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Niderbachem: Prozess zum Kiosk-Überfall hat begonnen

Täter vermuteten Poststelle statt Kiosk : Prozess zum Kiosk-Überfall in Niederbachem hat begonnen

Drei Männer müssen sich seit Freitag vor dem Landgericht Bonn verantworten. Sie sollen im November 2019 ein Lokal in Niederbachem überfallen haben. Die Täter hatten offenbar irrtümlich geglaubt, dass im Kiosk noch eine Poststelle mit Tresor betrieben wird.

Wegen versuchter, schwerer räuberischer Erpressung müssen sich seit Freitag drei Männer vor dem Landgericht Bonn verantworten. Sie sollen am 4. November 2019 die alte Postfiliale in Niederbachem überfallen haben.

Rückblick: Morgenstimmung vor dem Kiosk. Ein Stammgast lässt sich gegen 7.40 Uhr einen Pott Kaffee von der Kiosk-Mitarbeiterin bringen. Eine Zahnärztin, die in dem Haus wohnte, holt ein Paket ab. Plötzlich stürmen zwei maskierte Personen vom Parkplatz auf die Lottoannahmestelle zu. Der Kleinere, so erinnert sich der 65-jährige Stammgast als Zeuge vor dem Landgericht, zerrt die Mitarbeiterin, die gerade noch plaudernd in der Tür steht, in das Ladenlokal. Der Größere hingegen fuchtelt mit einer kleinen schwarzen Waffe und versucht vergeblich, die Kioskgäste, die vor der Tür stehen, ins Lokal zu zwingen. Die Zahnärztin, die ahnt, worauf es die Räuber abgesehen haben, sagt: „Hier gibt es kein Geld. Verschwinden Sie.“ Daraufhin brüllt der größere dem kleineren Täter, der die Mitarbeiterin drinnen bedroht, zu: „Komm, hier gibt’s kein Geld. Hauen wir ab!“ Tatsächlich bricht das Duo den Überfall ab. Der ganze Spuk dauert keine drei Minuten.

Ermittler spüren Täter nach einem halben Jahr auf

Eineinhalb Jahre nach dem Überfall müssen sich seit Freitag die beiden mutmaßlichen Täter, 22 und 30 Jahre alt, vor der 2. Großen Strafkammer verantworten. Mitangeklagt ist ein heute 39-Jähriger, der mit dem Fluchtauto, einem schwarzen Audi-Cabriolet, in einer Stichstraße wartete. Ein halbes Jahr hatten die Ermittler gebraucht, um die Täter aufzuspüren. Eine Überwachungskamera hatte die maskierten Konterfeis aufgenommen. Es gab aber auch DNA-Spuren an dem kurz zuvor geklauten Autokennzeichen. Der Jüngste im Trio, vielfach vorbestraft, konnte erst im Dezember 2020 festgenommen werden. Fast ein Jahr war er auf der Flucht und sitzt jetzt als einziger in Untersuchungshaft.

Der Grund für den plötzlichen Abbruch des Raubüberfalls wurde bald klar: Die Täter hatten offenbar irrtümlich geglaubt, dass im Kiosk noch eine Poststelle mit Tresor betrieben wird. Aber die war, wie sich die heute 67-jährige Angestellte der Lottoannahmestelle nun als Zeugin erinnerte, bereits vor acht Jahren abgegeben worden. Nachdem es 2010 innerhalb von sechs Wochen gleich Überfälle gab: Die Beute waren mal 16 000 Euro, mal 7000 Euro.

„Nein, nicht schon wieder“, habe sie gedacht, als sie 2019 von dem kleineren Täter in den Kiosk geschoben wurde, er ihr die Waffe an den Körper hielt, wiederholt den Tresorschlüssel verlangte und ihr mit folgenden Worten drohte: „Ich weiß, wo der steht, ich kenne die Räume.“ Sie habe noch versucht zu sagen, dass es in den Räumen keinen Tresor mehr gibt. „Aber da bin ich rücklings gestürzt, habe dabei alle Süßigkeiten von der Theke mitgenommen und lag inmitten der Bonbons hilflos auf dem Rücken, der bewaffnete Mann über mir. Ich hatte nur Angst.“ Dann kam der erlösende Satz des Mittäters: „Da gibt’s kein Geld! Komm wir hauen ab.“

Tatsächlich soll das Trio laut Anklage zwei Tage vor dem bewaffneten Überfall den Tatort ausspioniert haben. Zwei auffällige Fremde waren als angeblich durstige Kunden erschienen, die sich für einige Cent Trinkpäckchen mit angeklebten Strohhalmen besorgt hatten und sich umschauten. Zu den Vorwürfen wollen sich die Angeklagten erst am nächsten Prozesstag äußern.