Zeichen der Hoffnung, aber auch Mahnung Wachtbergs Landwirte verzichten auch diesmal auf Beteiligung an Lichterfahrt

Wachtberg · Den einen fehlt es an Unterstützung der Behörden, den anderen an Wertschätzung der Bürger. Die Wachtberger Landwirte verzichten auf Teilnahme an der Lichterfahrt, die einerseits Hoffnung ins Land bringen, andererseits auch auf die Probleme der Landwirte aufmerksam machen soll. Letztere sind längst nicht gelöst.

 Michael Hüllen hat seinen Betrieb in Werthhoven festlich geschmückt, ein bisschen auch als Ersatz für die Absage seiner Teilnahme an einer diesjährigen Lichterfahrt.

Michael Hüllen hat seinen Betrieb in Werthhoven festlich geschmückt, ein bisschen auch als Ersatz für die Absage seiner Teilnahme an einer diesjährigen Lichterfahrt.

Foto: Alfred Schmelzeisen

Zwei Jahre ist es her, dass imposant mit unzähligen Lichterketten geschmückte landwirtschaftliche Fahrzeuge einen kilometerlangen Konvoi zwischen Sinzig und Dernau an der Ahr bildeten, um den Menschen nach der Ahrtal-Flut Hoffnung zu geben. Damals waren auch viele Landwirte aus Wachtberg dabei, die ihr Herz nicht nur dem Ahrtal beim Aufräumen nach der Flutwelle geschenkt hatten, sondern auch die rekordverdächtige Konvoi-Ausfahrt mit geschmückten und festlich beleuchteten Traktoren mit ihrer Teilnahme zum großen Erfolg werden ließen.

Zuvor hatte man, wie der Wachtberger Ortslandwirt Michael Hüllen erzählt, schon bei den eindrucksvollen Ausfahrten in der Vorweihnachtszeit in Wachtberg am Limbachstift-Altenheim angehalten, um die Senioren zu begeistern, an anderer Stelle blickten die Traktorfahrer in leuchtende Kinderaugen. Der weitere Fahrtweg führte seinerzeit auch zwei Mal zur Bonner Universitätsklinik und zum Marienhospital, um dort die kleinen und großen Patienten zu überraschen.

2019 war die Aktion infolge einer Großdemo in Berlin entstanden, mit der Landwirte auch in der Region auf ihre Probleme aufmerksam machen wollten. Als Demonstration angemeldet, lautete das Motto 2020 in der Corona-Zeit „Ein Funken Hoffnung“, 2021 dann „Ein Funken Hoffnung – ohne Bauern geht es nicht“, 2022 „Ein Funken Hoffnung – es ist fünf vor zwölf“.

Bereits im vergangenen Jahr verzichteten die rund 40 landwirtschaftlichen Betriebe aus Wachtberg auf eine eigene organisierte Lichterfahrt, und auch in diesem Jahr beim Motto „Ein Funken Hoffnung – auch wir brauchen Hoffnung“ wird kein Wachtberger Traktor mit Weihnachtsbeleuchtung über öffentliche Straßen fahren, sagt Ortslandwirt Hüllen.

Der Grund für die Nichtteilnahme sind vor allem die bürokratischen Hürden – Behörden wollten die Lichterfahrt nicht mehr als Demonstration genehmigen, begründet Michael Hüllen und ergänzt, dass für die Aktion auch viel Aufwand und Herzblut erforderlich sei.

Um die offiziellen Genehmigungen zur Fahrt mit nicht der Straßenverkehrsordnung entsprechenden Zusatzbeleuchtungen zu erhalten, muss die Ausfahrt einem landwirtschaftlichen Zweck dienen. Der Anmelder trägt zudem versicherungsrechtlich die Gesamtverantwortung, wenn etwas passiert.

Landwirten fehlt es an Wertschätzung

Anderen Landwirten fehlt es an Wertschätzung der Bürger, weshalb sie nicht mehr teilnehmen wollen. „Drei Mal haben die Landwirte in ganz Deutschland einen Funken gebracht, aber bei vielen Menschen ist der Funke nicht übergesprungen. Das Kaufverhalten spiegelt dies deutlich wieder – anstatt Regionalität zählt aktuell wieder der Preis", betont Hüllen.

In Lohmar und Umgebung ist der dortige Landwirt Klaus Weber am kommenden Samstag, 2. Dezember, im Großeinsatz, um die Neuauflage einer der wenigen überhaupt noch in Nordrrhein-Westfalen stattfindenden Lichterfahrten mit Traktoren zu realisieren. Und Landwirt Hüllen in Wachtberg-Werthhoven sorgt aktuell bis Anfang Januar 2024 an der Straße Fuchskaule mit einem imposanten Lichtkunstwerk auf seine Art für Aufsehen. „Da bleiben täglich Jung und Alt stehen, sind begeistert von der Krippendarstellung und einem bestens beleuchteten alten Traktor, Weihnachtsbäumen und weiterem Schmuckwerk“. Hüllen setzt damit ein Zeichen für etwas Weihnachtsstimmung im Ort.

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