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Landhaus Kremmel in Villiprott: Nicht nur der Biergarten wird fehlen

Landhaus Kremmel in Villiprott : Nicht nur der Biergarten wird fehlen

Das Landhaus Kremmel in Villiprott schließt am 22. Februar nach 28 Jahren seine Pforten. Das Gebäude ist verkauft und soll abgerissen werden.

Mittags, wenn die letzten Gäste gegangen und das Restaurant aufgeräumt ist, pflegen die Kremmels eine Art Ritual, das sich erst einmal nicht von dem in Privathaushalten unterscheidet. Einer von beiden kocht. Bei dem was und wo hingegen geht es außergewöhnlicher zu. „Wir schauen einfach, was das Kühlhaus hergibt und brutzeln in der Restaurantküche“, erzählt Ilse Kremmel.

Am 22. Februar jedoch hat es ein Ende mit dem spontanen Bedienen aus dem „großen Kühlschrank“. Das Landhaus Kremmel schließt nach 28 Jahren in Villiprott seine Pforten. Da steht natürlich schnell die Frage nach dem „Warum“ im Raum. Denn nicht nur passionierte Biergartengänger werden das Kleinod am Rand des Kottenforsts kennen. Mangelnde Kundschaft kann es also wohl kaum sein. „Nein“, versichert Hausherr und Koch Kurt Kremmel. „Unser Vertrag lief aus, die Verpächterin wollte verkaufen, wir uns auch nicht mehr ewig binden“, sagt der 67-Jährige.

Es war 1969 der österreichische Botschafter, der den jungen Kurt zu sich in die Bundeshauptstadt Bonn holte. Beide hatten den gleichen Heimatort in Vorarlberg: Lustenau. In eben jenem Jahr lernte er auch seine spätere Ehefrau kennen, die damals allerdings noch als Sekretärin arbeitete. „Nach der Zeit in der Botschaftsküche war er für große Hotels tätig, viel unterwegs und ich mit unserem Kind oft alleine“, erzählt die 64-Jährige.

Den zunächst kühnen Gedanken an Selbstständigkeit setzten sie 1981 um, als sie das Restaurant im Villiprotter Reitstall (heute Pferdeklinik) übernahmen. Die Geschäfte liefen gut. „Aber wir wollten weg von der rustikalen hin zur österreichisch-mediterranen Küche.“ Deshalb stehen auch bis zum letzten Tag weiter Wiener Schnitzel, Krabbenpfännchen und Tafelspitz Seit' an Seit' auf der Karte. Das Rezept für Letzteren stammt aus der Kaiserzeit. „Ich nehme Erdäpfelschmarrn, Apfelkren und Schnittlauch und nicht den komischen Meerrettich, das ist eingedeutscht“, betont der Küchenmeister, dem seit elf Jahren die Köchin Regina Hamacher zur Seite steht.

Spargel, Hirschmedaillon, Gans sowie Pfifferlinge mit Rumpsteak – viele Gäste waren nicht nur Wiederholungstäter, sondern kamen und kommen wegen der jeweiligen Saisonkarte. „Es muss eben keine molekulare Küche sein, aber qualitätvoll“, meint er zu den stets gut gefüllten Tischen. 50 Gäste finden drinnen Platz, 40 auf der Terrasse und 300 waren es im Biergarten. „Im Jahrhundertsommer 2004 hab' ich, glaube ich, draußen meinen Spülrekord gebrochen“, erinnert sie sich lächelnd.

Ein Abschiedsfest wird es übrigens nicht geben, dazu schwingt zu viel Wehmut mit. „Wir machen gerade gemeinsame Trauerbewältigung mit den Gästen“, so Ilse Kremmel. So sind es die kleinen Dinge, auf die sich das Ehepaar nach dem 22. Februar freut. Zeit für die drei Enkel, Reisen und Essen in Europa, Motorradtouren, aber auch einen eigenen Weihnachtsbaum, jetzt, wo sie am Fest nicht mehr arbeiten müssen.

Ihre Wohnung oberhalb des Restaurants tauschen sie gegen ein Häuschen in Rheinbach-Wormersdorf ein. Ilse Kremmels 15 Kräutertöpfe, aus denen sich ihr Mann immer bediente, ziehen mit. Kochen wollen sie weiterhin abwechselnd. „Wir sind unkomplizierte Esser, haben aber eine Schwäche für Innereien“, erzählt sie. Ein Traum wird sich aber wohl nicht erfüllen. Nämlich der, dass sie sich, wie sonst ihre Gäste, aufs Rad schwingen und auf ein Weinchen im Biergarten in Villiprott vorbeischauen. Wie die Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises auf Anfrage sagte, liegt ein Abrissantrag für das Gebäude vor; allerdings sei er noch nicht genehmigt.

An allen Samstagen, Sonntagen und Montagen im März verkaufen die Kremmels jeweils von 11 bis 18 Uhr Möbel, Theke, Wäsche, Deko, Gläser und vieles mehr aus dem Landhaus. Adresse: Dorfstraße 33 in Wachtberg-Villiprott.