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Junggesellen in Bad Godesberg leiden unter Pandemie

Brauchtum in Wachtberg : „Die geschmückten Maibäume fehlen“

Gäbe es keinen Lockdown und keine Corona-Pandemie, würde für die Junggesellen in Fritzdorf bald die Hochphase des Maibrauchtums beginnen. Das Vereinsleben ruht seit fast einem Jahr. Was das für die Dorfgemeinschaft bedeutet.

Herr Schimmel, Herr Anders, eigentlich stünden jetzt Ihre Mailehenversteigerung, das Aufstellen des Maibaums und die Krönung des Maikönigspaares an. Was ist das für ein Gefühl, auf all dieses liebgewordene Stück Brauchtum verzichten zu müssen?

Lukas Schimmel: Da wird einem als Junggeselle mit Leib und Seele schwer ums Herz. Aber nicht nur uns als Verein fehlt das Brauchtum, sondern auch der ganzen Dorfgemeinschaft.

Lukas Anders: In der Tat fehlen die geschmückten Maibäume am Dorfplatz und bei den Mailehen vielen Fritzdorfern. Dennoch, lassen Sie mich das betonen, steht auch für uns die Gesundheit an erster Stelle. Umso mehr freuen wir uns wieder darauf, unser Brauchtum aufleben zu lassen, wenn es gelungen ist, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Erst in Zeiten wie diesen merkt man, wie wichtig das Brauchtum und die Tradition für unser Dorf sind.

Wie eingeschränkt war das Junggesellendasein bereits im vergangenen Jahr mit Ausbruch der Pandemie und im Zuge des ersten Lockdowns?

Schimmel: Letztes Jahr haben wir die Mailehenversteigerung vorsorglich abgesagt und somit auch kein Maikönigspaar ernannt. Unser letztes Maikönigspaar waren daher 2019 unser Kassierer Lukas Anders und Carola Welsch.

Wie hat der Verein den Rest des vergangenen Jahres erlebt und wie viel Vereinsleben in Sachen „JGV" geht überhaupt noch in diesen Zeiten?

Anders: Selbstverständlich fehlt uns allen das Vereinsleben, seien es der gemütliche Grillabend am Vereinsheim, oder die Festbesuche bei Brudervereinen oder auch eigene Veranstaltungen zu organisieren und mit der Dorfgemeinschaft zu feiern. Dennoch halten wir im Verein zusammen und hoffen darauf, das Vereinsleben bald wieder aufnehmen zu können.

Ist es derzeit schwer, die Mitglieder zu motivieren und diese bei der Stange zu halten?

Schimmel: Obwohl momentan die Kontakte stark begrenzt sind, denken wir nicht, dass deswegen Mitglieder den Bezug zum Verein und der Gemeinschaft verlieren. Durch die sozialen Medien bleiben wir dennoch in Kontakt und teilen beispielsweise Erinnerungen der vergangenen Jahre.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat die Corona-Krise für den JGV?

Anders: Der Verein finanziert sich über die eigens veranstalteten Feste, die über das Jahr verteilt stattfinden. Letztes Jahr konnten wir lediglich den Kennenlernabend mit den neuen Mailehen und neuen Junggesellen durchführen. Alle anderen Feste mussten leider abgesagt werden. Dadurch konnten wir weniger als ein Fünftel des Umsatzes des vorherigen Jahres verbuchen. Laufende Kosten, wie beispielsweise Unterhaltungskosten für Vereinsheim, Vereinslager, müssen wir weiterhin bezahlen. Anders in den Vorjahren schließen wir das vergangene Jahr mit einem großen Minus ab.

Überlebt das der Verein?

Anders: Auf jeden Fall. Aber Gott sei Dank hatten wir Rücklagen gebildet.

Lässt sich das Mai-Brauchtum in diesem Jahr in irgendeiner Form ins „digitale" verlegen, etwa eine Mailehnenversteigerung per Zoomkonferenz?

Schimmel: Die Mailehenversteigerung legt die Grundlage für viele weitere Veranstaltungen im weiteren Jahresverlauf, beispielsweise das Stellen der Mailehenbäume, das Fest bei der Maikönigin oder auch der Maiball zu Ehren des Maipaares. Da diese Feste vermutlich nicht stattfinden können, hätte die Versteigerung nicht den Reiz und den Wert wie in den vergangenen Jahren. Vergangenen Samstag, dem eigentlichen Termin der Mailehenversteigerung, konnten sich unsere Junggesellen über ein kleines Care-Paket freuen.