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Flüchtlingsunterkunft Wiesenau: Konflikte in Wachtberger Flüchtlingsunterkunft

Flüchtlingsunterkunft Wiesenau : Konflikte in Wachtberger Flüchtlingsunterkunft

Drei junge Syrer, die seit acht beziehungsweise neun Monaten in Deutschland leben, sind am Wochenende in der Flüchtlingsunterkunft Wiesenau in den Streik getreten.

Damit wollten sie offenbar gegen die schleppenden Asylverfahren protestieren. Das bestätigten Bürgermeister Renate Offergeld und Kurt Zimmermann, Leiter des Ökumenischen Arbeitskreises, am Dienstag.

Laut Offergeld sollte das Trio wegen „Störung des Hausfriedens“ in eine andere Flüchtlingsunterkunft verlegt werden. „Dagegen wehrten sich zwei Syrer“, ergänzte Zimmermann. Aus Protest kampierte einer der Männer während eines Festes in der Wiesenau, das die Betreiber des Samstagstreffs organisiert hatten, außerhalb der Einrichtung an der L 158. Inzwischen hat sich die Situation beruhigt: Wie Offergeld sagte, sind seit Montag zwei Syrer bereit, nach Fritzdorf umzuziehen. Der dritte liege zurzeit in einem Krankenhaus. Mit ihm wolle die Gemeinde noch reden.

Begonnen habe das Aufbegehren der zwischen 22 und 30 Jahre alten Syrer mit dem Ramadan im Juni, erklärt Zimmermann. Hintergrund war: „Ein Teil der Bewohner wollte den Ramadan begehen und erst nach 21 Uhr essen“, so Zimmermann. „Aber ein kleinerer Teil wollte das eben nicht, sondern zu den üblichen Zeiten die Speisen einnehmen.“ Zu der kleinen Gruppe hätten auch die drei Syrer gehört. Es kam zu religiösen Konflikten innerhalb der Bewohnerschaft.

"Wo ist eigentlich unsere Perspektive?"

Die Wiesenau verfügt nicht über eine eigene Kantine. Das DRK, das für den Betrieb der Unterkunft zuständig ist, lässt das Essen von einem Caterer liefern. Um den Wünschen aller Bewohner Rechnung zu tragen, hatte das DRK das Essen für die eine Gruppe während des Ramadans erst nach 21 Uhr kommen lassen, erklärte Zimmermann. Deshalb gab es Streit unter den Bewohnern. Zudem hätten die drei Syrer die Autorität von Einrichtungsleiterin Tülün Kahlenberg, die die Wiesenau leitet, infrage gestellt. „Das geht gar nicht“, betont Zimmermann. So habe man sich schließlich zur Verlegung des Trios nach Fritzdorf entschlossen.

Die Gründe für das Aufbegehren der Syrer liegt für die Verantwortlichen auf der Hand. Laut Offergeld habe das vor allem mit einer Art „Lagerkoller“ zu tun, der sich angesichts monatelangen Wartens eingestellt habe. „Wo ist eigentlich unsere Perspektive?“, habe sie in mehreren Krisengesprächen zu hören bekommen, die sie mit den drei Syrern geführt habe. Problematisch ist dabei aus ihrer Sicht: „Wir tun zwar mit einer Rundumversorgung und Sprachkursen mehr für die Flüchtlinge, als wir tun müssten. Andererseits ist es schwer, verständlich zu machen, dass wir keine Handhabe haben, um auf das Asylverfahren einzuwirken.“

Verfahren soll beschleunigt werden

Dreh- und Angelpunkt der Misere sind für Hans Bernd Sonntag von der Wachtberger Gemeindeverwaltung die sich hinziehenden Verfahren: „Die meisten der rund 350 Flüchtlinge in Wachtberg sind zwar registriert, aber haben vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) noch keinen Anhörungstermin bekommen.“ Für Zimmermann ist das aus Sicht der Flüchtlinge ein ganz wichtiger Punkt: „Mit der Anhörung sehen die Menschen, dass jetzt eine Entscheidung über ihr Schicksal gefällt wird.“

Nach Aussage von Rita Lorenz, Sprecherin des Rhein-Sieg-Kreises, soll das Verfahren nun beschleunigt werden: „Ab dem 25. Juli sollen die Flüchtlinge in der Region auf persönliche Einladung der Bezirksregierung busweise zum neuen Ankunftszentrum in der Ermekeilkaserne nach Bonn gebracht werden.“ Dort könne „innerhalb von zwei Tagen der Asylantrag gestellt und die Anhörung durchgeführt werden“.