Wörterbuch auf Platt Kruttstoppe ist ein kleiner Mensch

Wachtberg-Werthhoven · Robert Hellwig veröffentlicht sein Pössemer Wörterbuch. Er kommt zu dem Ergebnis: Platt ist nicht gleich Platt.

 Robert Hellwig zeigt seine Bücher Pössemer Wörterbuch und Krätzje on Schelemstöcke.

Robert Hellwig zeigt seine Bücher Pössemer Wörterbuch und Krätzje on Schelemstöcke.

Foto: Petra Reuter

Das Ding, dat Dinge oder dat Dönge, die Finger, de Fingere oder de Föngere sind nur einige noch gut wiedererkennbare Unterschiede zwischen dem Hochdeutschen, dem Kölschen und dem Werthhovener Platt. Die Feinheiten, Unterschiede und Ähnlichkeiten beschrieb der Werthhovener Autor Robert Hellwig bei der Vorstellung seines jüngst erschienen Bands „Pössemer Wörterbuch“.

„Platt ist nicht gleich Platt“

Entstanden war die Idee zu diesem Buch bei abendlichen Gesprächen im Pössemer Treff. Angeregt durch den Besuch und den Vortrag von Georg Cornelissen, Sprachforscher und Spezialist für die Sprachen des Niederrheins, bereicherte Hellwig die Abende mit seinen umfangreichen Kenntnissen des Pössemer Platts. „Das musst du mal aufschreiben“, habe man ihm gesagt, berichtete er. „Weil all diese Dinge nämlich sonst in Vergessenheit geraten.“

„Platt ist nicht gleich Platt“, stellte der geborene Werthhovener im Vorfeld der Buchvorstellung klar. Im Dorf gebe es sprachliche Veränderungen auch innerhalb der Generationen. So kenne heute kaum noch einer der Jüngeren im Ort, die mit Platt aufgewachsen sind, den für Hellwigs Eltern noch ganz selbstverständlichen Hoheitsplural. „Den hat man damals anstatt des Siezens genutzt“, erklärte er. Entgegen der heutigen Benutzung des förmlichen „Sie“ verwendete man seinerzeit den Hoheitsplural nicht nur gegenüber Fremden, weniger nahen Bekannten oder um seinen Respekt auszudrücken, sondern auch innerhalb der Familie. „Für die Generation meines Vaters war es völlig normal, dass man seinen Vater im Hoheitsplural ansprach“, erzählte Hellwig. „Das entspräche heute dem Siezen.“

Mundartliche Eigenheiten verschwanden aber nicht völlig aus dem Alltag. „Es wird aber anders gesprochen“, sagte Hellwig. So habe seine Großmutter das Platt noch anders gesprochen als die Eltern. „Das ist eine ständige Entwicklung. Auch deshalb wollte ich das Buch schreiben“, sagte der Werthhovener. Dabei ging es ihm nicht darum, die Zeit zurückzudrehen. Eher als Bestandsaufnahmen und Nachschlagewerk für eine Sprache, die seit einigen Jahren zusehends weniger benutzt wird, sei das Werk gedacht.

Rätseln über die Herkunft der Worte

Um auch Menschen ohne mundartliche Wurzeln die Möglichkeit zu geben, die Worte zu erschließen, beschreibt der Autor im Vorwort die Schreibung ebenso wie einige der wichtigsten Ausspracheregeln. So werden die Buchstaben e und i in der Kombination „ei“ in der Regel einzeln und nicht wie das Frühstücks-Ei gesprochen.

Blättern Einheimische durch das Buch, werden sie sich an viele Ausdrücke erinnert fühlen, die sie vielleicht lange nicht gehört haben. Wer die Seiten als Nicht-Werthhovener oder gar in völliger Unkenntnis des rheinischen Platts aufschlägt, wird als Freund von Sprache und ihren Eigenheiten sicher seinen Spaß dabei haben, die Wurzeln einiger Ausdrücke zu ergründen. So darf beispielsweise gerätselt werden, was genau das Kruttkömpsche (Marmeladenschüssel) mit dem Kruttstoppe (sehr kleiner Mensch) zu tun hat. Zusätzlich zur Auflistung der Wörter Platt-Hochdeutsch/Hochdeutsch-Platt finden die Leser auf den 228 Seiten einige Redewendungen und ihre Übersetzungen. Bei der Auflistung der alten Flurbezeichnungen unterstützte der Werthhovener Georg Weber.

Bestellbar ist das Pössemer Wörterbuch von Robert Hellwig zum Preis von acht Euro als Direktbestellung per E-Mail unter rhw1949@gmx.de oder telefonisch unter 0160/791 36 45. Auf dem gleichen Weg ist für fünf Euro nach wie vor Hellwigs erstes Buch mit dem Titel Pössemer Krätzje on Schelemstöcke erhältlich. Beide Bücher als Bundle gibt der Autor für zwölf Euro ab.

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