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Landwirtschaft in Wachtberg: Johannes Adenäuer berichtet über Handwerk und Brauchtum

Landwirtschaft in Wachtberg : Johannes Adenäuer berichtet über Handwerk und Brauchtum

Die Wachtberger Dörfer waren über Jahrhunderte überwiegend durch die Arbeit in der Landwirtschaft und den zahlreichen hiermit verbundenen Handwerksbetrieben geprägt. Johannes Adenäuer, Oberbachemer Urgestein berichtete im Oberbachemer Dorfsaal über die Landwirtschaft in den 50ern.

Die Wachtberger Dörfer waren über Jahrhunderte überwiegend durch die Arbeit in der Landwirtschaft und den zahlreichen hiermit verbundenen Handwerksbetrieben geprägt. Viele Einwohner im Drachenfelser Ländchen lebten von der Holzwirtschaft im Kottenforst sowie von der Landwirtschaft.

Johannes Adenäuer, Oberbachemer Urgestein und langjähriges Mitglied im örtlichen Verein für Brauchtumspflege und Ortsverschönerung, hatte bereits vor drei Jahren bei einem Diavortrag aus dem Dorfleben berichtet. Jetzt begeisterte Adenäuer im Oberbachemer Dorfsaal die Besucher bei seiner Neuauflage mit dem Schwerpunktthema "Landwirtschaft" erneut. Hierbei wurde die gesamte Geschichte der landwirtschaftlichen Arbeitsgeräte, an die sich Johannes Adenäuer erinnerte, lebhaft dargestellt.

Die Erinnerungen aus seiner Kindheit auf dem väterlichen Hof zielten unter anderem auch auf die körperlich schwere Arbeit der Landwirte ab. Sämaschinen und Düngerstreuer, alte Pressen und Ladewagen, Häcksler und Wender, Mähwerke, Heurechen und Strohbinder, Mähdrescher, Leiterwagen und viele weitere technische Hilfsmittel vergangener Zeiten waren auf den mehr als 100 gezeigten Fotos zu sehen.

Der 78-Jährige erzählte zudem viele Geschichten aus seinem Leben auf dem Hof in Oberbachem. Natürlich wurde auch so manche Anekdote zum Besten gegeben und Besucher des Vortragsabends ergänzten mit eigenen Erinnerungen das Zusammenleben der Menschen in den vergangenen Jahrzehnten in Oberbachem. "Wenn unsere Scheune zu klein für die Lagerung von Stroh, Heu und Getreide war, haben wir als haufenförmige Lagerungsform Schober errichtet", sagte Adenäuer. Ein Lehrer aus dem nahen Mehlem half in seiner Freizeit in den 50er Jahren auf dem elterlichen Hof bei der Ernte für Stroh, Heu und Getreide. Fotos von Traktoren zeigten unter anderem einen landwirtschaftlichen Kleinschlepper des Produzenten Porsche, der die Landwirtschaft motorisierte. Der Schlepper war robust und gleichzeitig einfach in der Bedienung.

Probleme bereiteten die nassen Sommer beispielsweise in den Jahren 1954 und 1960, in denen in der Erntephase nasses Getreide eingefahren wurde und dies dann umständlich getrocknet werden musste. Auf einem Foto schien man die heute übliche Ladungssicherheit nicht ganz Ernst genommen zu haben. Der Leiterwagen mit Gestellen vorne und hinten war über bestimmt vier bis fünf Meter hoch mit Stroh beladen und obenauf saßen noch Erntehelfer.

Zentnerschwer waren auch die Getreidesäcke, sagte Adenäuer, der damals auch mit beim Beladen half, wenn das Ernteergebnis zum Raiffeisen-Lager gebracht wurde. "Noch ist mein Rücken okay", scherzte er. Er wusste auch einiges zum Brauchtum zu berichten. Bei der Ortskirmes nach der Ernte wurde bei Hüllens gefeiert. "Die Kirmes begann erst nach dem langen Hochamt in der Kirche und wir haben als Messdiener Dank Weihrauch die Sache gut 'angefeuert'." Dann gab es unter anderem Tanzeinlagen beim Bürgermeister und beim Festzug wurde das gekürte Hahnenkönigspaar gefeiert.

Dass dabei so manche Schnapsflasche geleert wurde, wissen alteingesessene Anwohner noch heute. Für Adenäuer und einen Freund endete damals der Trinkgenuss zum Rauschausschlafen im Bett von Oma Hüllen. "Und ich war schließlich acht Tage krank", resümierte Adenäuer, so dass er Zachaies-Verurteilung und das Hahnenköppen verpasste. Bei Letzterem musste ein toter Hahn geköpft werden. Dies sei heute undenkbar, machte der Referent Unterschiede zu heute klar.