirtschaftliche Ausgangslage ist für Landwirt Kühlwetter eindeutig. Rund 350 junge Hybridhühner, die unter einem Jahr alt sind, zählt er derzeit in seinem Betreib. Jedes von ihnen legt im Jahr rund 300 Eier. Wird ein Tier ein Jahr und älter, lässt die Legeleistung sofort spürbar nach, um fast ein Drittel. Mit etwa 210 Eiern pro Jahr kann er dann noch rechnen, erklärt Wilfried Kühlwetter. Daher musste zuletzt auch Kühlwetter wieder handeln: Er sortierte 150 ältere Hühner aus der Produktion aus, weil auch bei ihnen wieder die Legeleistung nachließ. Normalerweise wären die Hennen geschlachtet worden. Durch eine Umstellung der Nahrung und der Lichtverhältnisse im Stall könne ihre Legeleistung nochmals ein wenig stabilisiert werden.

Doch dieses Mal haben die Kühlwetters mit ihren alten Hennen anderes vor. Sie wollen ihnen ein neues Zuhause vermitteln, erklärt Alexandra Kühlwetter. Eine Reportage im Fernsehen hatte sie auf die Idee dazu gebracht. Und Alexandra Kühlwetter glaubt, dass die Vermittlungschancen gar nicht schlecht stehen. Denn: „Hühner sind sehr gesellige und intelligente Tiere, die auch schnell zahm werden“, sagt die Tierschutzexpertin. Hinzu kommt: Sein Federvieh sei eine Art Allesfresser, ergänzt Wilfried Kühlwetter. Es vertilgt Nahrungsreste ebenso wie Salat und Obst, gerne auch mal einen Regenwurm oder andere Insekten im Garten.

Zudem seien sie beim Platzbedarf genügsam, können sich mit einem kleinen Garten als Auslauf bescheiden. Einzige Voraussetzung: „Die Hühner brauchen einen festen, abschließbaren Stall als Schutz etwa gegen den Fuchs“, betont Landwirt Kühlwetter. Was Ehefrau Alexandra noch wichtig ist: „Idealerweise würden wir immer mindestens zwei Hühner zusammen abgeben, da Hühner sehr soziale Tiere und immer gerne mit anderen Artgenossen zusammen sind.“ Der Wachtberger Tierschutzverein würde die Vermittlung der Hühner auch begleiten. Bislang sei die Resonanz erfreulich: Für rund 30 Hennen haben die Kühlwetters bereits ein neues Zuhause gefunden. Wer Interesse hat, Hennen bei sich aufzunehmen, kann sich unter ☎ 01 77/ 2 11 57 74 melden.