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Wachtberger Jugendorchester: Musizieren aus Leidenschaft

Wachtberger Jugendorchester : Musizieren aus Leidenschaft

Seit 30 Jahren gibt es das Wachtberger Jugendorchester: Die beiden Jugendliche Berit Ameskamp und Nicholas Bailey beschreiben den Charme des Ensembles.

Berit Ameskamp und Nicholas Bailey sind zwei 16-Jährige aus Wachtberg, die neben Schule, Familie, Freunden und Freizeitgestaltung noch viel Zeit für eine große Leidenschaft aufbringen: Das Musizieren. Ameskamp spielt seit acht Jahren Querflöte und Bailey seit zwölf Jahren Geige. Und das recht ambitioniert. Daher üben die beiden nicht nur täglich zu Hause auf ihrem Instrument, sondern stellen sich zusätzlich einmal in der Woche einer besonderen Förderung: Jeden Dienstagabend geht es zu den Proben des Jugendorchesters Wachtberg. Dort sind die beiden bereits seit geraumer Zeit mit Feuer und Flamme Mitglied. Was das Jugendorchester, das sein 30-jähriges Bestehen feiert, für die Nachwuchsmusiker so besonders macht, war jüngst anlässlich der Orchesterproben zu erleben.

1985 startete der Troisdorfer Musiklehrer Hans Werner Meurer mit einem Spielkreis

Wer eine Probe des Jugendorchesters besucht, stolpert förmlich über die Musiker. Denn turnusmäßig übt Hans Werner Meurer mit den Bläsern im Forum des Berkumer Schulzentrums nahe des Haupteingangs. Meurer ist Musiklehrer und seit Anbeginn musikalischer Leiter des Ensembles. Es hat auch sicherlich viel mit seinem Wirken zu tun, dass sich das Orchester aus kleinen Anfängen zu einer musikalischen Größe in Wachtberg entwickelt hat.

1985 startete der musikbegeisterte Troisdorfer mit einem Spielkreis in Wachtberg, in dem rund ein Dutzend junger Aktiver mitspielten. Wachtberg war auf ihn aufmerksam geworden, weil sich Meurer von 1984 bis 1992 in der Bonner Bachgemeinschaft als Assistent des künstlerischen Leiters um die Einstudierung von oratorischen Chorwerken kümmerte. Während dieser Zeit richtete denn auch eine Wachtbergerin die Frage an ihn, ob er nicht im Drachenfelser Ländchen ein Jugendorchester aufbauen wolle. Genau das tat Meurer. Inzwischen musizieren 30 Jugendliche zwischen neun und 18 Jahren im Wachtberger Jugendorchester.

"Man merkt, Herr Meurer hat Spaß an der Sache."

Rund ein Dutzend junger Bläser sind an diesem Probentag mit von der Partie. Darunter nicht nur Querflötistin Berit Ameskamp, sondern auch ihr zehn Jahre alter Bruder Henning. Er spielt Oboe. Was bereits nach wenigen Minuten auffällt: Es geht locker zu beim Einstudieren der Stücke aus einer Mozart-Ouvertüre. Geprobt wird unter anderem für ein Konzert Anfang des neuen Jahres. Kein lautes Wort ist zu hören. Stattdessen führt Meurer die jungen Leute stets freundlich und aufmunternd, dabei wirkt er trotzdem bestimmt.

Seine umgängliche und zugleich fordernde Art kommt an bei den jungen Leuten. "Man merkt, Herr Meurer hat Spaß an der Sache", glaubt Berit Ameskamp, die ihrerseits die Herausforderung sucht: "Ich spiele in meiner Schule bereits im Schulorchester, aber ich wollte noch anspruchsvollere Sachen machen", so Ameskamp. Nicht von ungefähr weist Nicole Wagner, Vorsitzende des Trägervereins, daraufhin, dass man den Nachwuchs auch gezielt fördere. Vor allem Instrumentalunterricht für Geige, Bratsche, Violoncello, Kontrabass, Oboe und Horn.

Ähnlich ambitioniert ist auch ein paar Flure weiter ihr Orchesterkollege Nicholas Bailey am Werk. In einem Klassenraum haben die Streicher unter Leitung von Regula Sager ihr Domizil. Neben Nicholas Bailey üben noch drei Mädchen den richtigen Einsatz und schwierige Partituren. Für Bailey, der bis zu seinem neunten Lebensjahr in England gelebt hat, war der Eintritt in das Jugendmusikorchester auch dazu gedacht, "um Deutsch zu lernen". Zuerst habe er Fußball gespielt, "aber das hat nicht so viel gebracht". Inzwischen spricht er fast akzentfrei die Landessprache, was er auf einen tollen Teamgeist unter den Musikern zurückführt: "Wir sind fast eine richtige Orchesterfamilie", so beschreibt er das Wir-Gefühl. Dazu steuert auch die regelmäßige Orchesterfahrt ein Übriges bei.

Großer Aufwand

Der Vorsitzenden des Trägervereins, Nicole Wagner, nötigt so das Engagement von Orchestermitgliedern wie Bailey und Ameskamp Respekt ab: "Man muss sich einfach einmal vorstellen, wie viele Musikstunden sie eigentlich neben der Schulzeit absolviert haben, um überhaupt in einem Orchester mitspielen zu können", gibt sie zu bedenken. Hinzu kämen Probendienstage, etliche Sonderproben und Konzerte an den Wochenenden. Aber Wagner glaubt auch, dass sich der Einsatz auch in mancher Hinsicht lohnt: "Das gemeinsame Musizieren ist grundsätzlich für die Wahrnehmung, die Konzentrationsfähigkeit und Teamarbeit unglaublich wichtig."

Gleichwohl ist der Aufwand groß, den beispielsweise auch Nicholas Bailey betreiben muss: "Meine Eltern sagen schon, ich mache zu viel." Zumal sich der junge Mann auch noch als Langstreckenläufer beweisen will.

Trotzdem ist für ihn wie für seine Orchesterkollegin Berit Ameskamp die Musik eher Kür als Pflicht. "Schließlich will ich besser werden", betont die 16-Jährige. Daher bereite es ihr Freude, "wenn man schwerere Stücke spielt". Auch Nicholas Bailey, der bereits eigene Lieder komponiert, hat noch Großes vor: "Ich kann mir vorstellen, Berufsmusiker zu werden." Stilrichtung: Moderne Tanzmusik.

Weitere Informationen auf wachtbergerjugendorchester.de