Obstbauern stellen Konzepte in schwierigen Zeiten vor Mehr Folie und weniger Gift beim Anbau im Ländchen

Wachtberg-Kürrighoven · Obstbauern aus Wachtberg stellen ihre Arbeitsweisen in Zeiten von Hitze und Trockenheit vor. Die Verantwortlichen des Familienbetriebs Obsthof Schneider erklären, wie sich der konventionelle Betrieb vielfach natürlicher Mittel bedient und zugleich mit gezielter Wasserwirtschaft dem Klimawandel begegnet.

 Das Ehepaar Quast erläutert im Himbeertunnel auf einem Feld in Kürrighoven die Arbeitsweise des Familienbetriebs.

Das Ehepaar Quast erläutert im Himbeertunnel auf einem Feld in Kürrighoven die Arbeitsweise des Familienbetriebs.

Foto: Petra Reuter

Wie begegnen Obstbauern in Wachtberg den Herausforderungen in Zeiten von Klimawandel und Wasserknappheit: Vor diesem Hintergrund und auf Anregung der regionalen Vertretung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat Familie Schneider vom Obsthof Schneider eine Plantagenführung für alle Interessierten und die Mitglieder der neuen örtlichen BUND-Gruppe ermöglicht. Auf den Feldern zeigten Katharina und Johannes Quast, wie sich der konventionelle Betrieb vielfach natürlicher Mittel bedient und zugleich mit gezielter Wasserwirtschaft dem Klimawandel begegnet.

Mit knapp 20 Besuchern waren Katharina Quast, Tochter von Stefan Schneider, und ihr Mann in den Feldern unterwegs. Trotz des Anstoßes der Bürger am Anblick der milchig-transparenten Tunnel wird diese Form der Landwirtschaft unter anderem wegen des Klimawandels kaum vermeidbar sein, sagte Johannes Quast. Zum einen schütze das Dach die Kulturen vor zu viel Dauerregen. Andererseits verhindert die Schutzschicht zu starke Verdunstung und damit die Austrocknung der Böden in langen Trockenphasen. Kombiniert mit gezielter Tröpfchenbewässerung inklusive täglicher Bodenfeuchtigkeitsmessungen bietet das ungeliebte Plastik auf dem Feld die Basis für einen sehr sparsamen Umgang mit dem kostbaren Gut Wasser. Gegen ungünstigen Starkregenwasserablauf bewährten sich in der jüngeren Vergangenheit Grasstreifen zwischen den Tunneln und bei Neuanlagen eine quer zum Hang liegende Aufbaustruktur.

Wesentlich weniger Schädlingsbekämpfung

„Außerdem müssen wir in den Tunneln wesentlich weniger Schädlingsbekämpfung einsetzen“, informierte Obstbauer Quast. Hier könne man sehr gezielt Nützlinge beispielsweise gegen Läuse oder Thripse einsetzen. Zudem verrichteten auf freier Fläche viele Schädlinge deshalb ihr zerstörerisches Werk im großen Stil, weil früher heimische und stabile Pflanzen durch veränderte klimatische Einflüsse wie Dauerregen oder Dürre geschwächt werden. Dieses Problem trete im Tunnel dank der Regulationsmöglichkeiten kaum auf. Käme ohne schützendes Dach gar noch einer der in den vergangenen Jahren vermehrt auftretenden Hagelschauer dazu, würden ganze Ernten zu 90 Prozent zerstört, ergänzte Johannes Quast. Dennoch ist bei Schneiders nicht alles unter schützender Hülle angebaut.

„Wir probieren auch neue Sorten aus, andere Züchtungen mit neuen Eigenschaften“, so Johannes Quast. Zu den bewährten zwei Stachelbeersorten solle im nächsten Jahr eine neue weniger mehltauanfällige Variante gepflanzt werden. Neben diesem und dem aktuell unter freiem Himmel praktizierten Stachelbeeranbau probiert die Familie zurzeit auch eine neue Erdbeersorte ohne Tunnel aus. Bei diesem Experiment müsse man allerdings auch auf einen Totalausfall gefasst sein, so Johannes Quast. Eine andere Anbauvariante für Erdbeeren ist laut Katharina Quast die Pflanzung auf Stellagen. Dort sei der Wasserverbrauch sehr gering und die Arbeitshöhe für die Pflückerinnen deutlich günstiger.

Das Paar nutzte die Führung auch, um mit einigen Vorurteilen aufzuräumen: Das Substrat für einige Beerensorten etwa enthalte nicht wie vielfach behauptet Styroporkügelchen. „Es sind kleine Steine, die Staunässe auf den schweren Böden in Grenzen halten“, so Johannes Quast.

Besucherin Christa Riecken aus Berkum war positiv überrascht von den Einblicken in die Arbeit: „Man geht hier immer spazieren und wusste bisher gar nicht so viel über das, was hier gemacht wird“. Die Gelegenheit zum Einblick in den Obstbau im Ländchen nutzte neben Mitglieder der BUND-Ortsgruppe auch der NRW-Agrarreferent des BUND,Ralf Bilke.

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