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Windkraft in Wachtberg: Konzentrationsfläche für Anlagen nötig

Windkraft in Wachtberg : Konzentrationsfläche für Anlagen nötig

Dass die Arzdorfer das Thema Windkraft umtreibt, ist verständlich. Schließlich hatte Professor Theo Kötter von der Universität Bonn bereits vor geraumer Zeit in einem Gutachten die einzig möglichen Konzentrationsflächen für Windkraftanlagen unmittelbar vor den Toren des Ortes, in etwa in dem Dreieck zwischen Adendorf, Arzdorf und Fritzdorf, ausgemacht.

Von daher war es Dieter Klocke, Vorsitzender des Bürgervereins, ein Bedürfnis, vor rund einem Jahr zu einer Informationsveranstaltung einzuladen.

Damals wurde schnell klar: Viele Arzdorfer wollten die alternative Energieform nicht vor ihrer Haustür. Trotzdem hat sich der Rat derweil für die kleinstmögliche Konzentrationsfläche entschieden, was den Bürgerverein veranlasste, am Dienstag erneut das Thema auf die Tagesordnung zu setzten. Weshalb sollen hier überhaupt Windkraftanlagen geplant werden? Antworten gaben neben Professor Kötter und Bürgermeister Theo Hüffel auch Heinz-Jürgen Schütz und Sascha Schulz von der Energieagentur NRW.

Warum müssen Windräder per se gebaut werden? "Weil NRW als erstes Bundesland ein Klimaschutzgesetz verabschiedet hatte", erklärte Sascha Schulz. In einem ersten Schritt sollen die Treibhausgase bis 2025 um 25 Prozent gesenkt werden, in einem zweiten Schritt bis 2050 sogar um 80 Prozent.

Erreicht werden soll das Ziel nach Aussage von Schulz durch Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur Effizienzsteigerung, aber auch durch den Ausbau erneuerbarer Energien. Von daher würde der Bau von Windkraftanlagen "als privilegierte Vorhaben im Außenbereich" betrachtet, die nicht so ohne weiteres verhindert werden könnten, führte der Fachmann aus.

Gleichwohl sei die Ausweisung von Konzentrationsflächen "in keiner Weise vorgeschrieben, sondern bleibt den Kommunen überlassen". Das letztendlich nur drei Varianten von Konzentrationsflächen bei Arzdorf übrigblieben, hat aus Sicht von Kötter auch etwas mit jenen Zonen zu tun, die für den Betrieb von Anlagen schlicht tabu sind. Dazu zählt er ökologisch wertvolle Areale.

Auch müssen Mindestabstände zu Siedlungen und zu den beiden Radaranlagen in Berkum beachtet werden. Zudem bedarf es einer gewissen Windhäufigkeit, denn alles andere wäre eine "Negativplanung", die unzulässig sei. Für Kötter kann es keine Zweifel geben, was passiert, wenn die Gemeinde nicht gestaltend eingegriffen hätte: "Bei einer planerischen Enthaltung könnten noch mehr Windräder gebaut werden als überhaupt gewünscht."

Schließlich wäre die Fläche dann größer geworden, weil nur noch ein Mindestabstand von 500 Meter gelten würde. Anders formuliert: Weist die Gemeinde keine Konzentrationsfläche aus, würden statt der kleinstmöglichen Variante, die rund 13 Hektar umfasst, und für die sich der Rat entschieden hat, 80 Hektar zur Verfügung stehen, rechnete der Wissenschaftler vor.

Für ihn ist aber auch klar: Jene kleine Variante von 13 Hektar für eine Konzentrationsfläche, die ganz wesentlich auf dem großen Abstand von tausend Metern zur Bebauung basiert, "muss gut begründet sein". Genau damit ist die Verwaltung jetzt bei der Ausarbeitung des Vorentwurfes für den Flächennutzungsplan beschäftigt, erklärte Bürgermeister Hüffel. Ebenso fehle noch ein Teil der artenschutzrechtlichen Prüfung und der Umweltbericht. "Wir sind noch in einem frühen Stadium."

Beifall bekam ein Zuhörer, der offensichtlich die Stimmung im Saal traf. Den Mann interessierte weniger, "was der Gesetzgeber vorgibt". Stattdessen forderte er mehr Rücksicht auf den Bürgerwillen: "Wir liegen hier in Arzdorf auf dem Präsentierteller und die übrigen Wachtberger verstecken sich unter dem Schutzbereich der Radaranlagen." Von daher hoffte ein anderer Zuhörer, dass nicht alle Eigentümer der benötigten Flächen zum Verkauf bereit sind.