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Wachtberg-Forum des Fraunhofer Instituts: In Wachtberg wird an der Vielseitigkeit der Radartechnik geforscht

Wachtberg-Forum des Fraunhofer Instituts : In Wachtberg wird an der Vielseitigkeit der Radartechnik geforscht

Das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR in Wachtberg präsentierte beim „Wachtberg-Forum“ in Villip zum zehnten Mal verschiedene hauseigene Entwicklungen. Die Gäste kamen aus der Industrie, Wissenschaft und Forschung und auch aus der Verteidigung.

Christopher Schwäbig legt das kleine schwarze Kunststoffgehäuse vorsichtig auf eine Plattform, die nach einem Knopfdruck langsam in ein quadratisches Gerät hereinfährt. Das Plastikteil habe man mit institutseigenen 3D-Druckern geschaffen. In seinem Inneren wurden Kabelkanäle versteckt, die Sammi 3.0 entdecken soll. Hinter Sammi 3.0 versteckt sich ein rotierender Millimeterwellen-Radarscanner zur 3D-Bildgebung, der unsichtbares sichtbar macht. Er ist eine Entwicklung des Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR in Wachtberg.

200 Gäste kamen nach Wachtberg-Villip

Am Donnerstag hatte das Institut mehr als 200 Gäste nach Wachtberg-Villip eingeladen, um beim „Wachtberg-Forum“ neue Entwicklungen zu präsentieren und sich über die Techniken auszutauschen. Auch virtuell konnten die Gäste teilnehmen, ein reichhaltiges Vortragsprogramm rundete das Angebot ab. Zu den Gästen gehörten Kunden und Partner, darunter auch Vertreter aus der Industrie, der Verteidigungskräfte, der Wissenschaft und der Forschung – all jene also, die von Radarsystem abhängig sind oder profitieren.

Zwei Jahre lang konnte die Veranstaltung, die eigentlich auf dem Berkumer Gelände des Fraunhofer Instituts in direkter Nachbarschaft des Radoms stattfindet, nicht über die Bühne gehen. In Villip habe man die Leistungsschau nun platziert, weil man erst vor Kurzem das neue Gebäude im Gewerbegebiet bezogen habe, außerdem befindet sich dort auch eine neue Halle, die 3D-Drucker beherbergt und viel Platz für Experimente bietet, so Jennifer Hees von der Presseabteilung des FHR.

Sammi 3.0 kann in der Lebensmittel-Industrie eingesetzt werden

Eine diese Entwicklungen ist Sammi 3.0, an der auch Christopher Schwäbig mitgearbeitet hat und sie dem Fachpublikum erklärt. Das Besondere an dem Gerät sei, so der 31-Jährige, dass es keine sogenannte ionisierende Strahlung produziert, Strahlenschutzmaßnahmen sind also nicht nötig. Der Radarscanner kann elektrisch nicht leitende Materialien durchdringen. Wie zum Beispiel das eingangs erwähnte Plastikteil, das ein Kabel im Inneren hat. Die Technik kann man als Briefscanner in Poststellen, für die zerstörungsfreie Prüfung in Industrieprozessen oder auch für die Materialanalyse verwenden. Wie bei den Scannern am Flughafen auch, besitzt das Gerät einen Touchscreen und die Funktion, in Echtzeit ein Bild des gescannten Teils darzustellen. Besonders nützlich könnte die Entwicklung in der Lebensmittelindustrie werden. „Zum Beispiel könnte man damit Schokolade auf Fremdkörper untersuchen“, so Schwäbig. Allerdings, so schränkt er ein, sei das Gerät dafür aktuell noch zu langsam. In der Lebensmittelbranche dürfte die Untersuchung nur Sekunden dauern, der Scan des schwarzen Plastikteils hat ungefähr eine Minute gedauert. „Außerdem müsste das Gerät dann auch ein Laufband haben – aber das kann man alles nachrüsten“, so Schwäbig. Körperteile könne man mit dem hochmodernen Gerät allerdings nicht scannen. Dafür habe der Körper einen zu hohen Wasseranteil – Flüssigkeiten kann das Radar nicht durchdringen.

System „sieht“ Personen hinter Wänden und Türen

Schwäbigs Kollege Patrick Wallrath stellt beim „Wachtberg-Forum“ einen unscheinbaren, weißen Kasten vor, der auf einem Stativ montiert ist. Was sehr unscheinbar wirkt, kann aber Personen durch Wände hindurch anhand von Bewegungsmustern erkennen. Die Bewegung wird durch den Vergleich von Sende- und Empfangssignal bestimmt. Eine Technik, die vor allem für Polizei und Rettungsdienste sehr interessant sein könnte.

Zur Demonstration steht das Gerät vor einer Türe, sobald sich hinter dieser Menschen bewegen, erkennt das Gerät diese und zeigt sie in einem Diagramm auf einem Monitor an – und das sehr genau. Dabei reiche schon das Atmen, denn dadurch bewege sich der Brustkorb, so Wallrath. Noch befindet sich das System in der Entwicklung, ein nächster Schritt wäre es, dass man es auch unter Hubschraubern montieren kann. Das ist aber noch nicht möglich, da das Radar derzeit noch einen festen Untergrund benötigt und weiterhin stabil laufen müsse.