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Endlich wieder Vorlesezeit: Keine Angst vorm Wolf im Nachthemd

Endlich wieder Vorlesezeit : Keine Angst vorm Wolf im Nachthemd

Mit 13 Jahren kann die Gymnasiastin Marieluise Abraham selbstverständlich sehr gut lesen, ebenso gut kann sie auch vorlesen. Mit einer Geschichte vom Wolf im Nachthemd kehrt sie in ihre ehemalige Kita Drachenhöhle zurück und zieht die Kleinen in ihren Bann. Die Vorleseaktion wird vom Heimatverein organsiert.

Mucksmäuschenstill war es auf dem Teppich in der Bücherecke der Flitzigruppe in der Kita Drachenhöhle. Gebannt lauschten die Kinder der Stimme der 13-jährigen Marieluise Abraham. Vom Heimatverein für die Aktion gewonnen, hatte die Schülerin ein Kinderbuch für den Nachwuchs mitgebracht und las den Kleinen die Geschichte vom Wolf im Nachthemd vor. Nicht nur die Jüngsten fanden die Aktion klasse.

„Jetzt, wo man wieder zusammenkommen kann, wollen wir auch wieder mehr für die Kinder machen“, erklärte die stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins Niederbachem Daniela Wiedeck. In der Woche zuvor hatten die Initiatoren die rollende Waldschule der Jägerschaft Bonn in die OGS der benachbarten Drachenfelsschule eingeladen. Auch für andere Gruppen planen sie Vorlese-Stunden und weitere Aktionen, unter anderem soll Ilse Fuß in der Kita Glühwürmchen vorlesen. Der Kontakt zu Marieluise war „auf dem kleinen Dienstweg“ entstanden. Man fragte unter Nachbarn und Bekannten nach und jemand schlug die Schülerin vor. Marieluise ist eine echte Leseratte, jede Woche kauft sie sich in der Bad Godesberger Parkbuchhandlung ein neues Buch. Dort hat sie sich auch beraten lassen, welches Buch für die Vorlese-Aktion  am besten geeignet sei. Parkbuchhandlung-Chefin Barbara Ter-Nedden schenkte ihr daraufhin das Buch, das Marieluise auch den Kindern vorgelesen hat.

„Ich habe schon einmal beim Vorlesewettbewerb mitgemacht“, berichtete die Achtklässlerin von ihren ersten Erfahrungen als Vorlesende vor Publikum. Am Clara-Fey-Gymnasium hatte sie die Schulrunde erfolgreich durchlaufen und die Vorleserunde der Stadt Bonn erreicht. Im Wettbewerb hatte sie entsprechend den Regeln eines der Vorlesebücher aussuchen dürfen, der zweite Text war ihr unbekannt. „Das war aber etwas ganz anderes“, fand sie. Denn in der Kita Drachenhöhle erwartete sie ein sehr neugieriges, erheblich jüngeres und sehr spontanes Pu­blikum. Und eine zwar nicht unbekannte, aber trotzdem ungewohnte Atmosphäre.

Erwartungsvolle Stille in der Drachenhöhle

Sie selbst und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder hatten die Drachenhöhle als Kindergartenkinder besucht. Seit Jahren hatte die Gymnasiastin die Räume nicht mehr gesehen und musste sich erst einmal orientieren. Dazu blieb ihr allerdings nicht allzu viel Zeit, denn ein Dutzend Augenpaare sah sie aus der gemütlichen Bücherecke heraus erwartungsvoll an. Marieluise setzte sich zu den Kindern und ließ den Nachwuchs innerhalb weniger Minuten mit einer ruhigen und wohldosierten Vorlesestimme in die Geschichte eintauchen. „Schön“, fanden die Kleinen anschließend ihre besondere Zeit zum Vorlesen.

„Es hat mir Spaß gemacht“, sagte Marieluise. Sie kann sich vorstellen, eine solche Aktion zu wiederholen. Ihre alte Kita genauer anschauen konnte sie schließlich doch noch, nachdem der Geschichtenhunger der Jüngsten gestillt war.